Hans Mahr an der Côte d‘Azur: Bonjour, auch ohne Yacht ...

Seit 30 Jahren begibt sich unser Autor Hans Mahr nach Südfrankreich und kennt sie daher alle - die einfachen, die teuren und die schicken Bistros und Restaurants. Wo es zwischen Cannes und Saint-Tropez die besten Austern, Crevetten und Bouillabaisses gibt.

Hans Mahr an der Côte d‘Azur: Bonjour, auch ohne Yacht ...

Der kleine Mann mit der Glatze am Eingang des Terrassenbistros heißt David und macht nicht unfreundlich, aber bestimmt klar: "Noch fünf Minuten, dann habe ich einen Tisch für vier", lässt er die ungeduldige Gruppe wissen. Im Sommer wollen alle einen Platz im eher unscheinbaren "Astoux et Brun" an der Hafenecke von Cannes ergattern, auch die Stars und Sternchen des Filmfestivals müssen sich in Geduld üben.

Denn im "Astoux et Brun" gibt es die besten Austern, die auch in den Sommermonaten dank guter Kühlung um zwei Euro pro Stück genossen werden können. Und ich versichere ehrenwörtlich, in meinen 30 Jahren an der Côte d'Azur habe ich schon mehrere Tausend Stück geschlürft - und bisher ist es auch magentechnisch glimpflich verlaufen, dank der beiden peniblen Huîtriers, die lieber eine bedenkliche Auster wegwerfen, als sie auf die geeiste Platte zu legen.

Das Schöne an diesem Bistro ist der Umstand, dass es nicht nur für die Festivalstars oder die Spesentiger der diversen Messen erschwinglich ist. Natürlich ist die Côte d'Azur prinzipiell teuer, gerade in Cannes oder Saint-Tropez kriegt man nix geschenkt. Aber wer sich auskennt, kann auch als Normalo gepflegt essen, ohne gleich die ganze Brieftasche an der Kassa des Hauses liegen zu lassen. Ich liebe zum Beispiel das "L'Affable" , zwei Straßen hinter der Croisette, der Küstenstraße von Cannes, nur ein paar Hundert Meter vom Festspielhaus entfernt. Modern, klein, freundlich - und für mich mit der besten Foie gras der Gegend, eingebaut im Dreigangmenü mit Roastbeef und Mousse mit weißer und schwarzer Schokolade um 48 Euro.

Oder ich pilgere ins "La Cave" , dessen von Gitanes-Rauch gelb gefärbte Mauern nach dem obligaten Rauchverbot neu gestrichen werden mussten. Die Weinkarte spielt alle Stückerln - die Rotweine nehme ich aus dem Burgund, die Weißweine aus der Gegend, und meine Frau findet tatsächlich einen trinkbaren Rosé - nicht den überteuerten und parfümierten von Brad Pitts Miraval, sondern den Rock Angel von d'Esclans. Und am meisten freue ich mich dann auf die original Bistrokost, vom Lammbraten bis zu den Nieren mit Morcheln.

Unweit davon residiert einer der besten Vietnamesen, nicht nur von Cannes, sondern von ganz Frankreich. Man merkt es dem Laden nicht an. Unprätentiös, mit viel Asia-Schnickschnack, aber Monsieur Mi, in der Vietnamkrise ins gelobte Frankreich geflüchtet, serviert in seinem "Le Jade" Exzellentes: vietnamesische Ravioli, einen scharfen Beef-Salat, kleine Krabbenscheren mit wenig Knoblauch, Chicken mit Limone und nachher eine ganze Mango, ausgehöhlt und zum Rauslöffeln.

Wer direkt am Strand essen und vielleicht nachher auf der Liege entspannen will, den schicke ich ins "Plage Ondine" . Dort gibt es den besten Lunch mit Languste oder Boeuf Rossini. Achtung, günstig ist es dort nicht, weder das Essen noch die Liege. Aber später hat man von dort den besten Blick auf das große Feuerwerk, das jede zweite Woche am Meer abgeschossen wird.

Die Hauben- und Sternlokale

Natürlich gibt es auch gute Hauben- und Sternelokale, wenn man einmal tiefer in die Tasche greifen will. Die beste Adresse in Cannes ist die "Villa Archange" von Chef Bruno Oger, nur 26 Sitzplätze, aber große Klasse. Übrigens mit einem sehr angenehmen, familienfreundlichen Bistro mit großer Terrasse im Untergeschoß - die Teller kommen aus derselben Küche.

Der Grandseigneur der südfranzösischen Sterneküche residiert zehn Kilometer weiter nördlich in Grasse. Jacques Chibois serviert sein Menü im wunderbaren Schlossgarten "Bastide Saint-Antoine" , ein Abend zum Verlieben. Glauben Sie mir, ich weiß, wovon ich rede.

Einen Tagesausflug wert ist der Trip von Cannes zur vorgelagerten (zweiten!) Insel Île Saint-Honorat , wo die noblen Yachten anlegen und im "La Tonnelle" die ganze Dorade in der Salzkruste und der Rosé in der Magnum auf den Tisch kommen. Unsereins nimmt die Fähre vom alten Hafen rüber auf die Insel und ist damit auch ohne Boot dabei. Vielleicht nur mit ein paar Crevetten und einem Glas vom weißen Hauswein von der Nachbarinsel Sainte-Marguerite, aber das Vergnügen ist genauso groß.

Was wäre ein Besuch an der Côte d'Azur, ohne zumindest einen Abstecher nach Saint-Tropez zu machen? Er hat schon was, der kleine Fischerort, der durch Brigitte Bardot und Alain Delon berühmt geworden ist. Auch heute tummeln sich im Sommer die Schönen und Reichen und präsentieren ihre neueste Superyacht im kleinen Hafen gegenüber vom berühmten "Café Senequier" mit seinen roten Strandsesseln. Kaum zu glauben, nur 50 Meter weiter kann man hervorragend essen - und zwar, ohne einer der Yachtbesitzer zu sein.

Im "Le Girelier" hält man bis heute an dem Grundsatz fest: "Unser Restaurant muss sich jeder leisten können", wie Chef Aimé Stoesser zu sagen pflegt - und es stimmt sogar. Mittags um 29 Euro, abends um 39 Euro (nicht am Wochenende!) hat man den besten Blick auf den kleinen Hafen und ein dreigängiges Menü auf dem Teller, das man dank der zurückhaltenden Preisgestaltung auch im Familienkreis genießen kann.

In der Altstadt gehe ich am liebsten entweder zu einem weiteren Vietnamesen, nämlich ins "BanH-Hoï" , wo man bequem draußen in der Seitenstraße sitzen kann, oder es zieht mich zum berühmten Place des Lices. Dort hat mit "Salama" ein Marokkaner aufgemacht und man kann bei Tajines und Couscous - mit Huhn, Lamm oder Fisch - den wenigen verbliebenen Ureinwohnern am sandigen Hauptplatz beim Werfen ihrer geliebten Boule-Kugeln zuschauen.

Wo bleibt denn die Bouillabaisse?

Richtig, nirgends war bisher von der berühmten Bouillabaisse die Rede. Abermals richtig, die kommt ja eigentlich aus Marseille, aber man kann sie natürlich auch überall an der Côte d'Azur bekommen. Am besten, Achtung, ich komme ins Schwärmen, am Strand von Ramatuelle, nur ein paar Kilometer von Saint-Tropez entfernt. Eine kleine Straße windet sich durch die Weingärten und dann geht's steil runter zu "Chez Camille" . Schöner kann man einen Sonntagmittag nicht begehen.

Im rustikalen Restaurant mit Blick aufs Meer lässt man sich die Fischsuppe servieren, die vorher stundenlang im Metallkessel am offenen Feuer gebrodelt hat, inklusive Saint-Pierre, Daurade, Rouget und (um ein paar Euros mehr) auch Languste oder Hummer.

Und unten am Strand, immer in Blickweite der schmausenden Eltern, können die Kinderlein spielen und in der Bucht schwimmen. Himmlisch, ich habe es schon mit vier meiner fünf ausprobiert. Es klappt dort wirklich, Gourmetgenuss und Kinderbetreuung unter einen Hut zu bringen - und alle sind glücklich.

CANNES


ÎLE SAINT-HONORAT


SAINT-TROPEZ



Der Autor

Hans Mahr ist als Medienberater mehr als die Hälfte des Jahres unterwegs und berichtet im trend monatlich über seine Erlebnisse beim Essen, Trinken und Reisen. Dieser Artikel ist dem trend.PREMIUM vom 25. Juni 2021 entnommen. Weitere Beiträge finden Sie unter trend.at/privat

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