Hans-Peter Hutter: "Freude am Berufsleben ist Luxus"

Der Umweltmediziner Hans-Peter Hutter ist einer der "Expertenstars" der Corona-Berichterstattung. Hier erklärt er sein Faible für Hawaiihemden und wofür er sein letztes Geld ausgeben würde.

Hans-Peter Hutter: "Freude am Berufsleben ist Luxus"

Hans-Peter Hutter (57) studierte Landschaftsökologie und Landschaftsgestaltung an der Boku sowie Medizin an der Uni Wien. Seit 2015 ist er stellvertretender Leiter der Abteilung für Umwelthygiene und Umweltmedizin am Zentrum für Public Health der MedUni Wien.

trend: Als Umweltmediziner finden Sie seit Monaten die richtige Sprache, um das Corona-Schutzkonzept zu verdeutlichen. Wie gut spricht der Mediziner Wirtschaft?
Vordringliche Aufgabe der Medizin in Zeiten einer Epidemie ist es, Maßnahmen zur Eindämmung der Seuche zu definieren. Dringend erforderlich ist außerdem auch die Berücksichtigung psychosozialer bzw. sozioökonomischer Belastungen von Familien, etwa durch drohende Arbeitslosigkeit. Damit sind also auch wirtschaftliche Aspekte zu denken und anzusprechen. Ganz generell gesprochen habe ich schon das Gefühl angesichts typischer Klischees von Ärzten ("zum Golfen mit dem Porsche"), dass ihnen wirtschaftliches Denken nicht fremd ist.

Sind Sie ein harter Verhandler für den eigenen Marktwert? Erledigen Sie Ihre Steuergeschäfte noch selbst?
Ich schätze, dass mein Marktwert augenblicklich noch sehr deutlich hinter Dominic Heinzl liegt. Daher mache ich mir da auch noch keine Gedanken. Und Steuerangelegenheiten erledigt Gott sei Dank meine Mutter, die nach wie vor in einer Steuerkanzlei arbeitet.

Was ärgert Sie am aktuellen Wirtschaftssystem?
Bevorzugung der "Großen", die Ungerechtigkeit, die es erzeugt, und der Satz "Der freie Markt funktioniert zum Wohle aller. Man muss ihm nur freies Spiel lassen". Also wenn ich allein an die Pestizidarbeiter und ihre Familien in den Bananen-oder Kaffeeplantagen denke, die ich untersucht habe, so habe ich den Eindruck, dass diese Menschen auf dieses "Wohl" noch sehr lange warten müssen.

Können Sie bei Geldanlagen auch ermessen, was wirksam und sinnvoll ist?
Meine Geldanlagen halten sich in Grenzen und sind vorzugsweise konservativ.

Was halten Sie für ein sicheres Investment?
"Ein Haus am See", also Grund und Boden oder Gold, am besten in Barrenform. Und, nicht zu vergessen, das wichtigste Investment: Zeit für die eigene Gesundheit.

Was haben Sie von zu Hause aus in Bezug auf den Umgang mit Geld mitbekommen?
Mein Vater hat mir am ersten Schultag fünf Schilling gegeben und mir kurz das Wesen von Taschengeld erklärt. Das war Anfang und Ende meiner Ausbildung im Umgang mit Geld, nämlich es mir einzuteilen, darüber selbst zu entscheiden, wofür und wann ich es ausgebe.

Was würden Sie auch für viel Geld nicht machen?
Forschung für die Waffenindustrie.

Ihr Markenzeichen sind die nicht schüchtern gemusterten Hemden. Woher stammt das Faible?
Hawaiihemden sind Ausdruck meiner Lieblingsbeschäftigung, des Wellenreitens. 2020 war für mich pandemiebedingt ein Jahr ohne Wellen. Mit dem Tragen der farbenfrohen Shirts, die ich über viele Jahre gesammelt oder mit Surfern getauscht habe, tröste ich mich quasi über die salzwasserlose Zeit hinweg.

Kunst, Skateboards, Bücher - wofür geben Sie lustvoll Geld aus?
Abgesehen von den genannten Dingen - natürlich für Surfboards.

Was war das Verrückteste, das Sie sich je geleistet haben?
Meine Freundin.

Kann man heute noch mit ehrlicher Arbeit reich werden?"
?"Ehrlich" und "reich" sind zwar relative Begriffe, aber mit ehrlicher Arbeit konnte man nie etwas anderes werden als relativ arm. Ist das Vermögen von Jeff Bezos oder Warren Buffett ehrlich erworben? Beide würden dies wohl bejahen. Ist man mit einem frei verfügbaren Vermögen von 100.000 reich oder erst, wenn man eine Million oder mehr bar in der Portokassa liegen hat? Mein Vater arbeitete am Bau bei jedem Wetter, sein Leben lang. Damit konnte er nicht annähernd reich werden. So definiert konnte man das nie -und das wird sich auch in Zukunft nicht ändern.

Was bedeutet Luxus für Sie?
Wenn Luxus im Sinn von einer Yacht in Monaco, einem Rolls-Royce im Londoner Domizil gemeint ist, dann bedeutet mir das gar nichts. Wenn gemeint ist, frei über seine Zeit verfügen, ungebrochene Freude am Berufsleben haben, mich nicht in einer Schlange an einer Kassa anstellen müssen, dann ja -das ist Luxus für mich.

Wofür würden Sie Ihr letztes Geld ausgeben?
Dafür, dass Veränderungen in unserer Welt zum Guten rascher eintreten. Falls das gerade ausverkauft ist, dann gerne für die Steigerung diverser Skills wie etwa Gedächtnisleistung - "Faust" auswendig oder Japanisch in zwei Wochen lernen - oder Motorik, u. a. für mehrere Saltos und Schrauben aus größerer Höhe beim Cliff Diving.

Hat sich Ihr Werteverständnis angesichts der Pandemie verschoben?
Nein. Aber ich hoffe, dass der in der ersten Welle merkbare Wandel zu mehr Solidarität nicht rasch wieder verpufft.



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