20 Fragen an Kultur-Staatssekretärin Ulrike Lunacek

20 Fragen an Kultur-Staatssekretärin Ulrike Lunacek

Die grüne Staatssekretärin Ulrike Lunacek über ihr Kunst- und Kultur-Verständnis.

1.: Kommt Ihnen die Kultur als Fachgebiet noch spanisch vor oder hilft es ein wenig, dass Sie auch privat als kunst- und kulturinteressiert gelten?
Ulrike Lunacek: Als Spanisch-Dolmetscherin sei es mir gestattet, zuallererst in meiner Lieblingsfremdsprache zu antworten. "A cada época su arte, y a cada arte su libertad." Spanisch für: "Der Zeit ihre Kunst, der Kunst ihre Freiheit" , das Motto der Wiener Secession. Ja, ich bin eine kunst- und kulturinteressierte Frau. Doch in meiner Funktion ist natürlich mehr gefordert. Für mich ist Kulturpolitik - neben vielem anderen - zuallererst der Dialog mit den Kunst- und Kulturschaffenden. Ich werde fragen, zuhören, lernen und dann entscheiden. Ich suche die aktive Kooperation und den Austausch mit allen Stakeholderinnen und Stakeholdern. Es ist ein Prozess, den ich ganzheitlich im gegenseitigen Austausch angehen will.
Und mit der Erfahrung meines Erwachsenenlebens von mehr als 40 Jahren weiß ich, wovon ich spreche, wenn ich die Freiheit der Kunst und die gesellschaftliche bzw. gesellschaftspolitische Bedeutung von Kultur als essenziellen Teil von Gesellschaft und Demokratie bezeichne. Ich freue mich darauf, dieses Wissen und meine Erfahrung auch im internationalen Kontext, gepaart mit meiner Neugier und Unvoreingenommenheit, in meine neue Funktion einzubringen.

2. Der Opernball steht vor der Tür. Er ist nicht nur der Staatsball, sondern auch jener der Künstler. Werden Sie heuer dort anzutreffen sein?
Ja.

3. Was war Ihr letzter Theaterbesuch?
"Dorian Gray" im Akademietheater.

4. Welches Buch liegt auf Ihrem Nachtisch?
Neben vielen anderen sind es zwei: "Jeder hier nennt mich Frau Bauhaus. Das Leben der Ise Frank" von Jana Revedin . Zum Immer-wieder-Lesen: Harper Lees "To Kill a Mockingbird" .

5. Wer ist Ihr/e Lieblingsautor/-in?
Nadine Gordimer , die leider schon verstorbene südafrikanische Literaturnobelpreisträgerin.

6. Was kann Kunst?
Kunst kann herausfordern, Konventionen ändern, Grenzen verschieben. Sie engagiert, bewegt, provoziert und formt uns als Menschen und Gesellschaft. Gleichzeitig kann Kunst Raum für Ruhe und Besinnung bieten, einen Ort, an dem wir das nötige Gleichgewicht für den Alltag finden. Sie kann unterhalten und ein ästhetisches Erlebnis sein. Und nicht zu vergessen, Kunst fördert das Lernen, die schöpferische Kreativität. Damit spielt sie auch eine positive und wichtige Rolle bei der Transformation Österreichs im Hinblick auf Globalisierung, Digitalisierung und Nachhaltigkeit.

7. Wer ist Ihr/e Lieblingsmaler/-in?
Maria Lassnig.

8. Welche Kunst haben Sie zu Hause hängen?
Gemälde und Fotos von einigen österreichischen Fotografinnen und Fotografen, Malerinnen und Malern - zeitgenössische und ältere.

9. Womit werden Sie sich in Ihrem neuen Büro eine inspirierende Arbeitsatmosphäre schaffen?
Mit hellen Möbeln, klaren Linien, ansprechenden Bildern und Fotos, mit Pflanzen und frischen Blumen. Vorrangig aber mit Team-Spirit, Herzlichkeit, Respekt, Offenheit und Entscheidungsstärke.

10. Welches Kunstgenre schafft es, Sie zu berühren?
Vor allem Musik und Tanz.

11. Sind Sie ein Serienjunkie?
Nein.

12. Sie werden demnächst auch bei vielen Filmfestivals Reden halten müssen. Welchen österreichischen Film haben Sie zuletzt gesehen?
Den Dokumentarfilm "But Beautiful. Nichts existiert unabhängig" von Erwin Wagenhofer.

13. In welcher Ausstellung waren sie zuletzt?
Hedy Lamarr im Jüdischen Museum.

14. Was verabscheuen Sie am meisten?
Ungerechtigkeit und Gewalt.

15. Ihr größter Fehler?
Zeitmanagement ist nicht meine Stärke.

16. Ihre Lieblingsbeschäftigung?
Schwimmen unter freiem Himmel.

17. Ihr Lieblingsbaum?
Die Birke

18. Welche Rolle spielt Architektur in Ihrem Leben?
Architektur spielt für mich - wie wohl im Leben aller Menschen - eine wichtige Rolle, denn sie schafft funktionale Räume: zum Wohnen, Arbeiten, Spielen, Leben. Architektur setzt aber auch Statements im Raum und definiert Landschafts- und Stadtbilder. Für die Geschichte der Menschheit sind Gebäude wichtige Zeugen der Vergangenheit. Sie zeigen uns, woher wir kommen. Moderne Architektur wiederum weist den Weg in die Zukunft.

19. Was ist die Kunst der Politik?
Die Kunst der Politik besteht darin, die eigenen Stärken und Fähigkeiten für eine Vision zur Gestaltung von Gesellschaft einzusetzen. Da Menschen jedoch unterschiedliche Visionen haben, wie Gesellschaft organisiert werden soll, ist die Kunst der Politik, Problemlösungsprozesse zu gestalten. Ziel meiner Politik ist eine gerechte und menschenwürdige Gesellschaft, in der jede und jeder sein Leben selbstbestimmt, in Freiheit und sicher leben kann.

20. Ihr Motto
"Der ist kein freier Mensch, der sich nicht auch einmal dem Nichtstun hingeben kann" von Marcus Tullius Cicero.


Zur Person

Ulrike Lunacek , Jahrgang 1957, geboren in Krems an der Donau/NÖ, ist studierte Dolmetscherin für Englisch und Spanisch. Ehemals Spitzenkandidatin der Grünen und EU-Parlaments-Vizepräsidentin ist sie nun Österreichs neue Staatssekretärin für Kunst und Kultur im Vizekanzleramt von Werner Kogler. Privat lebt Lunacek seit 1994 mit Rebeca Sevilla zusammen, Mitarbeiterin von Education International in Brüssel.


Das Interview ist der trend-Ausgabe 3/2020 vom 17. Jänner 2020 entnommen.


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