Gefährliche Mythen: Gesundheitsrisiko Fasten und Entschlacken

Gefährliche Mythen: Gesundheitsrisiko Fasten und Entschlacken

Fit und gesund durch Fasten? Eine bewusste und abwechlungsreiche Ernährung, kombiniert mit ausreichend Bewegung, ist die gesündere Alternative.

Fasten - entschlacken, abnehmen und wohlfühlen - steht in den 40 Tagen zwischen dem Aschermittwoch und dem Osterfest bei vielen am Programm. Und ist ein gutes Geschäft. Dabei beruht die Idee des Fastens auf einem Irrtum. Strenge Fastenkuren sollten - wenn überhaupt - nur unter Aufsicht gemacht werden.

Alljährlich zur Fastenzeit: Einem kritischen Blick in den Spiegel und einem verzagten Schritt auf die Waage folgt der Schluss, dass es Zeit ist, richtig zu fasten. "Weg mit dem Winterspeck!" ist die Devise.

Die Hoffnung einer zunehmend übergewichtigen Bevölkerung, durch bloßen Nahrungsverzicht schlank, gesund und fit zu werden, wird genährt von zahlreichen Buch-Autoren, einer speziellen Form der Hotellerie und vielen auch selbsternannten Gurus, die das bestenfalls vorhandene Halbwissen der Bevölkerung rund um die Themenbereiche Ernährung und Gesundheit ausnutzen. Und die mit dem Verzicht der Menschen und speziell darum konstruierten Produkten und Angeboten Profite erwirtschaften.

Wie vielfältig das Angebot ist lassen die tausenden Treffer, die eine Google-Suche nach dem Begriff "Fastenhotels in Österreich" oder die Suche nach Büchern zum Thema "Fasten" bei Amazon.de liefern, erahnen.

An Anfang war der Irrtum

Dabei ist die heute so weit verbreitete Idee des Fastens - auf Nahrungsmittelaufnahme zu verzichten und dadurch den Körper zu "entschlacken" - noch gar nicht so alt. Und obendrein beruht sie auf einen Irrtum.

Diesem Irrtum ist der deutsche Arzt Otto Buchinger anheimgefallen. Der 1878 in Darmstadt geborene und 1966 verstorbene Arzt gilt als Begründer des modernen Heilfastens. Sein Irrtum fußte auf seiner eigenen Erfahrung, die er nach einer Mandelentzündung machte. Als Spätfolge der Krankheit litt Buchinger unter schwerem Rheuma und er unterzog sich daraufhin etlichen Experimenten, um die Beschwerden loszuwerden.

1919 nahm er an einem dreiwöchigen Fasten-Experiment teil und in der Folge verschwand das Rheuma. Ob es einen kausalen Zusammenhang zwischen der Kur und dem Verschwinden der Beschwerden gab ist unbekannt, Buchinger schloss jedenfalls daraus, dass das Fasten die giftigen Stoffe aus seinem Körper getrieben habe, der Körper also "entschlackt" wurde.

In seinem 1935 veröffentlichten Buch "Das Heilfasten und seine Hilfsmethoden", das heute als Bibel aller Fasten-Anhänger gilt, reimte er sich zusammen, dass auch der Darm des menschlichen Körpers wie das Rohr eines Öl- oder Kohle-Ofens hin und wieder gereinigt werden muss, um wieder richtig durchziehen zu können.

Schon damals wurde Buchinger für diese Annahme kritisiert und medizinisch ist es auch längst einwandfrei erwiesen, dass sich an den Darmwänden der Menschen keine Schlacke-ähnlichen Nahrungsmittelreste festsetzen, auch weil Magen- und Darmschleim laufend neu produziert werden und damit die aufgenommene Nahrung im Darm weiter- und schließlich abtransportiert wird.

Vom Irrtum zur Religion

Dennoch wurde Buchingers Heilfasten von vielen bald wie eine Religion aufgenommen. "Heilfasten" wurde und wird als probate Methode gepriesen, um dem Verdauungsapparat eine Pause zu gönnen und dadurch obendrein auch noch inneren Frieden zu erlangen. Und von den 1960er Jahren an auch mehr und mehr zu einer Methode, um überschüssiges Gewicht loszuwerden.

Dabei ist strenges "Fasten", also der Schritt, weitgehend oder sogar ganz auf Essen - und damit auf eine Kalorienaufnahme - zu verzichten wissenschaftlich und ernährungstechnisch höchst umstritten und kann bereits nach einigen Tagen aus gesundheitlichen Gründen ohne ärztliche Kontrolle und Aufsicht auch gefährlich sein.

Zum Unterschied zu Diäten geht es beim Fasten darum, auf möglichst alle Lebensmittel und Lebensmittelgruppen zu verzichten, die Kalorienzufuhr gegen null zu halten. Als besonders "schädlich" werden Lebensmittel angesehen, die "übersäuernd" auf den Körper wirken sollen. Dazu werden je nach Fastenkur Fleisch, Käse, Milch, Weißmehl, Süßigkeiten, Alkohol, Kaffee, schwarzer und grüner Tee gerechnet - die Liste der indizierten Nahrungsmittel ließe sich lange und beliebig fortsetzen.

Ein Versprechen das alle Fastenkuren gemeinsam haben ist, dass dadurch der Körper wieder ins Gleichgewicht kommen wird. Fasten soll außerdem noch etliche weitere positive Auswirkungen haben, etwa das Immunsystem stärken - was allerdings wieder Humbug ist, zumal ein durch Fasten geschwächter Körper auch anfälliger für Krankheiten ist.

Yo-Yo-Effekt

Von den erhofften aber kaum je erreichten esoterischen Effekten wie "innerer Friede" oder "Wohlbefinden" abgesehen kann es der menschliche Körper natürlich verkraften, über eine kurze Zeitspanne ohne oder mit sehr wenig Nahrung auszukommen. Allerdings geht die Rechnung, dass ein Verzicht auf Nahrungsaufnahme zu einer dauerhaften Gewichtsreduktion führt, in der Realität nicht auf.

Der Abbau der Fettstoffe im Körper verläuft langsam, und eine nachhaltige Gewichtsreduktion lässt sich durch "nichts essen" nicht erreichen. Zumal es auch den berüchtigten Yo-Yo-Effekt gibt: Sobald man wieder normal zu essen beginnt werden die körpereigenen Speicher wieder aufgefüllt und die zuvor mühselig weggehungerten Kilo sind im Nu wieder da.

Die gesunde Alternative ist eine konsequente, ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung mit dem richtigen Verhältnis von Eiweißen, Kohlehydraten, Vitaminen und Ballaststoffen. Eine kontrollierte Kalorienaufnahme, bei der dem Körper nicht mehr Kalorien zugeführt werden als man auch wieder verbrennt. Begleitet von ausreichend Bewegung und Sport. Maßnahmen, durch die sich ein "innerer Friede" auch nachhaltig und ohne zu hungern einstellt.

Alarmzeichen des Körpers

Ein garantierter Effekt des Fastens ist nagender Hunger. Der bleibt einem beim strikten Fasten keinesfalls erspart. Auch wenn man die Gabe besitzt, das nach zwei bis drei Fastentagen schon hartnäckige Hungergefühl mental ausblenden zu können und reichlich Wasser oder ungesüßten Tee trinkt, um den Körper vor einer noch gefährlicheren Dehydrierung zu schützen.

Hunger ist aber nur das erste Anzeichen. Sobald sich im Rahmen einer Fastenkur körperliche Beschwerden einstellen sollte man den eingeschlagene Weg überdenken und einen Arzt konsultieren. Die Symptome beginnen mit Müdigkeit und können schnell in Muskelschmerzen, Kopf-, Rücken- und Gliederschmerzen übergehen. Sie gehen darauf zurück, dass der Körper Alarm schlägt. Ihm fehlt die Energie, um die körpereigenen Prozesse, den Kreislauf aufrecht zu halten. Er fährt ein Notprogramm und greift auf die Reserven zurück. Nicht nur auf die in den Fettpösterchen, sondern auch auf die in den Muskeln und Organen.

Der Grundumsatz eines erwachsenen Menschen, also der Kalorienverbrauch ohne körperliche Anstrengung, liegt näherungsweise bei rund 2.500 Kalorien. Je nach Geschlecht und Körpergröße etwas mehr oder weniger. Davon entfallen der größte Anteil auf die Erhaltung der Leber und der Skelettmuskulatur mit je etwa 26 Prozent, gefolgt vom Gehirn mit 18 Prozent, dem Herz mit neun Prozent und den Nieren mit sieben Prozent. Die restlichen 14 Prozent entfallen auf die übrigen Organe. Der Grundumsatz muss gewährleistet bleiben. Eine Zeit lang kann der Körper auch in den Muskeln und Organen auf Depots und Reserven zurückgreifen, danach wird es kritisch.

Eine Grundvoraussetzung um überhaupt eine Fastenkur andenken zu können ist daher, gesund und belastbar sein. Und selbst dann sollte man genau auf den eigenen Körper hören. Eine strenge 7-Tage-Fastenkur ist ohne Aufsicht und begleitende Kontrolle nicht zu empfehlen. Während Fasten-Anhänger von innerer Reinigung, vom Heilfasten als puristische Medizin gegen Zivilisationskrankheiten wie Allergien oder Bluthochdruck schwärmen, warnen Mediziner, dass der Organismus und die Organe geschwächt werden. Und dass ein Körper, wenn ihm über eine längere Zeit die Kalorienzufuhr entzogen wird, auch dauerhaft geschädigt werden kann.


Gängige Fastenkuren

  • Teefasten. Eine Radikalkur, bei der man viel ungesüßten Tee trinkt. Und sonst nichts. Dabei nimmt man keine Kalorien zu sich. Als die besten Heilpflanzen zur Entschlackung gelten Melisse, Löwenzahn, Wermut, Fenchelsamen und Ringelblumen. Auch Tees mit Rooibos oder Lapacho sollen wahre Wunder wirken.
  • Saftfasten. Nicht ganz so streng wie die Teekur. Beim Saftfasten nimmt man täglich immerhin ein paar Kalorien zu sich. Bei den Säften handelt es sich um "Smoothies", also Drinks aus gepresstem und püriertem Obst und Gemüse.
  • Suppenfasten. Hier sollen Suppenbrühen als Nahrung dienen. Unter Puristen ist es verpönt, Fastensuppen zu salzen - was ebenfalls bedenklich ist, da Salz als Neurotransmitter in der richtigen Dosis für Menschen unbedingt notwendig zum Erhalt der Körperfunktionen ist.
  • Schleimfasten. Dabei gibt es lauwarmen, dünnflüssigen Schleim in allen Variationen: Aus Buchweizen, Haferflocken oder Gerste. Abermals ist es verpönt, die kaum kalorienhältigen Speisen mit Gewürzen wie etwa Salz aufzupeppen.

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