Ina Regen: „Ich bin tendenziell noch Jungunternehmerin“

In der trend-Serie "Sprechen Sie Wirtschaft?" diesmal die erfolgreiche österreichische Singer-Songwriterin und Starmania-Jurorin Ina Regen über ihre Karriereanfänge und warum sie Geld am liebsten mag, wenn sie nicht drüber nachdenken muss.

Ina Regen

Ina Regen

Zur Person:

Ina Regen, 36, als Regina Mallinger in Grieskirchen/OÖ geboren, studierte Gesang an der Anton Bruckner Privatuniversität in Linz und arbeitete als Backgroundsängerin, ehe sie 2017 ihre Karriere als Singer-Songwriterin startete. Ihr neues Album „røt“ ist bei Veröffentlichung sofort von Null auf 1 in die österreichischen. Albumcharts eingestiegen. Aktuell ist sie Jurorin bei „Starmania“ und lädt für Ihren Podcast jede Woche einen Gast zum „Rotweinplausch“. Konzerttermine: inaregen.at


trend: Aktuell sind Sie jede Woche als Jurorin für die ORF-Castingshow „Starmania“ aktiv. Können Sie bei Geldanlagen auch ermessen, was Potential hat? Und wie talentiert sind Sie selbst im Umgang mit Geld?
Ina Regen: Ich halte mich für sehr bodenständig, vielleicht sogar konservativ im Umgang mit Geld. Ich bin da sicher noch in einige absurde Glaubenssätze verstrickt, die mir zu einem wertfreien Umgang im Weg stehen. Ich glaub, ich mag Geld am liebsten, wenn ich nicht darüber nachdenken muss.

Was ärgert Sie am aktuellen Wirtschaftssystem?
Dass der kurzfristige Profit von wenigen AkteurInnen sowohl große Teile der Gesellschaft als auch des Planeten ausbeutet und unwiderruflich zerstört. Dass wissenschaftliche Erkenntnisse, Empfehlungen und sogar die Versprechen, die wir uns gegenseitig gegeben haben, aus Profitgier nicht berücksichtigt werden. Hier wird die Zukunft von vielen für die Gegenwart von wenigen verspielt und das halte ich für katastrophal.

Hat sich Ihr Werteverständnis angesichts der Pandemie verschoben?
Nein, im Gegenteil. Mein Werteverständnis hat sich noch mehr bestätigt. Dass die Arbeit an und mit Menschen einen wichtigen gesellschaftlichen Anteil hat und dass diese Wertigkeit in den Einkommen viel zu wenig abgebildet wird. Oder dass wir, was die Klimakrise angeht, ganz dringend auf die Wissenschaft hören sollten und diese großen Veränderungen, die man uns dort nahelegt, sehr wohl umzusetzen sind. Auch das hat die Pandemie gezeigt, wie schnell wir unsere „Normalität“ verändern können, wenn wir mit den Konsequenzen konfrontiert sind. Aber leider übernehmen diese Verantwortung im Moment nur Individuen, während die politischen und wirtschaftlichen Strukturen sich hier unverantwortlich taub und blind stellen.


Es gibt ganz offensichtlich weniger Chancen für Frauen.

Auf der Suche nach wahrhaftigen Gesprächen laden Sie für Ihren Podcast jede Woche einen Gast zum „Rotweinplausch“. Warum ist es hierzulande immer noch so verpönt über Geld zu reden?
Ganz spontan fällt mir dazu ein, dass Geld vielleicht ein weiterer Indikator ist, an dem Menschen ihre Vorurteile abarbeiten können und vielleicht will man diese Ebene nicht zusätzlich als Angriffsfläche preisgeben.

Der Gender Pay Gap ist immer noch Thema. Müssen Frauen auch in Ihrer Branche härter ums Geld kämpfen?
In den Bands, in denen ich selbst gespielt habe, gab’s für alle - ungeachtet des Geschlechts - das gleiche Honorar, also gleiche Bezahlung für gleiche Leistung. Aber es gibt ganz offensichtlich auch weniger Chancen für Frauen, wenn man sich zum Beispiel die Besetzung von Festivals ansieht, wo die besser bezahlten Headliner-Slots fast ausschließlich auf männliche Acts verteilt werden. Oder wenn man sich die Airplays in Radios ansieht, wo der größere Teil der Sendezeit – und damit der dadurch entstehenden Einnahmen - auf männliche Acts entfällt.

Was haben Sie von zu Hause aus im Bezug auf den Umgang mit Geld mitbekommen?
In meiner Familie wurde sehr wenig und sehr ungern über Geld gesprochen. Meine Eltern sind beide auf Bauernhöfen groß geworden, waren fleißige Arbeiter und in ihrem Wertesystem eher konservativ und traditionell verwurzelt. Beiden war es sehr wichtig, dass wir Kinder eine gute Ausbildung machen und jeden Beruf ergreifen können, den wir uns wünschen. Dass das Dirndl sich dann als eine der Klassenbesten trotzdem einen finanziell so unsicheren Kunstberuf aussucht, war rund um die Matura dementsprechend Anlass für viele Diskussionen.


Die Bühne ist der Schauplatz, an dem ich meine Existenz finanziell absichern kann.

Wissen Sie noch wofür Sie Ihr erstes selbstverdientes Geld bekommen und wie sie es ausgegeben haben?
Ich habe schon früh ‚Gelegenheitsjobs‘ angenommen, zum Beispiel mit 13 einen Sommer lang bei meiner Tante im Gasthaus als Zimmermädchen mitgeholfen. Ab 15 habe ich jeden Sommer Ferialjobs gemacht und hauptsächlich auf den Führerschein gespart. Ausgegeben hab ich das restliche Geld für einen Radiowecker, CDs, Theater- und Kinobesuche.

Als freiberuflicher Künstler lernt man früh, wie man in einkommensschwachen Zeiten überlebt. Sie brauchen wohl keine Angst mehr vor Altersarmut haben. Ist eine gewisse finanzielle Absicherung dennoch Thema in Ihrem Leben? Und wie schaut Ihr Finanzfahrplan aus?
Als Dienstleistungsmusikerin war ich es gewohnt, dass mein Geschäft saisonalen Schwankungen unterworfen war. So hab ich mir in den Spitzenzeiten immer für die schwächeren Monate etwas zur Seite gelegt und mich sowieso auch durch andere Projekte und meinen Unterrichtsjob abgesichert. Durch diese vielen Standbeine ist mir aber die Kunst viel zu kurz gekommen. Von meiner eigenen Kunst lebe ich erst seit Ende 2017, bin also tendenziell noch Jungunternehmerin, wobei durch die öffentliche Präsenz sehr schnell ein verzerrtes Bild entsteht, als wäre ich jetzt eine der Spitzenverdienerinnen in Österreich und könnte wie Dagobert Duck im Geld schwimmen. Die Realität schaut da schon anders aus, weil Österreich im Vergleich zu Deutschland oder den USA ja auch ein sehr kleiner Markt ist. Gerade deshalb freu ich mich schon so, hoffentlich bald wieder auf Tour gehen zu dürfen. Denn die Bühne ist nicht nur der Ort, wo meine Seele zu Hause ist, sondern auch der Schauplatz, an dem ich meine Existenz finanziell absichern kann.


Ich hab meine Ersparnisse als Goldmünzen investiert.

Wann gibt man bloß Geld aus und wann „investiert“ man?
Das verschwimmt mir leider oft. Eine Investition ist für mich tendenziell eine größere Weichenstellung hin zu einer zukünftigen Situation, für die man in Vorleistung geht, in der Hoffnung, dass sich der Weg lohnt. Bloß Geld ausgeben sind manchmal Impulskäufe, kurzfristige Must-Haves und leider auch Belohnungskonsum.

Immobilien, Gold, Kunst … Was halten Sie heute noch für ein sicheres und sinnvolles Investment?
Ich hab meine Ersparnisse als Goldmünzen investiert, weil mir das so empfohlen wurde und ich mich nicht ständig darum kümmern muss. Für Immobilien sind die Ersparnisse zu klein und was für mich Kunst ist, will ich nicht wegen finanzieller Spekulationen hinterfragen müssen.

Was macht Geld mit Menschen?
Will Smith soll gesagt haben „Geld verändert die Menschen nicht – aber Geld potenziert, wer und was du bist! Bist du gut, macht Geld dich besser. Bist du ein großes Arschloch, wirst du ein Riesen-Arschloch!“ Dem stimme ich zu.


Ein Schauspielworkshop war die beste Spontan-Investition meines Lebens.

Was würden Sie als Künstlerin auch für viel Geld nicht machen?
Meine Werte kompromittieren. Also zum Beispiel Musik, die zwar erfolgsversprechend ist, aber weder künstlerisch noch inhaltlich zu mir passt, veröffentlichen. Oder meinen Namen oder mein Gesicht für ein Produkt hergeben, das in einer nachhaltigen, verantwortungsbewussten Gesellschaft nichts zu suchen hat.

Wofür geben Sie persönlich gerne Geld aus? Und wofür sind Sie sich zu neidig?
Bei Mode geht’s manchmal mit mir durch, vor allem wenn ich viele öffentliche Auftritte habe. Die Buchhandlung bei mir um’s Eck verführt mich auch immer zu mehr, als ich mir eigentlich vorgenommen hätte. Oder im Urlaub sitzt die Karte meistens auch recht locker, vor allem wenn ich mit mehr Leuten unterwegs bin. Dann mag ich mein Glück oft in Gastfreundschaft ausdrücken und lade gerne ein. Das feiere ich dann aber auch und denke keinen Augenblick darüber nach, ob das jetzt gscheit war. Neidig bin ich lustigerweise bei frischen Blumen, die leiste ich mir viel seltener, als ich den Impuls dazu verspüre.

Was war das Verrückteste, das Sie sich je geleistet haben?
Ein Schauspielworkshop, zu dem ich mich ganz spontan am Vorabend überreden habe lassen. Beste Spontan-Investition meines Lebens.


Luxus ist, mir über Geld keine Gedanken machen zu müssen.

Was steht aktuell ganz oben auf ihrer Wunschliste?
Eine Akustikgitarre als Belohnung und ein neuer Laptop als Investition.

Was bedeutet Luxus für Sie?
In Freiheit über meine Zeit verfügen. Und mir über Geld keine Gedanken machen müssen.

Wofür würden Sie Ihr letztes Geld ausgeben?
Für die Gesundheit meiner Liebsten und mir.


Das Interview ist der trend. EDITION vom 30. April 2021 entnommen.

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