Expeditionstagebuch Dhaulagiri VII: Vor dem Gipfelversuch

Expeditionstagebuch Dhaulagiri VII: Vor dem Gipfelversuch

Das Basecamp am Dhaulagiri VII - von hier aus startet Benedikt Böhm seinen Speed-Gipfelversuch.

Vor dem Gipfelversuch am Dhaulagiri VII berichtet Dynafit CEO und Ski-Bergsteiger Benedikt Böhm von der harten Phase der Akklimatisierung und den herausfordernden Bedingungen in den Hochlagern.


Expedition Dhaulagiri VII

Am 26. September ist Manager und Extremsportler Benedikt Böhm zu seiner Expedition nach Nepal aufgebrochen. Sein Ziel ist die Speed-Begehung des Dhaulagiri VII im Nordwesten Nepals. In weniger als acht Stunden will er vom Base Camp auf 4.930 m den 7.246 m hohen Gipfel bezwingen und anschließend auf Ski zurück zum Base Camp abfahren. Im Expeditionstagebuch berichtet er aus Nepal.

14. Oktober 2019

Vor dem Gipfelversuch

Erste Spuren im Schnee

Vor dem Gipfelversuch

Wir waren in den letzten Tagen ziemlich unterwegs und haben das Lager 1 auf 5.500 Meter und das Lager 2 auf 6.250 Meter eingerichtet. Das Lager 2 ist damit nur noch 1000 Meter unter dem Gipfel. Man sieht von dort aus richtig schön die Flanke.

Ein Zelt für alle Fälle: Leben im Lager

Wir haben eine Nacht im Hochlager 1 verbracht und dann nochmals eine im Lager 2, um uns zu akklimatisieren und an die Höhe anzupassen. Dann ging es wieder ab.

Die Akklimatisierung ist bisher relativ gut gelaufen, zumindest für mich. Wir hatten jetzt leider schon zwei Ausfälle im Team. Die beiden haben sich aber auch schon wieder ganz gut erholt. Das zerreißt natürlich das Team ein wenig, aber wir schauen trotzdem, dass wir alle unsere Kräfte für den Gipfelversuch bündeln.

Hochlager 1 auf 5.500 Meter

Die Akklimatisierungsphase ist wie immer ein ziemlicher Kraftakt und ein regelrechter Kampf. Der Puls hämmert die ganze Zeit und man muss auch immer viel schleppen. Die ganze Ausrüstung vom Basecamp – die Zelte, die Kocher, die Schlafsäcke – alles Drum und Dran in die Hochlager bringen. Deswegen liebe ich auch diese Speed-Begehungen, weil man eigentlich mit gar nichts von unten startet und auch nichts am Berg zurücklässt. Man geht einfach nonstop von unten durch, hat nicht diesen ganzen Wahnsinn dabei, die Logistik, die man zuerst hochschleppen und dann auch wieder runterschleppen muss.

Die letzten Vorbereitungen vor dem Gipfelversuch.

Lagerleben und Einstimmen auf den Gipfelversuch.

Aber die Akklimatisierung und die Höhenanpassung sind auch ganz, ganz wichtig für mich, damit ich den Speed-Versuch auch machen kann. Ohne Akklimatisierung hätte ich da gar keine Chance. Man muss fit sein. Der Körper muss sich einfach anpassen. Er bildet rote Blutkörperchen, die für den Sauerstofftransport notwendig sind. Die Atmung stellt sich um, wird effizienter. Man kommt einfach im wahrsten Sinne Schritt für Schritt mit der Höhe besser zurecht. Durch diesen Prozess muss man durch.

Das Hochlager 2 auf 6.250 Meter

Es ist auch interessant zu beobachten, auch im Basecamp und rundherum: Geduld ist eine der größten Übungen hier. Das ist sicher auch etwas, das ich über die ganzen Jahre gelernt habe. Wenn man schnell hoch will, dann muss man das eben am Anfang langsam angehen.

Ich sehe immer wieder Leute, die sich zu sehr pushen und sofort los wollen. Dann passiert genau das Gegenteil – dass man eben krank wird. Man muss dem Körper die Zeit geben und erst wenn man wirklich sauber akklimatisiert ist, kann man wirklich den Gipfelversuch wagen. Alles Verfrühte zahlt sich eben nicht aus, sondern wird im Gegenteil bestraft.

Sonntag war komplett Ruhetag und am Dienstag ist dann der Gipfelversuch. Die restliche Gruppe wird von Montag auf Dienstag oben auf Lager 2 schlafen. Ich starte zeitgleich hier im Basecamp durch.

Was mit am meisten Sorge bereitet ist der Wind. Der ist ziemlich heftig, ziemlich knackig. Er nimmt auch eher zu als ab und es wird auch immer kälter. Es kommt mehr und mehr Winter. Es ist saukalt, vor allem in der Nacht. Selbst im Schlafsack frieren einem die Füße ab - wirklich abartig.

Vom Skifahren her ist es natürlich ein geiler Berg, keine Frage. Es ist alles dabei, was man haben kann. Aber die Verhältnisse sind ziemlich spannend: Bruchharsch, es eisig, der Untergrund ist ziemlich windgepresst und es schneit auch immer wieder einmal ein paar Zentimeter und dann kommt der volle Wind rein.

Benedikt Böhm am Dhaulagiri VII

Aber insgesamt sind wir recht zuversichtlich. Es macht auch riesig Spaß, mit dem Expeditionstagebuch ein bisschen Beschäftigung zu haben. Die Clips zusammenbauen Das ist zwar eine Mega-Herausforderung mit Akkus und Batterie und Solar. Die größte Herausforderung ist aber das Satellitenmodem, das immer wieder ausfällt. Die Übertragungen dauern auch immer extrem lang. Ein 30 MB-Clip dauert ungefähr 1:20 Stunden und bricht dazwischen fünfmal ab – das nervt gerade ziemlich.

Benedikt Böhm beim Schreiben des Expeditionstagebuchs

Aber es ist gut, ein bisschen Beschäftigung zu haben, denn im Basecamp kann es auch sehr langweilig werden. Und sonst alles gut. Wir sind immer noch guter Dinge, freuen uns aber auch schon wieder auf die Heimat.

Skifahren am Dhaulagiri VII - ein Abenteuer, das nur sehr Geübten zu empfehlen ist.

Für die Expedition wurde die Aktion „United for Himalayan Kids“ ins Leben gerufen. Mit Stirnbändern, die während der Expedition um 10 Euro pro Stück verkauft werden, wird gemeinsam mit dem Verein Nepal-Medical-Careflight ein Schulprojekt in Nepal unterstützt.

Das Expeditionsziel: Dhaulagiri-Gebirgsmassiv im Himalaya


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