Alpine Bau – Für die Gläubiger bleibt nicht viel übrig

Alpine Bau – Für die Gläubiger bleibt nicht viel übrig

"Wir haben jetzt eine liquide Masse von cirka 52 Millionen Euro gebildet", sagte Alpine Bau-Insolvenzverwalter Stephan Riel nach der heutigen Prüfungstagsatzung am Handelsgericht Wien zur APA. Dem stünden noch beträchtliche Masseforderungen in der Größenordnung von 30 Mio. Euro aus Arbeitsverhältnissen gegenüber.

Der einst zweitgrößte Baukonzern in Österreich hat im Sommer die größte Insolvenz der Zweiten Republik hingelegt - das Forderungsvolumen der rund 9.600 Gläubiger summiert sich bis dato auf rund 4,15 Mrd. Euro., 1,5 Mrd. Euro davon hat der Insolvenzverwalter vorerst anerkannt, 2,65 Mrd. Euro bestritten.

Über die Aktiva der Alpine wollte Riel im Gespräch mit der APA noch keine Angaben machen, da die Verwertung noch nicht abgeschlossen sei. In den kommenden Wochen und Monaten werden noch Liegenschaften, Fahrnisse (Werkzeuge, Geräte, Baumaschinen, Fahrzeuge) und Beteiligungen veräußert. Zudem gebe es noch strittige offene Forderungen. Auch Schadenersatzansprüche könnten noch geltend gemacht werden.

Für die Gläubiger hat das Gericht heute eine relativ lange Bestreitungsfrist von 6 Monaten festgelegt - "ausreichend Zeit, um vorerst bestrittene Forderungen außergerichtlich zu klären", so die Einschätzung der Insolvenzrechtsexperten. Zu der Tagsatzung am Handelsgericht fanden sich heute rund 40 Gläubiger ein.

In den vergangenen Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg hat es kein Insolvenzverfahren in dieser Größe, diesem Umfang und dieser Komplexität gegeben. "Das stellt wirklich eine enorme Herausforderung für alle Beteiligten dar und wird bestmöglich und hochprofessionell abgewickelt", so die Insolvenzrechtsexperten. "Alleine bei der Sichtung und Ordnung der Buchhaltungsunterlagen der Alpine mussten rund 200 Personen der Abwicklungsmannschaft etwa 60.000 Ordner durcharbeiten", veranschaulichte auch Hans-Georg Kantner vom Kreditschutzverband von 1870 (KSV) den extremen Aufwand.

Schulden unterschätzt, Aktiva überschätzt

Die Bilanz bisher: Durch regionale Auffanglösungen einzelner Unternehmensteile der Alpine wurden den Kreditschützern zufolge die meisten der rund 4.900 Arbeitsplätze im Inland erhalten. Traurig ist allerdings, dass die auszahlbare Quote für die Gläubiger laut den Experten sehr gering sein wird. Es sei von einer "minimalen Quote" auszugehen - nach einem langjährigen Insolvenzverfahren. "Es wird sicher noch Prozesse geben."

Bei der Alpine Bau GmbH entfällt der Löwenanteil der angemeldeten Forderungen von insgesamt 4,15 Mrd. Euro auf Kreditschulden (rund 1,55 Mrd. Euro) und Schadenersatzforderungen (rund 1,44 Mrd. Euro). Bankkredite und Schadenersatz machen also in Summe drei Viertel der Passiva aus, geht aus einer vorläufigen Auflistung des Kreditschutzverbands von 1870 (KSV) hervor.

Größere Brocken entfallen auch auf Alpine-Holding-Darlehen (rund 318 Mio. Euro), Lieferantenverbindlichkeiten (rund 216 Mio. Euro), Konzernverbindlichkeiten (etwa 169 Mio. Euro) sowie Haftrücklässe zur Sicherstellung von Gewährleistungs- und Schadenersatzansprüchen aufgrund mangelhafter Leistung (ebenfalls etwa 169 Mio. Euro).

Weiters offen sind 87 Mio. Euro für Leasingentgelte, 66 Mio. Euro für öffentlich-rechtliche Abgaben (Steuerschulden, Sozialversicherungsabgaben) sowie Dienstnehmerforderungen in Höhe von etwa 17 Mio. Euro. "Sonstige Verbindlichkeiten" summieren sich laut KSV auf 117 Mio. Euro.

Forderungsprüfung noch nicht abgeschlossen

"Die Forderungsprüfung ist noch nicht abgeschlossen", betonen Insolvenzrechtsexperten. Noch nicht erfasst sind beispielsweise die Beendigungsansprüche der Alpine-Dienstnehmer. Masseverwalter Stephan Riel rechnet hier eigenen Angaben von heute, Dienstag, zufolge mit nachträglichen Forderungsanmeldungen im Volumen von rund 225 Mio. Euro.

Neben den Dienstnehmerbeendigungsforderungen kommen aller Voraussicht nach auch noch Schadenersatzansprüche und Anmeldungen von ausländischen Gläubigern hinzu. Dadurch wird sich der Gesamtbetrag der Forderungen ebenfalls noch deutlich erhöhen.

Von den angemeldeten Forderungen in Höhe von 4,15 Mrd. Euro durch rund 9.600 Gläubiger sind per heute, Mittwoch, 1,51 Mrd. Euro anerkannt - letztlich dürften Schätzungen des KSV zufolge aber 3,4 bis 3,7 Mrd. Euro anerkannt werden, also gut doppelt so viele wie jetzt.

2,6 Mrd. Euro an Forderungen wurden vom Masseverwalter vorerst bestritten. "Davon beziehen sich 2,5 Mrd. Euro auf einen Pool von 80 Gläubigern", sagte KSV-Insolvenzexperte Jürgen Gebauer zur APA.

Den derzeit noch laufenden Verwertungsprozess hofft der Masseverwalter bis Ende des Jahres abschließen zu können. Derzeit liegt der Schwerpunkt auf dem Verkauf von Alpine-Beteiligungen an Vorproduktionsgesellschaften. 9 der 25 Beteiligungen (darunter Asphaltmischanlagen) wurden bereits verkauft. Die Fahrnisse der Alpine, die ursprünglich etwa 40.000 Positionen (vom Hammer bis zur Baumaschine) umfassten, werden in den kommenden Wochen versteigert.

Nach dem raschen Auffangen von offenen Baustellen und rund 4.800 Jobs seien in den nächsten Monaten und Jahren Anfechtungsansprüche, Ansprüche gegen ehemalige Organe des Unternehmens sowie Beraterhaftung das Thema, so Gebauer. "Das Insolvenzverfahren wird noch lange dauern - eventuell sind noch Prozesse zu führen."

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