Lilli Hollein: "Ich kenne Existenzangst wie Wohlstand"

Als neue MAK-Chefin beschäftigt sich Designexpertin Lilli Hollein mit großen Gestaltungsfragen. In der Serie "Sprechen Sie Wirtschaft" erklärt sie, warum sie Erbstücke ihrer Mutter trägt und wie Design zum profitablen Investment wird.

Lilli Hollein: "Ich kenne Existenzangst wie Wohlstand"

LILLI HOLLEIN, 49. Die Tochter des Architekten Hans Hollein studierte Industriedesign und ist Mitbegründerin der Vienna Design Week, deren Direktorin sie bis Mai 2021 war. Seit 1. September lenkt sie als erste Frau in der Geschichte des Hauses die Geschicke des Museums für angewandte Kunst.

trend: Wie gut spricht die Kulturmanagerin Wirtschaft?
Lilli Hollein: Ohne ein gewisses wirtschaftliches Verständnis wäre es gewagt, einen Kulturbetrieb, egal, welcher Größe zu leiten. Auch wenn es wie in meiner Position im MAK auch eine kaufmännische Direktorin gibt.

Lesen Sie abseits der Kultur-auch die Wirtschaftsseiten?
Die sind für mich immer interessant, denn sowohl direkt als auch indirekt haben Entwicklungen und Rochaden im Wirtschaftsbereich Auswirkungen auf uns alle und damit auf die Kulturwelt. Außerdem lese ich Zeitungen immer von vorn bis hinten.

Ist finanzielle Vorsorge ein Thema? Träumen Sie vom luxuriösen Alterssitz?
Nachdem ich bis vor wenigen Wochen selbstständig war, noch dazu im Kulturbereich, ist das natürlich ein Thema. Bevor ich über einen Alterssitz nachdenke, möchte ich erst noch meiner Tochter die Ausbildung finanzieren, die sie sich wünscht.

Was halten Sie für ein gutes Investment?
Bildung ist ein sicheres und sinnvolles Investment. Überall auf der Welt.

Was haben Sie von zuhause aus im Umgang mit Geld mitbekommen?
Ich kenne Existenzangst, und ich kenne Wohlstand. Meinem Kind möchte ich Sicherheit vermitteln und Möglichkeiten, aber auch eine kritische Haltung, was Konsum betrifft.

Wissen Sie noch, wofür Sie Ihr erstes selbstverdientes Geld ausgegeben haben?
Das kam vom erfolgreichen Betrieb eines illegalen Saftstands vor dem Haus von Freunden, und ich fürchte, das ist samt und sonders in Naschzeug investiert worden. Ich habe schon zu Schulzeiten gejobbt und hatte immer Freude daran, selbstverdientes Geld und damit eine gewisse Form von Unabhängigkeit zu haben.

Was würden Sie auch für viel Geld nicht machen?
Ich finde, Geld sollte insgesamt eher nicht der primäre Antrieb sein, etwas zu tun. Wann immer ich ein Projekt angenommen habe, weil das Honorar verlockender war als die Aufgabe, habe ich es so bereut, dass ich irgendwann auf dem Weg bereit gewesen wäre, noch etwas draufzulegen, um da wieder rauszukommen.

Als Expertin wissen Sie um die Power von Design Bescheid. Wie viel ist Ihnen ein gutes Outfit wert?
In meinem Designbegriff kommt die Power dieser Disziplin weniger vom Luxussegment als von Design, das sich in den Dienst der Menschheit und der Umwelt stellt. Nachhaltigkeit ist seit 20 Jahren das zentrale Thema dieser Branche und bedeutet im Fall der Mode sowohl Beständigkeit des Materials als auch ästhetische Haltbarkeit. Ich trage Stücke, die ich von meiner vor 25 Jahren verstorbenen Mutter geerbt habe, gerade bei japanischer Mode eine helle Freude, und meine Tochter trägt immer öfter die Sachen aus meiner Studienzeit.

Wie viel darf gutes Design kosten?
Wenn es gutes Design ist, dann setzt sich der Preis aus den Kosten für ein hochqualitatives, unter fairen Bedingungen hergestelltes Material, eine ebenso fair bezahlte und ausgezeichnete Verarbeitung und einen entsprechenden Anteil am Entwurfshonorar für die Gestalter zusammen. Ein neues Bett, dass solchen Ansprüchen genügt, ist eine ziemliche Investition. Das ist mir auf der Suche danach gerade sehr bewusst.

Wofür geben Sie gerne Geld aus?
Mein Bruder und ich haben davon profitiert, dass unsere Eltern es wichtig fanden, mit uns zu reisen. Auch ich versuche, meiner Tochter immer wieder ein Stück von der Welt zu zeigen und mit ihr Dinge zu unternehmen, die den Horizont erweitern oder schöne, prägende Erlebnisse sind.

Was war das Verrückteste, das Sie sich je geleistet haben?
Verrückt klingt nach einem massiven Fall von Kaufreue. Ich bedauere eher, dass ich mich selten getraut habe, als Studentin alles zusammenzukratzen und bei den frühen Design-Auktionen mitzubieten. Es wären wirklich profitable Investments gewesen.

Karte oder Bargeld?
Mein Vater fand immer, man sollte so viel Bargeld bei sich haben, dass man damit ein Taxi oder ein Flugticket nach Hause bezahlen kann. Diesen Rat habe ich nie befolgt. Ich habe selten mehr als zehn bis 50 Euro bei mir.

Was bedeutet Luxus für Sie?
Schwimmen in einem See mit Trinkwasserqualität.

Wofür würden Sie Ihr letztes Geld ausgeben?
Wenn es das letzte Geld ist, weil mein Leben endet, dann gerne für die Musik bei meinem Begräbnis. Wenn's das letzte ist, weil es zur Neige geht, würde ich auf etwas setzen, wo ich auf mich vertraue, dass ich etwas daraus machen kann. Ich gebe nicht so schnell auf.


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