Konrad Paul Liessmann: "Wenn ich etwas riskiere, dann Gedanken"

Der Philosoph und Kulturpublizist Konrad Paul Liessmann erklärt, warum ihm in Geld zu investieren fremd ist, er sich aber Rennräder einiges kosten lässt.

Konrad Paul Liessmann: "Wenn ich etwas riskiere, dann Gedanken"

trend: Sie haben mehrfach kritisiert, dass man im aktuellen Bildungsdiskurs weniger auf Bildung als auf den Erwerb von Kompetenzen setzt. Wie kompetent sind Sie im Umgang mit Geld?
Konrad Paul Liessmann: Wenn ich nur wüsste, was Kompetenz in diesem Zusammenhang bedeutet. Die Fähigkeit, aus Geld mehr Geld zu machen? Die Fähigkeit, sein Geld zusammenzuhalten? Die Fähigkeit, sein Geld auszugeben? Die Fähigkeit, riskante Geldgeschäfte zu tätigen? Die Fähigkeit, Schulden zu vermeiden? Die Fähigkeit, einmal so richtig Schulden zu machen? Oder die Fähigkeit, dem Geld in seinem Leben keine besondere Bedeutung zu geben? Wenn, dann strebe ich letzteres an.

Was ärgert Sie besonders am aktuellen Wirtschaftssystem?
Dass es zu diesem absurden System tatsächlich keine ernst zu nehmende Alternative gibt.

Haben Sie einen Finanzfahrplan oder gehen Sie lieber auf Risiko?
Ich hatte nie einen Finanzplan und ich ging nie ein Risiko ein. Mir war immer wichtig, so viel Geld zu haben, dass ich im Alltag darüber nicht nachdenken muss. Oder anders formuliert: Geldfragen waren und sind mir lästig.

Was halten Sie dann heute noch für ein sinnvolles Investment?
In oder mit Geld zu investieren - das ist mir fremd. Wenn ich etwas riskiere, dann einen Gedanken. Ich investiere meine Energie in meine Arbeit, in das Schreiben meiner Bücher. Sollten die dann auch ein bisschen Geld abwerfen - na, umso besser.

Was haben Sie von zu Hause aus im Bezug auf den Umgang mit Geld mitbekommen?
Es war immer zu wenig davon da. Und es wurde ständig genau darüber gestritten. Deshalb wollte ich das Geld aus meinem Leben in Hinkunft verbannen.

Wissen Sie noch, wofür Sie Ihr erstes selbstverdientes Geld ausgegeben haben?
Aber ja. Ich flog, obwohl Mitglied einer linken Studentengruppierung, im Sommer in das damals noch faschistische Spanien, um mir unter anderem einen Stierkampf anzusehen. Schlimm, schlimm, ich weiß.

Was würden Sie auch für viel Geld nicht machen?
Fragen Sie lieber, was ich überhaupt nur für Geld machen würde. Geld als Geld motiviert mich zu gar nichts. Natürlich will ich gerne eine auch materielle Anerkennung für meine Arbeit. Aber diese mache ich aus Lust an einer Sache, nicht wegen des Geldes. Philosophen, das wusste schon Platon, sind deshalb nicht bestechlich. Zumindest in der Theorie. Die Praxis sieht oft anders aus.

Sie sind leidenschaftlicher Rennradfahrer. Wie viel lassen Sie sich diese Lust kosten?
Diese Lust und auch den damit verbundenen Schmerz lasse ich mir einiges kosten. Die Preise für Rennräder sind ja nach oben offen, da ist man schnell im Bereich eines Kleinwagens.

Wofür geben Sie sonst gerne Geld aus?
Ich habe immer ziemlich viel Geld für meine HiFi-Anlagen ausgegeben. Ich höre leidenschaftlich gerne Musik, Oper, Klassik und Jazz, digital und analog. Guter Klang hat aber seinen Preis. Ungern gebe ich Geld für reine Prestigeobjekte aus.

Was war das Verrückteste, das Sie sich je geleistet haben?
Schwarzmarktkarten für die Bayreuther Festspiele. Danach ging es mir wie Wagner selbst: Ich hatte kein Geld mehr, war aber erfüllt von der Musik.

Was steht ganz oben auf Ihrer Wunschliste?
Ich habe keine Wunschlisten. Wünschen hat noch nie geholfen.

Karte oder Bargeldtyp?
Beides. Aber ich bin gegen die Abschaffung von Barem. An diesem spürt man noch, dass Geld schmutzig sein kann.

Kann man heute überhaupt noch mit ehrlicher Arbeit reich werden?
Was ist ehrliche Arbeit? Mit einem angeborenen Talent, Fleiß, Disziplin und viel Glück kann man als Fußballer oder Pop-Musiker wohl reich werden. Aber das sind Einzelfälle. Die Entlohnung auch "systemrelevanter" Arbeit ist bei uns so organisiert, dass man damit sicher nicht reich werden kann. Ich habe einmal rhetorisch die Frage gestellt, wie unser viel kritisiertes Bildungssystem aussähe, wenn man Lehrer wie Bankmanager und Bankmanager wie Lehrer entlohnen würde. Alle lachten. Warum eigentlich? Warum ist uns die Arbeit mit Geld so viel mehr wert als die Arbeit mit Menschen?

Was bedeutet Luxus für Sie?
Das Leben in der Unmittelbarkeit des Augenblicks, ohne die Last einer Vergangenheit und ohne Verantwortung für die Zukunft. Das mag frivol klingen. Aber gehört Frivolität nicht zu jeder Form von Luxus?

Zur Person

Konrad Paul Liessmann , 68, ist Univ.-Prof. i. R. am Institut für Philosophie der Universität Wien und wissenschaftlicher Leiter des Philosophicums Lech. Soeben erschien sein neues Buch, "Alle Lust will Ewigkeit. Mitternächtliche Versuchungen"(Zsolnay Verlag), das er am 13. Juni, 11 Uhr, im Akademietheater präsentiert.



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