Aufgehübscht für den Börsegang – Hess-Bilanzen waren geschönt

Aufgehübscht für den Börsegang – Hess-Bilanzen waren geschönt

Der verheimlichte Verlust in den Jahren 2007 bis September 2012 belaufe sich auf knapp 45 Millionen Euro, erklärte der Insolvenzverwalter von Hess, Volker Grub, am Mittwoch in Stuttgart. In seinem Auftrag hatte die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ebner Stolz Bücher und Unterlagen des Schwarzwälder Familienunternehmens durchforstet, das nur vier Monate nach dem Börsengang pleite ging.

Der frühere Vorstandschef Christoph Hess und Finanzvorstand Peter Ziegler stehen vor einer Klagewelle. Vorwürfe der Bilanzfälschung hatten sie zurückgewiesen.

Insolvenzverwalter Grub hat die beiden Ex-Manager auf Schadenersatz über insgesamt 2,76 Millionen Euro verklagt. Den Aktionären sei nun der Schaden durch den Kauf der Aktien aus der Insolvenzmasse zu erstatten, erklärte das Unternehmen. Die Hess AG hatte mit dem Gang an die Börse 35,65 Millionen Euro eingenommen, der Familie von Christoph Hess flossen weitere 5,3 Millionen Euro zu.

Die Vorstände hätten im Anlauf zum Börsengang 2011 und 2012 die Bilanzen um ergebniswirksame 38 Millionen Euro aufgebläht, erklärte Grub. "Man wollte Weltfirma werden, man wollte was darstellen", sagte der Insolvenzverwalter. Hess und Ziegler hätten die Aktien mit falschen Bilanzzahlen an die Börse gebracht. "Das Unternehmen war bereits vor dem Börsengang in der Schieflage." Die Hess AG veröffentlichte so für Januar bis September 2012 einen Vorsteuergewinn von 652.000 Euro - tatsächlich fiel Grub zufolge aber ein Verlust von knapp 20 Millionen Euro an. Die beiden Manager seien dabei sehr erfinderisch gewesen. So seien über Scheinrechnungen Umsätze fingiert worden. Der Finanzvorstand habe mit Devisen spekuliert und die dabei anfallenden Verlustrisiken nicht in die Bilanz gestellt. Auch ein Grundstücksverkauf oder Kreisgeschäfte mit abgeschriebenen Maschinen zu überhöhten Preisen steigerten dem Prüfbericht zufolge den Gewinn auf dem Papier. Dazu sei ein Geflecht aus rund 40 Firmen genutzt worden.

Der Aufsichtsrat hatte Hess und Ziegler im Januar gefeuert. Die Staatsanwaltschaft leitete Ermittlungen wegen des Verdachts der Bilanzfälschung und des Kapitalanlagebetrugs ein. Der Straßenlampen-Hersteller aus Villingen-Schwenningen gehört seit Oktober zur einstigen Philips-Sparte Nordeon aus den Niederlanden.

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