Im Rekordtempo auf die Berge

Aufstieg. Benedikt Böhm bei der Speed-Begehung des Dhaulagiri VII. In weniger als acht Stunden sprintete er vom Basislager auf den Gipfel und zurück.

Aufstieg. Benedikt Böhm bei der Speed-Begehung des Dhaulagiri VII. In weniger als acht Stunden sprintete er vom Basislager auf den Gipfel und zurück.

Als Manager und CEO hat Benedikt Böhm die Marke Dynafit wiederbelebt und mit zahlreichen Innovationen den Skitourensport neu definiert. Die härtesten Produkttests übernimmt der Chef selbst.

Der Skitourensport ist meine große Liebe – nach meiner Frau natürlich“, sagt Benedikt Böhm, der seit 17 Jahren Chef des zur Oberalp Group gehörenden Sportartikelherstellers Dynafit ist und damit einen Job ausübt, der zu ihm passt wie ein Handschuh: „Es ist, als wäre es meines.“

Dem ist natürlich nicht so. Dynafit hat eine lange und stolze Geschichte. 1973 gewann Franz Klammer das erste Weltcuprennen in einem Dynafit-Skischuh. Als Klammer 1976 in Innsbruck Olympia-Gold holte, steckten seine Füße immer noch in Dynafit-Stiefeln, und 1980 raste Leonhard Stock in Lake Placid ebenfalls mit Dynafit zur Goldmedaille. Von 1975 bis 1983 ging der Abfahrtsweltcup achtmal in Folge an Dynafit-Fahrer.

Als Böhm 2003 im Alter von 26 Jahren zur Firma kam, war von dem Glanz nur noch wenig ­übrig. Mehrere Eigentümer- und Strategiewechsel und ein ausuferndes Produktportfolio hatten das Unternehmen an den Rand des Ruins gebracht. Böhm: „Es war ein kränkelndes Baby, der Umsatz lag bei nur drei Millionen Euro.“

Job als Leben

 Wenige verstanden, weshalb der Münchner nach dem International-Management-Studium ausgerechnet zu Dynafit ging. Böhm aber, der seit dem elften Lebensjahr Leistungssportler ist und von 2003 bis 2006 in der Deutschen Nationalmannschaft für Skibergsteigen war, sah es als die Chance seines Lebens: „Bei Dynafit konnte ich mich zu 100 Prozent selbst verwirklichen.“

Der Blick vom Basislager auf den Gipfel des Dhaulagiri VII und seine beeindruckende Schneeflanke (Mitte), Böhms Route.

Der Blick vom Basislager auf den Gipfel des Dhaulagiri VII und seine beeindruckende Schneeflanke (Mitte), Böhms Route.

Ob als Ausrüster der Nationalmannschaft oder als Partner und Unterstützer von Expeditionen bis in die 8.000er-Regionen, bei denen die Limits von Mensch und Material gnadenlos ausgelotet werden – Böhm war und ist immer wieder in erster Reihe dabei. Neue Produkte müssen dabei seinen eignen Qualitätstests standhalten.

Er liebt es, dabei am besten ganz ohne Gepäck die Berge hochzujagen. Um vier Uhr morgens, vor der Arbeit, schnell auf den Hausberg – mit Ski oder in Laufschuhen –, um die Natur zu spüren. „Pro Woche komme ich auf deutlich über 5.000 Höhenmeter.“ Sein Credo: Wer ernsthaft und ambitioniert Sport betreibt, braucht das richtige Equipment, will keinen unnötigen Ballast schleppen und ist bereit, für Qualität zu zahlen. Entsprechend spitzte er das Dynafit-Sortiment zu.

Die wichtigste Stellschraube war dabei, den Skitourensport jünger und leichter zu machen. Auch vom Gewicht. „Das Zeug, das man früher herumgeschleppt hat, war einfach zu schwer oder unbrauchbar“, sagt er. Mit Innovationen wie der „Radical“-Tourenbindung kam der Erfolg zurück. Der Umsatz stieg auf über 70 Millionen Euro, das Unternehmen konnte in Richtung Trailrunning, Bekleidung und Sommersport diversifizieren und ist nun am besten Weg zu einer Ganzjahresmarke.

Abfahrt. Vom Gipfel des Dhaulagiri VII reicht die Schneeflanke über 2.300 Höhenmeter fast bis hinunter ins Basislager.

Abfahrt. Vom Gipfel des Dhaulagiri VII reicht die Schneeflanke über 2.300 Höhenmeter fast bis hinunter ins Basislager.

Böhms eigenen sportlichen Ambitionen tat der Beruf keinen Abbruch. Im Gegenteil: Dreimal belegte er den zweiten Platz bei der Patrouille des Glaciers, dem größten Skitourenrennen der Welt. Im März 2019 absolvierte er eine Speed-Transalp, eine Alpenüberquerung auf Tourenski, von Bayern nach Südtirol in 28 Stunden und 45 Minuten und im Oktober sprintete er in weniger als acht Stunden vom Basecamp auf den Gipfel des Dhaulagiri VII im Himalaya auf 7.246 Meter Höhe und fuhr mit Ski wieder zurück ins Lager.

„Das Schönste ist das Zurückkommen. Die erste warme Dusche, die erste Wurstsemmel nach Tagen und Wochen der Entbehrung“, sagt er. Und die Aussicht auf neue Abenteuer. Sein nächstes Ziel: der Transalpine-Run, ein achttägiger Lauf über die Alpen, bei dem Dynafit Hauptsponsor ist. Nur dabei zu sein genügt Böhm nie.


Der Artikel ist der trend-Ausgabe 3/2020 vom 17. Jänner 2020 entnommen.
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