Boniflex: Die „Bonitätsbereiniger“ sind selbst zahlungsunfähig

Boniflex: Die „Bonitätsbereiniger“ sind selbst zahlungsunfähig

Zahlungsunfähig: Boniflex hätte nun selbst eine "Bonitätsbereinigung" nötig.

Die Kärntner Firma Boniflex, die Kunden verspricht ihre Kreditwürdigkeit wieder herzustellen, ist selbst pleite. Das Geschäftsmodell basierte in erster Linie darauf angeblich negative Krediteinträge von Klienten löschen zu lassen. Eine Behauptung, die Kreditauskunfteien jedoch widerlegt haben.

Da hilft wohl selbst eine noch so ausgekügelte Bonitätsbereinigung nichts: Der selbst ernannte "Bonitätsbereiniger" Boniflex ist zahlungsunfähig. Auch falsche Zahlen in Bonitätsdatenbank sind wohl kaum zu vermuten. Der Insolvenzantrag wurde von einem Gläubiger eingebracht. Zum Insolvenzverwalter wurde der Wolfsberger Franz Poganitsch bestellt. Die erste Gläubigerversammlung und Prüfungstagsatzung findet laut Informationen des KSV1870 am 6. Oktober statt. Ab sofort können Gläubigerforderungen bis zum 22. September über den KSV1870 insolvenz.klagenfurt <AT> ksv.at angemeldet werden.

Informationen über das Vermögen und die Schulden sowie der Insolvenzursachen liegen derzeit noch nicht vor, aber das Geschäftsmodell stand, wie FORMAT schrieb, auf tönernen Füßen. Erst Anfang des Jahres hat das Unternehmen in Fernsehspots und Radiowerbeeinschaltungen medienwirksam auf sein spezielles Service aufmerksam gemacht. Boniflex hat darin suggeriert, dass viele Bonitätsbewertungen bei Wirtschaftsauskunfteien falsch und veraltetet wären und sich das negativ auf die Betroffenen auswirken könnte. Um diese Behauptung zu untermauern, zitierte Boniflex eine Studie, derzufolge Daten von über sieben Millionen Österreichern, 3,5 Millionen nicht korrekt wären. Boniflex würde in diesen Fällen die Kreditwürdigkeit der betroffenen gegebenenfalls wieder herstellen.

Eine Behauptung der Auskunfteien schon im März 2015 entschieden widersprachen. So sind die Daten der Auskunfteien sehr wohl aktuell und weder falsch noch veraltet. So trägt der Kreditschutzverband KSV1870, der als einziger in Österreich über Kreditdaten von Banken verfügt, die Kreditdaten in das Informationsverbundsystem KonsumentenKreditEvidenz ein. Diese Daten des KSV1870 werden entsprechend den gesetzlich vorgeschriebenen Fristen der Datenschutzbehörde gelöscht. Nur bei wenigen Ausnahmen könne es dabei zu Verzögerungen kommen. „Etwa, wenn ein Kredit vorzeitig getilgt wurde und die Bank dies im Informationsverbundsystem noch nicht gemeldet hat", stellte Roland Führer, Geschäftsführer der KSV1870 Information GmbH bereits im März gegenüber Format.at klar. Dann kümmere sich jedoch ein Mitarbeiter im ServiceCenter des KSV1870 um eine entsprechende Klärung.

Die Wirtschaftsauskunftei CRIF hat, verärgert durch die Werbung von Boniflex dazu festgehalten, dass das Löschen einzelner Datensätze von Klienten gar nicht erlaubt ist: „Wird ein Antrag auf Löschung von Personen oder Unternehmen gestellt, werden stets die Identität zur Gänze und nicht nur einzelne Zahlungserfahrungen bzw. Inkassofälle gelöscht. Das geschieht um der kreditgebenden Wirtschaft kein falsches Bild zu vermitteln, dass jemand eine unbelastete und somit gute Bonität hat, die ausschließlich darauf zurückzuführen ist, dass vorher negative Zahlungserfahrungen selektiv gelöscht wurden.“ so Boris Recsey, Geschäftsführer von Auskunftei CRIF.

Boniflex verlangt Geld für Gratisauskünfte

Auch dass das nun insolvente Boniflex teilweise hohe Beträge für ihr Service verlangte, ärgerte die Branche massiv. Denn laut Gesetz hat jeder Bürger einmal im Jahr bei jeder Auskunftei wie etwa den Kreditschutzverbänden Alpenländischen Kreditschutzverband (AKV), dem KSV1870 oder der Wirtschaftsauskunftei CRIF Anspruch auf kostenlose Selbstauskunft.

Die Boniflex-Preise für die Kreditauskünfte und sogenannte Bonitätsbereinigung, also die Löschung einzelner falscher Datensätze, lagen zwischen 49,90 Euro und 750 Euro. CRIF-Boss Recsey erklärte dazu bereits im März gegenüber Format.at: "Boniflex verlangt von arglosen Bürgern und Unternehmen bis zu 750 Euro für die stets kostenlosen und gesetzlich vorgesehenen Dienstleistungen von Auskunfteien. Aus Sicht von CRIF ist es nicht nachvollziehbar, die Dienste von Boniflex in Anspruch zu nehmen. Sie liefern aus unserer Sicht keinerlei Mehrwert."

Auch die Arbeiterkammer Niederösterreich hat bereits vor Monaten vor den Geschäftspraktiken von Boniflex gewarnt.

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