Zenith - Die Rettung einer Legende

Kult-Chrono am Handgelenk: Zenith Defy El Primero 21

Kult-Chrono am Handgelenk: Zenith Defy El Primero 21

Beinahe wäre einer der präzisesten Chronographen der Welt einem Managementfehler zum Opfer gefallen. Doch ein Mitarbeiter bei Zenith rettete die Ikone "El Primero".

Manche Dinge sind so gut, dass sie einfach nicht altern. Sie kommen nicht aus der Mode und können technisch nur schwer übertrumpft werden, weil sie zur Zeit ihrer Erfindung eben schon legendär waren. In der Uhrenindustrie gibt es etliche Beispiele, die diese Behauptung untermauern. Eine dieser Legenden heißt "El Primero" und ist für die meisten Brancheninsider schlichtweg das beste Chronographenkaliber aller Zeiten. Superlative sind natürlich oft Geschmackssache, also bleiben wir vorerst bei den Fakten:

Als erster Automatik-Chrono der Uhrengeschichte sorgte El Primero 1969 für großes Aufsehen - hatte er doch gleich mehrere zukunftsweisende Eigenschaften aufzuweisen. Zum einen war das Werk als integriertes Kaliber konzipiert - als Gesamtkonstruktion um einen kugelgelagerten Zentralrotor und ein Säulenrad. Zur Erklärung: Bei vielen herkömmlichen Chronographen bestanden die Werke damals und teilweise heute noch aus einem Basiskaliber und einem aufgesetzten Zusatzmodul für den Stoppmechanismus. Ist das nicht der Fall, spricht man von einem "integrierten" Chronographen.

Beeindruckt mit einer gegenüber dem Original verzehnfachten Frequenz, was die Anzeige von Hundertstelsekunden auf einer Anzeige von 1 bis 100 möglich macht. Preis (Titan mit Lederband): 11.100 €

Eine weitere spektakuläre Neuheit stellte seine Hochfrequenz dar: 36.000 Halbschwingungen pro Stunde, die El Primero für viele Jahre zum absolut präzisesten Chronographen der Welt machten. Gekrönt wurde diese Spitzenleistung von einer 50-stündigen Gangreserve und überraschend geringen Werkdimensionen. Trotz Stoppfunktion und zusätzlicher Datumsanzeige kam das Kaliber auf 6,5 mm Bauhöhe und 29,33 mm Durchmesser. All diese Innovationen in einem Modell zu vereinen, hatte insgesamt sieben Jahre Entwicklungsarbeit in Anspruch genommen.

Schwere Zeiten

Trotz dieser eindrucksvollen Demonstration seiner überragenden Zuverlässigkeit wurde El Primero in den 1970ern durch die aufkommende Quarztechnologie vom Markt verdrängt. Seine Produktion wurde sogar komplett eingestellt. Doch auch in dieser schwierigen Phase geschah etwas, das einer Ikone wie El Primero würdig war - eine Geschichte, so außergewöhnlich, wie das ikonische Uhrwerk selbst.

Zenith Primera Uhrwerk

Das ikonische Uhrwerk der Zenith Primera

Der damalige Werkstättenleiter Charles Vermot entpuppte sich als wahrer Held. Anfang der 1970er-Jahre durchlitt die Schweizer Uhrenindustrie nämlich die schlimmste Krise ihrer Geschichte. Quarzuhren, anfangs vorwiegend aus Japan, drohten, die traditionellen mechanischen Kaliber völlig vom Markt zu verdrängen. Die amerikanische Inhaberin der Marke mit dem Stern zwischen 1971 und 1978, Zenith Radio Corporation, fällte daraufhin eine drastische Entscheidung: Sie wollte sich fortan ausschließlich auf den Bau von Quarzuhren konzentrieren. Die Maschinen und Spezialwerkzeuge für Mechanikwerke sollten zum Schrottpreis versteigert, Pläne und jahrhundertealtes Wissen eingestampft werden.

In der von Charles Vermot geleiteten Werkstatt Nr. 4 schlug die Nachricht wie eine Bombe ein. Der Spezialist für Chronographen, der sein Leben lang in der Manufaktur gearbeitet und speziell die Entwicklung von "El Primero" von Anfang an begleitet hatte, war fassungslos. Vergeblich versuchte er, die Direktion umzustimmen, denn er war überzeugt davon, dass die geniale Technik sich eines Tages wieder gegen die Batterien durchsetzen würde.

Dann beschloss er, auf eigene Faust zu handeln. Nach Feierabend schaffte er heimlich 150 Maschinen mit einem Gesamtgewicht von mehr als einer Tonne, Spezialwerkzeuge, Stanzen, Nocken und Pläne an einen sicheren Ort. Jedes Teil wurde von ihm sorgfältig etikettiert und in einem Register verzeichnet, das er auf dem selten betretenen Dachboden der Manufaktur aufbewahrte.

1978 wechselte die Marke erneut den Besitzer, der im Gegensatz zu seinen Vorgängern an eine Renaissance der mechanischen Uhrmacherkunst glaubte. Eine Prognose, die von anderen Uhrenhäusern geteilt wurde, weshalb sie ihre Kreationen gern mit dem unerreicht präzisen und zuverlässigen Kaliber "El Primero" ausstatten wollten und sich daher an Zenith wandten. Aber wie sollte die Manufaktur ihren Bestellungen nachkommen? Ohne Pläne, Formen, Spezialwerkzeuge? Und vor allem ohne das spezifische Wissen der Uhrmacher, die alle entlassen oder in Rente gegangen waren?


Zenith El Primero - das Set

Drei Generationen eines Meisterstücks

  • Original Anno 1969 (links): El Primero A386 Revival mit 36.000 HS/Std.
  • Nächste Generation (Mitte): Chronomaster 2.0 El Primero mit 60 Std. Gangreserve
  • Die Zukunft (rechts): Defy El Primero mit 360.000 HS/Std.
Zenith Primera

Zenith


Dies war der Moment, in dem Charles Vermot das Geheimnis seiner Gehorsamsverweigerung lüftete: Er zeigte der neuen Direktion die großen Holzkisten, die er neun Jahre lang sorgsam gehütet hatte. Dank dieses bescheidenen Helden konnte Zenith die Produktion des legendären Chronographen 1984 wieder aufnehmen. Seither blieb der Mechanismus zwar grundsätzlich unverändert, die Technologie rund um den Fixstern "El Primero" hat sich aber natürlich weiterentwickelt.

Die Jubiläumsbox

Als Hommage an seine faszinierende Geschichte bietet Zenith Liebhabern jetzt eine Box an, die drei Chronographen mit den ikonisch-verschiedenfarbigen Zählern enthält. Im ersten Fach der auf 50 Exemplare weltweit limitierten Schatulle findet sich eine perfekte Nachbildung des Chronographen aus dem Jahr 1969.

Zenith El Primero Box

Zum Jubiläum bietet Zenith die auf 50 Exemplare limitierte "El Primero-Box". Setpreis: 45.000 Euro

Das 38-mm-Stahlgehäuse, das gewölbte Glas mit Vergrößerungseffekt, die Tachymeterskala, die Schrift, die Formen der Zeiger und Stundenindizes und das Lederarmband: Alle Designcodes des Originals sind präsent. Um den Geist und die ursprünglichen Eigenschaften der Vorgängerin neu erstehen zu lassen, führten die Techniker und Designer bei Zenith eine akribische Nachkonstruktion durch: Ein historisches Exemplar wurde vollständig lasergescannt, um jedes Bauteil originalgetreu nachbilden zu können.

Die einzigen Freiheiten nahm sich die Manufaktur bei der Aktualisierung des Logos auf der Krone und beim ehemals massiven Gehäuseboden heraus, der nun mit einem Sichtfenster ausgestattet wurde. Der "Motor" der Uhr ist die aktuelle Version des Säulenrad-Chronographenwerks "El Primero", das wie immer dank einer Frequenz von 36.000 Halbschwingungen pro Stunde die Zeit auf die Zehntelsekunde genau misst.

Die zweite Uhr in der Jubiläumsbox ist eine Chronomaster mit einem "El Primero-Kaliber" der neuen Generation: "El Primero 3600". Beim Original beschreibt der Chronographenzeiger eine Umdrehung in zehn Sekunden und zeigt jeden Zehntelsekunden-Sprung auf einer Skala von eins bis 100 an. Bei dieser Version wurde die ursprüngliche Konstruktion neu gestaltet. Die offensichtlichsten Ergebnisse sind ein Sekundenstopp bei der Zeiteinstellung und eine auf 60 Stunden erhöhte Gangreserve. Dazu kam ein modernerer Look: 42-mm-Stahlgehäuse, schwarze Keramiklünette, sternförmige Schwungmasse und Kautschukarmband mit kontrastierenden Nähten.

Die letzte Uhr dieser Trilogie, der Chronograph "Defy El Primero 21", steht für den Beginn einer neuen Ära. Im Inneren ihres imposanten 44-mm-Gehäuses schlägt ein revolutionäres mechanisches Uhrwerk mit einer Frequenz von 360.000 Halbschwingungen pro Stunde (50 Hz), was die Messung und Anzeige von Hundertstelsekunden auf einer Skala von 1 bis 100 möglich macht.

Die Zukunft der Uhrmacherkunst verspricht außergewöhnliche Leistungen, wie das vierte Kissen in der Box ahnen lässt, das bewusst leer gelassen wurde, um dem nächsten Meisterwerk im Bereich der extrem hohen Frequenzen Platz zu bieten. Für Spannung wird dank Zenith also auch weiterhin gesorgt sein.


Der Held von Le Locle

Wie der ehemalige Werkstattenleiter bei Zenith die Renaissance der mechanischen Uhrmacherkunst ermöglichte.

Als Charles Vermot 1975 beschloss, auf eigene Faust und gegen den Willen der damaligen Firmeninhaber das kostbare Werkzeug und Dokumentationsmaterial rund um El Primero zu verstecken, ahnte er nicht, welch entscheidendes Kapitel in der Geschichte der Manufaktur er damit schreiben sollte. Ohne Charles Vermots bedachtes und beherztes Vorgehen wäre es definitiv unmöglich gewesen, 1984 die Produktion der Chronographenwerke wieder aufzunehmen. Genau genommen läutete diese Wiedergeburt sogar eine wahre Renaissance der mechanischen Uhrmacherkunst ein. Denn andere große Uhrenmarken (u. a. Rolex) wandten sich damals an Zenith, um ihre eigenen Zeitmesser mit dem zuverlässigen Hochleistungswerk auszurüsten.


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