Michael Niavarani: "Geld ist nur eine Fiktion"

Der Kabarettist und Theaterimpresario Michael Niavarani erklärt, warum das Horten von Geld keinen Sinn macht und er seine letzten Cents für etwas Essbares ausgeben würde.

Michael Niavarani: "Geld ist nur eine Fiktion"

Kabarettist und Simpl-Chef Michael Niavarani

trend: Sie haben das "Simpl" gekauft, betreiben mit Georg Hoanzl das "Globe" ohne Subventionen, haben einen Verlag gegründet und in der Corona-Krise in die Sommerbühne "Theater im Park" investiert. Haben Sie privat auch so eine gute Hand fürs Geld?
Michael Niavarani: Was heißt eine gute Hand fürs Geld haben? Ich habe einen finanziellen Chef in all diesen Firmen. Ich lese auch Kalkulationen gerne und tu so, als würde ich sie verstehen. Aber ich habe keine innige Beziehung zum Geld. Es ist mir im Grunde wurscht. Das Wichtigste ist, dass man großzügig ist. Wenn man Geld verdient und seine Lebensbedürfnisse abgedeckt hat und dann noch etwas übrig bleibt, soll man das nicht sparen, sondern etwas aktiv damit machen. Ich glaube, dass das Horten von Geld keinen Sinn macht. Denn glücklich macht das Geld nicht, weil es nichts tut. Gar nichts. Was glücklich macht, ist das, was man damit machen kann. Würden wir die Förderungen, die wir jetzt bekommen, nicht in ein neues Projekt investieren oder an Mitarbeiter weitergeben, würde das keinen Sinn ergeben.

Lesen Sie abseits der Kultur- auch die Wirtschaftsseiten?
Nein. Mich interessiert das Wirtschaftliche nur in Bezug auf mein Theater, und da auch nur, weil es ohne nicht geht.

Was haben Sie von zu Hause aus im Bezug auf den Umgang mit Geld mitbekommen?
Ich habe eine sehr orientalische Umgangsweise mit Geld mitbekommen: Der persische Vater hat immer sehr viel Geld ausgegeben, unabhängig davon, ob er es gehabt hat oder nicht. Das finde ich sehr wichtig. Und was haben Sie Ihrer Tochter weitergegeben? Sie hat sich schon sehr früh dafür interessiert, wie das ist, Geld zu verdienen, und auch sehr früh in den Ferien zu arbeiten begonnen. Als, sie hat gelernt, aktiv zu sein und sich durch ihre Arbeit ihr Leben leisten zu können.


Geld ist dazu da, dass es uns Dinge ermöglicht, die uns das Leben schöner, leichter, fröhlicher und glücklicher machen.

In Ihrem neuen Buch präsentieren Sie Nestroy als Ratgeber für alle Lebenslagen. Was hatte er zu Geld zu sagen?
Von ihm stammt der Satz "Die Phönizier haben das Geld erfunden, aber warum so wenig?" Er hatte ja Zeit seines Lebens Geldprobleme. Weil er ein Spieler war. Er hat alle finanziellen Belange an seine Lebensgefährtin Marie Weiler abgegeben und vom Geld nicht viel gehalten

Und was halten Sie heute für ein sinnvolles Investment?
Alkohol, Drogen und Prostitution. Alles andere ist Geldverschwendung. Was ich mit diesem Witz meine, ist: Wenn man keinen Spaß daran hat, Aktien zu beobachten oder Immobilienpreise zu vergleichen, sollte man das lassen. Geld ist ja eine Fiktion. Das gibt es gar nicht, das hat der Mensch erfunden. Es ist also kein Naturgesetz. Man kann auch ein klassisches Orchester gründen, das 300.000 Euro im Jahr kostet und nur Musik von Henry Purcell spielt, und auch nur dann, wenn es Lust dazu hat. Wenn einem das Spaß macht, ist das eine sinnvolle Investition. Geld ist dazu da, dass es uns Dinge ermöglicht, die uns das Leben schöner, leichter, fröhlicher und glücklicher machen. Was auf jeden Fall sinnvoll ist, wenn man selbstlos Menschen hilft. Das macht auch am glücklichsten.

Ist finanzielle Vorsorge für Sie als Österreichs erfolgreichster Kabarettist noch ein Thema?
Ich habe in meiner Jugend nie verstanden, warum man sich um seine Pension kümmern muss. Jetzt bin ich 52 und weiß gar nicht, wie viel Pension ich bekommen werde. Aber mich würde es mit 80 nicht glücklich machen, wenn ich zu Hause sitz, nix machen kann und der Staat mir dann meine Steuern zurückzahlt.

Was bedeutet denn wunschlos glücklich für Sie?
Es wäre wahnsinnig traurig, ohne Wunsch zu sein. Wunschlos glücklich bin ich, wenn ich tot bin.

Was ist Luxus für Sie?
Zeit zu haben. Mich nicht darum kümmern zu müssen, ob ich wohin muss oder was arbeiten muss, sondern herumsitzen, in die Luft schauen und dann einfach ein Gulasch kochen, weil ich grad gerne Gulasch kochen möchte. So gesehen leben wir im Lockdown in einer sehr luxuriösen Situation.

Wofür würden Sie Ihr letztes Geld ausgeben?
Wahrscheinlich für irgendwas Essbares.


Zur Person

Michael Niavarani [geb. 1968] Der Sohn eines Persers und einer Wienerin zählt nicht nur zu Österreichs beliebtesten Kabarettisten, sondern ist auch als Geschäftsmann ("Simpl","Globe", Theater im Park) wie als Autor erfolgreich. Eben ist sein Nestroy-Band: "Es glaubt kein Mensch, was ein jeder Mensch glaubt, was er für ein Mensch ist" erschienen (Schultz & Schirm Bühnenverlag).



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