Luxusuhrmacher Audemars Piguet steigt ins Second-Hand-Geschäft ein

Der traditionsreiche Uhrenhersteller Audemars Piguet geht neue Wege: Um der schwindenden Nachfrage nach edlen Zeitmessern entgegenzutreten, will sich das Familienunternehmen aus dem Schweizer Jura den Markt für Luxus-Uhren aus zweiter Hand erschließen.

Luxusuhrmacher Audemars Piguet steigt ins Second-Hand-Geschäft ein

Messestand von Audemars Piguet an der Genfer Uhrenmesse 2018

"Uhren aus zweiter Hand sind das nächste große Ding für die Uhrenindustrie", sagt Francois-Henry Bennahmias, Firmenchef des Luxus-Uhrenherstellers Audemars Piguet, und erklärt in einem auf der Genfer Uhrenmesse mit der Nachrichtenagentur Reuters, dass er beabsichtigt, in das Geschäft mit gebrauchten Chronometern einzusteigen.

Audemars Piguet ist einer der letzten unabhängigen Schweizer Unternehmen der Zunft. Derzeit überlasse es Audemars Piguet der "dunklen Seite", das Segment der Occasionsuhren zu bedienen, sagte Bennahmias. "Alle, abgesehen von den Markenherstellern, verkaufen gebrauchte Uhren. Das ist eine kommerzielle Verirrung." Erste Tests in einem Geschäft in Genf seien erfolgreich verlaufen, betont der Chef der Traditionsfirma, deren bekanntestes Modell die achteckige "Royal Oak" ist. Nun soll der Handel mit gebrauchten Uhren auch an weiteren Standorten in der Schweiz, später auch in den USA und in Japan, aufgenommen werden.

Royal Oak - die bekannteste Uhr aus dem Hause Audemars Piguet.

Royal Oak - die bekannteste Uhr aus dem Hause Audemars Piguet.

Auch kleinere Manufakturen wie H. Moser & Cie aus Schaffhausen oder MB&F aus Genf signalisieren ein Interesse am Second-Hand-Markt. Es sei wichtig, den Zweitmarkt zu kontrollieren, um die Besitzer von Uhren zu schützen, sagte Edouard Meylan von H. Moser & Cie. MB&F will im laufenden Jahr über die eigene Website Second-Hand-Verkäufe starten. Dabei dürfte es Rabatte von 20 bis 30 Prozent auf gebrauchte Uhren geben.

Hintergrund ist, dass der Handel mit gebrauchten Uhren, bisher meist über spezielle Einzelhändler und Internetplattformen und somit an den Herstellern vorbei geht. Dabei wächst das Geschäft aber rasant. Jon Cox, Chefanalyst beim Broker Kepler Cheuvreux, schätzt den Markt einschließlich der Uhren, die auf Auktionen verkauft werden auf etwa 5 Milliarden Dollar jährlich. Die größten Markte für Second-Hand-Uhren sind die USA, Großbritannien und Japan.

Schwieriges Kapitel

Für die großen, renommierten Uhrenhersteller ist der Handel mit gebrauchten Uhren ein heikles Feld und es gibt von den Unternehmen keine klare Position dazu. Rolex, Patek Philippe, die Swatch Group, Richemont und Breitling lehnten auch auf Reuters-Anfrage einen Kommentar ab zu einem möglichen Einstieg in den Gebrauchtmarkt ab. Aber ähnlich wie im Automobilgeschäft ist im Uhrengeschäft ein solcher im entstehen und könnte sich auch positiv auf das Geschäft mit den neuen Uhren auswirken, weil Sammler ihre alten Uhren verkaufen, um sich wieder neue Modelle leisten zu können.

Uhren aus zweiter Hand könnten zudem das Luxussegment für den Mittelstand öffnen, meint Luca Solca von Exane BNP Paribas. Einige hätten das Potenzial früh erkannt, sagte Solca und erwähnte den Kauf von InstantLuxe.com, einem Spezialisten für gebrauchte Luxusgüter mit Zertifikat, durch das Nobelwarenhaus Galeries Lafayette im Jahr 2016.

"Wir beobachten einen sozialen und kulturellen Wandel, der uns zwingt, darüber nachzudenken, wie das Geschäft in fünf oder zehn Jahren aussehen wird", sagte Audemars Piguet Chev Bennahmias. Eine neue Generation von Kunden bewerte Abwechslung und Erfahrung in der Welt des Luxus höher als dauerhaften Besitz. Bennahmias: "Die Idee des absoluten Eigentums ist am Sterben", sagte.

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