Yasmo: "Es sollte viel mehr über Geld geredet werden"

Rapperin Yasmin Hafedh, aka Yasmo

Rapperin Yasmin Hafedh, aka Yasmo

In der trend-Serie "Sprechen Sie Wirtschaft" erklärt die Wiener Rapperin Yasmin Hafedh, besser bekannt als Yasmo, warum sie immer etwas auf der Seite hat, die Einkommensschere weg muss und Gier wohl zu Recht eine Todsünde ist.

trend: Als Rapperin verschaffen Sie sich mit sozialkritischen Texten auf der Bühne Gehör. Wie gut sprechen Sie privat Wirtschaft?
Yasmin Hafedh: Ich spreche ein bisschen Wirtschaft, aber nicht gut, und mit der Grammatik tu ich mir manchmal schwer. Nein, im Ernst, ich "wirtschafte" in Ordnung, muss aber dazusagen, dass ich mich lange nicht für Wirtschaft interessiert habe. Das ändert sich.

Ihre neue CD heißt "Prekariat und Karat". Sollte generell mehr über Geld gesprochen werden?
Hafedh: Ja, ja und nochmal ja! Es ist alles viel zu verdeckt. Es braucht viel mehr Transparenz in allen Bereichen, nur so können wir zu gleichen Löhnen für gleiche Arbeit kommen, Korruption eindämmen und fairere Bedingungen schaffen. Und ich rede auch übers Geld, weiß aber, dass sich das viele nicht trauen und sich dabei unwohl fühlen, und merke, dass es in Österreich überhaupt als Fauxpas angesehen wird. Das ist mir dann aber egal.

"Kein Platz für Zweifel" heißt ein Song von Ihnen. Gibt es Zweifel, was das momentane Wirtschaftssystem betrifft?
Hafedh: Es ist auch einiges an Unwissen dabei, das gebe ich gerne zu, aber die Arbeitsbedingungen, Deregulierung von Märkten und die Schere, die sich da zwischen Arm und Reich, Ausbeutung und Profit auftut, die bereitet mir Unbehagen. Wir wissen doch als Zivilisation schon länger: "Alles mit Maß und Ziel" - und es wird schon einen Grund haben, warum Gier eine Todsünde ist. Wobei ich dazu sagen muss, dass ich nicht gläubig bin, aber von Gier und hunderttausendster Maximierung halte ich nicht so viel.

Sie sind tough im Auftritt. Sind Sie auch eine gute Verhandlerin in eigener Sache? Nehmen Sie etwa Ihre Steuerangelegenheiten selbst in die Hand?
Hafedh: Ich habe eine Steuerberaterin, ohne die ich komplett aufgeschmissen wäre, aber ich mache meine Buchhaltung und habe auch gelernt, zu verhandeln, was Gagen betrifft. Als ich mit 16 angefangen habe, war mir nicht klar, dass ich für meine Arbeit auch entlohnt werden darf, weil alle immer mit "Du machst das ja gerne" oder "Es ist ja auch Werbung für dich" gekommen sind.

Zusammen mit Mira Lu Kovacs kuratierten Sie heuer das Wiener Popfest. Wie steht es um die Einkommensschere in der Branche?
Hafedh: Die Schere ist überall, und sie gehört weg. In der Kultur ist es aber noch mal etwas extremer, oder es kommt mir so vor, weil wir alle ins Prekariat gedrängt werden und nur ganz wenige, elitäre Kreise Zugang zu größeren Summen haben. Da müsste auch breiter verteilt werden.

Was haben Sie von zu Hause aus im Bezug auf Umgang mit Geld mitbekommen?
Hafedh: Meine Mutter sagt heute noch: "Gib nicht so viel Geld aus!" Ich habe nie viel Geld ausgegeben und bin auch relativ sparsam, aber meine Mutter, die ein Nachkriegskind ist, hat das natürlich ganz anders erlebt und auch einen anderen Zugang.

Finanzielle Unabhängigkeit ist immer auch ein Stück Freiheit. Fühlen Sie sich besser, wenn Sie etwas auf der Seite haben, oder sind Sie eher der Risikotyp?
Hafedh: Ich habe immer etwas auf der Seite, als Selbstständige muss man das auch, weil man eben kein regelmäßiges Einkommen hat, aber das habe ich auch lange lernen müssen. In meiner Studienzeit habe ich aber am Anfang auch gut gelernt, einen halben Monat mit Nudeln auszukommen.

Was ist heute noch ein sinnvolles Investment?
Hafedh: Das weiß ich tatsächlich nicht. Das Wichtigste ist aber die Gesundheit und nicht Geld. Also vielleicht manchmal etwas vom Gas steigen, wenn einem alles zu viel wird. Und ich denke, man muss in grüne Energie investieren, weil es ist zwei vor zwölf.

Was würden Sie als Künstlerin auch für viel Geld nicht tun?
Hafedh: Für gewisse Ideologien eintreten oder auftreten. Alles, was nicht respektvoll Menschen gegenüber ist, lehne ich ab.

Wofür geben Sie gerne Geld aus?
Hafedh: Gerne für gutes Essen und Bücher, da bin ich ein bisschen ein Junkie. Einen Führerschein und dazugehöriges Auto würde ich mir aber wahrscheinlich nie zulegen, aus mehreren Gründen: Stadtkind, Öffis sind toll und: Umwelt!

Und was war das Verrückteste, das Sie sich bisher geleistet haben?
Hafedh: Eine Glitzerjacke, die goldene und schwarze Pailletten hat, die man durchs Drüberstreichen umdrehen kann, sodass man immer nur eine Farbe hat.

Von Konstantin Wecker gibt es die Textzeile: "Genießen war noch nie ein leichtes Spiel": Was bedeutet Genuss für Sie?
Hafedh: Mal kurz im Moment sein und nicht wertend, andächtig oder sorgvoll sein.


Zur Person

Yasmin Hafedh , hat sich unter dem Namen Yasmo als Poetry-Slammerin und Rapperin einen Namen gemacht. Eben hat sie mit ihrer Band Klangkantine ihre neue CD "Prekariat und Karat" vorgelegt, Gemeinsam mit Mira Lu Kovacs kuratiert sie heuer auch das Popfest Wien, das vom 25. bis 28. Juli am Karlsplatz über die Bühne geht.



Das Interview ist der trend-Ausgabe 27-28/2019 vom 5. Juli 2019 entnommen.


Das Interview ist der trend-Ausgabe 27-28/2019 vom 5. Juli 2019 entnommen.

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