trend KUNSTGUIDE: Österreichs beste Künstler 2020

In der 17. Auflage der besten Künstler Österreichs haben 70 Juroren für den trend die erfolgreichsten 100 Künstlerinnen und Künstler des Landes ermittelt. Der trend-Kunstguide analysiert, wer die Blue Chips am heimischen Markt sind und in welche Jungstars man investieren sollte.

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Die 500 wichtigsten Künstler des Landes. Die Etablierten, die Jungen Wilden und die Toten. Künstler, deren Werke Sie kennen und gesehen haben sollten und die für Mäzene, Investoren und Sammler eine Bank sind.

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Im Juni 2020 inszenierte der charismatische Sotheby's-Auktionator, Oliver Barker allein, vor einem Publikum via Bildschirme, den Verkauf von Francis Bacons Triptychon "nspired by the Oresteia of Aeschylus" (1981) für stolze 84,55 Millionen US-Dollar. Anfang Oktober bat Christie's zur herbstlichen Prestigeauktion, die per Livestream übertragen wurde, und schickte mit der zeitgenössischen Kunst auch ein Tyrannosaurus-rex-Skelett ins Rennen. Saurier Stan brachte den Rekordpreis von 31,8 Millionen Dollar. Positive Signale für den Kunstmarkt inmitten der Covid-19-Krise.

"Angesichts der Absage aller führenden Kunstmessen und der Frühjahrsauktionen ist der High-End-Kunstmarkt eindeutig ausgehungert", analysiert Thierry Ehrmann, Präsident und Gründer der Kunstmarktdatenbanken ArtMarket.com und Artprice.com, die Lage. Und setzt nicht ohne Ironie nach: "Es gibt nichts Frustrierenderes, als in Quarantäne zu sein, ohne etwas kaufen zu können, besonders wenn man bedenkt, dass das auf der Bank lagernde Geld heutzutage so ,teuer' ist."

Ein Luxusproblem, das nicht nur die Auktionshäuser begriffen haben und das zu einem radikalen Umbruch der Branche geführt hat. In der Folge der Pandemie verlegte der Kunstmarkt seine Aktivitäten fast vollständig ins Internet. Wobei die Krise nur einen ohnehin nicht zu umgehenden Prozess beschleunigt hat, wie der "Art Market Report 2020" ausführt.

Demzufolge stand der globale Markt bereits 2019 unter starkem finanziellem Druck und verkleinerte sich mit 64,1 Milliarden Dollar Umsatz um fünf Prozent. Die Krise hat den Strukturwandel bei Auktionshäusern, Galerien und Messen nun forciert und damit Druck aus dem überhitzten internationalen Markt genommen.

Kunst in Österreich

Auch hierzulande war die Branche gezwungen, ihre Rituale neu zu überdenken. Und es wurden, trotz Gesundheitskrise, gute, dem heimischen Markt adäquate Versteigerungsergebnisse erzielt. "Ich bin in der Vergangenheit davon ausgegangen, dass unser Publikum, ohne die Werke zu sehen, ungern bietet. Das hat sich mit Corona schlagartig geändert. Die Leute haben Zeit, beschäftigen sich viel mehr mit dem Katalog und wollen ihr Geld in dieser Situation eher ausgeben als behalten", berichtet Otto Hans Ressler, der sich 2014 mit eigenem Auktionshaus selbstständig gemacht und auf österreichische Zeitgenossen spezialisiert hat. "Auch wenn Österreich nicht das Land der großen Privatsammler ist, bei manchen Auktionen wird gekauft, als gäbe es kein Morgen."

Vor allem zeitgenössische Kunst ist gefragt wie nie.Viele Galerien haben virtuelle Besichtigungsräume eingerichtet; neue digitale Plattformen sorgen auch für erhöhte Preistransparenz. Dennoch sollte man sich Zeit nehmen, um sich abseits vom Marktgetümmel eine eigene Meinung zu bilden und sich ein Wissen zum Künstler anzueignen. Zumal Künstlerkarrieren immer schwieriger einzuschätzen sind und der Überblick über eine junge Generation, die sich nicht mehr in Ismen einteilen lässt, immer komplizierter scheint.

Der trend KUNSTGUIDE 2020

Für den KUNSTGUIDE 2020 hat der trend wieder eine prominent besetzte Jury gebeten, ihr Wissen über die Marktgesetze bei der Bewertung von Österreichs Künstlern zum Einsatz zu bringen. 70 Marktprofis, darunter Museumsdirektoren, Privatsammler, Kuratoren, Art-Consulter, Auktionatoren und Galeristen, haben insgesamt 814 Künstler nach den Kategorien künstlerische Bedeutung, kommerzieller Erfolg und Zukunftspotenzial bewertet und abgewogen, was in der heimischen Szene zählt, was diskurs-,was marktfähig ist oder wird. Nach der jeweiligen Gesamtpunktezahl wurden dann die 100 erfolgreichsten heimischen Künstler ermittelt. Auch heuer finden Sie, neben den Listen der 100 etablierten und der verstorbenen Künstler, ein eigenes Ranking der besten unter 40-Jährigen.

Die Shootingstars werden Österreich bei der Kunstbiennale 2020 in Venedig vertreten und sind in einer Ausstellung im Kunsthaus in Bregenz zu sehen.

Für Anleger ist im Guide vor allem die Spanne zwischen hohem künstlerischem Wert und noch nicht ausgereiztem kommerziellem Erfolg der Künstler von Interesse. Denn je größer diese Spanne, desto kalkulierbarer die Wertsteigerung. Komplettiert wird das Ranking durch die jeweils zehn besten Auktionsergebnisse heimischer Künstler am internationalen sowie am nationalen Markt und vier Investmenttipps der Experten

Bonus des trend-Rankings, das wir heuer bereits im 17. Jahr präsentieren, ist eine Vergleichsmöglichkeit von Platzierungen im Zehnjahresschritt. Auch wenn Künstlerkarrieren heute dank neuer Medien und Marketingstrategien schneller starten, bleibt die Faustregel, wonach man eine Karriere zur ersten Einschätzung zehn Jahre beobachten soll, weiter ratsam.


Wertung: Die Top-Stars


1. Herbert Brandl / 61

Herbert Brandl

Seine signifikanten Großformate entstehen in einer Halle im Industriegebiet am Rand von Wien. "Mein Bergwerk" nennt Brandl selbst sein Atelier. Berge sind ein bedeutender Bezugspunkt in seinem Œuvre. Auch wenn der "Berg" bei Brandl nicht gleich "Berg" ist. Brandls Bilder sind vielmehr Räume aus Form und Farbe, changierend zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion.

Nach reger Ausstellungstätigkeit im Zuge seines 60ers im Vorjahr - nach einer Personale im Belvedere 21 ist er nun in seiner Geburtsstadt Graz mit zwei großen Ausstellungen vertreten - hat ihn auch die Expertenjury von Rang drei auf Platz eins der 100 erfolgreichsten heimischen Künstler gehoben. International top vertreten, kosten Arbeiten zwischen 15.000 und 200.000 Euro.


2. Heimo Zobernig / 62

Heimo Zobernig

Der Konzeptkünstler, der Österreich bei der Biennale 2015 vertrat, ist einer der Stars der heimischen Szene und belegte mit seinem Werk, das nicht nur Malerei, sondern auch Skulptur, Installation und Video umfasst, bereits vor zwei Jahren Platz zwei. Auf der Liste der 100 besten lebenden Künstler im deutschen Kunstkompass rangiert Zobernig aktuell auf Rang 85.

Im internationalen Ausstellungsbetrieb top präsent, prägt er als Professor für Bildhauerei an der Akademie der bildenden Künste auch hierzulande eine neue Künstlergeneration nachhaltig. Die Preispanne der Arbeiten liegt je nach Format zwischen 20.000 und 150.000 Euro.


3. Valie Export / 80

Valie Export

Mit ihren provokanten feministischen Positionen gilt sie als Ikone der Performance-Kunst. Dass ihr Œuvre lange Jahre in der Kunstszene und im Diskurs eine wesentlich bedeutendere Stellung als am Kunstmarkt gehabt hat, liegt nicht zuletzt daran, dass die feministische Kunst, wie die konzeptuelle Kunst der 60er-bis 80er-Jahre, erst sukzessive neu bewertet wurde. Nach Meinung der Expertenjury gilt das Werk der Multimediakünstlerin aber immer noch nicht als preislich ausgereizt.

Im Ranking des deutschen Kunstkompass belegt VALIE EXPORT Platz 29 in der Sparte "Stars von morgen". Die Preisrange für Fotoarbeiten/Vintageprints liegt zwischen 25.000 und 55.000 Euro.


3. Günter Brus / 82

Günter Brus

International wird der steirische Künstler vor allem als einer der radikalsten Vertreter des Wiener Aktionismus und Pionier der Body-Art wahrgenommen und ist seit Jahren derart auch in internationalen Sammlungen vertreten.

Seit 2008 gibt es das "Bruseum" in der Neuen Galerie Graz. Jetzt werden auch seine Bild-Dichtungen als klassischer schwarzromantischer Zeichner überregional wahrgenommen und neu bewertet. Die Arbeiten rangieren zwischen 10.000 und 100.000 Euro.


Die besten Unter 40


Für Sammler mit Investmentgedanken ist die trend-Liste der U40 vor allem jenseits der Top 50 spannend (die gesamte Liste gibt es als E-Paper im trend.shop). Darin sind Künstler mit großem Potenzial bei ihrem kontinuierlichen Aufstieg zu beobachten, die schon in den kommenden Jahren die vorderen Plätze aufmischen könnten. In die Top 50 sind heuer alleine 15 Künstler und Künstlerinnen neu aufgestiegen.


1. Nick Oberthaler / 39

Nick Oberthaler

Zum dritten Mal in Folge steht der geborene Bad Ischler, der in Wien und Hamburg lebt, nun an der Spitze der Besten unter 40. Mit seinen präzise komponierten Leinwänden hat sich der Künstler auch international schon einen Markt geschaffen. Auch die Jury schätzt die kontinuierliche wie ernsthafte Arbeit, die sich in höchster Präzision mit Fläche, Farbe und Raum und typografischen Elementen auseinandersetzt und die Malerei aus klassischen Rastern hebt.

Dass Oberthaler mit Emanuel Layr in Wien und Thaddaeus Ropac auf internationaler Ebene gleich zwei engagierte Galerien im Hintergrund hat, tut ein Übriges. Arbeiten gibt es noch zwischen 2.000 und 20.000 Euro.


2. Verena Dengler / 39

Verena Dengler

"Geh in Orsch Secession" prangte auf einer Leinwand bei ihrer großen Schau in der Wiener Secession, in der sie Kunstmarkt wie Künstlerromantik hinterfragte und eine Gstätten im Raum inszenierte. Dass sie mit ihrer Arbeit nicht gern im Rahmen bleibt, sondern, clever wie smart, die Regeln der Kunst wie der bürgerlich-konventionellen Vorstellungen auflöst, hat die Künstlerin mit provokanten Collagen, Installationen wie Bühnenbildern mehrfach demonstriert. Vor allem aber mit großer Lust an der perfekten Selbstinszenierung. Dengler war im Vorjahr ebenso auf Rang 2.

Das Mitglied der Burschenschaft Hysteria weiß um Medienmechanismen Bescheid und zeigt auch am internationalen Markt in unterschiedlichen Genres Präsenz. Preisrange: 5.000 bis 30.000 Euro.


3. Sophie Thun / 35

Sophie Thun

Mit intensiver, kontinuierlichen Arbeit und junger, engagierter Galerie im Hintergrund hat sich die in Frankfurt geborene und in Warschau aufgewachsene Künstlerin, die seit 2009 in Wien lebt, in der heimischen Szene sehr schnell zur starken Position entwickelt, die nicht nur den eigenen Körper hinterfragt, sondern auch das Medium Fotografie. Und dabei nicht nur die Ergebnisse ihrer Arbeit, sondern auch die Arbeit selbst sichtbar macht. Thun war im Vorjahr noch auf Rang 24.

Im Bild ein Foto aus der Publikation "White Flag", entstanden als Kooperation und im fotografischen Dialog mit Hanna Putz. Arbeiten gibt es von 3.500 bis 25.000 Euro.

Insgesamt belegt die Unter-40-Liste eine Entwicklung, die sich auch hierzulande besonders deutlich abzeichnet: Internationalisierung. Die Kunstwelt entdeckt die Diversität. Der Kunstbetrieb globalisiert sich immer mehr, Zuordnungsbegriffe sind generell schwierig geworden, weder lassen sich Positionen zu bestimmten Ismen zusammenfassen noch Künstler manchmal in ihrem Wirkungskreis nur einem Land zuordnen.

So findet sich etwa auf Platz fünf als Neueinsteiger der aus Ghana stammende Amoako Boafo. Er hat sein Atelier in Wien, wird aber von der Kunstgalerie Mariane Ibrahim in Chicago vertreten. Der 36-jährige Strabag-Preisträger ist einer der Künstler aus Afrika, die im Moment den Kunstmarkt erobern.

Obwohl Boafo noch an der Akademie der bildenden Künste in Wien studiert, gilt er bereits als Shootingstar, dessen Preise international durch die Decke gehen. Soeben hat das New Yorker Guggenheim ein Gemälde des Malers angekauft. Seine Arbeit "Bathing Suit" von 2019 kam im gleichen Jahr bei Sotheby's unter den Hammer. Auf 65.000 Dollar geschätzt, erzielte sie dann den überraschenden Kaufpreis von 881.500 Dollar. Ein Hype, dem die Jury naturgemäß nicht traut.

Rosa Rendl hat es mit Fotografien und Installationen von Rang 80 im Vorjahr immerhin auf 30 geschafft. Das im Vorjahr von der Jury bescheinigte große Potenzial hat die 34-jährigen Melanie Ebenhoch bestätigt. Die Künstlerin, die an der Schnittstelle von Malerei und Skulptur arbeitet belegt heuer Rang 32, im Vorjahr war es noch Platz 59.


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Das war das trend-Kunstranking 2019

Im Jahr 2019 hat die Expertenjury für den trend ebenso die Liste der 100 erfolgreichsten heimischen Künstler ermittelt. 69 Juroren beurteilten insgesamt 747 Künstlerinnen und Künstler des Landes. trend-Kulturchefin Michaela Knapp spricht im Podcast über die Kunst, 747 Künstler zu bewerten, die Zusammensetzung der Jury und versäumte Deadlines.

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