Eva Rossmann: "Man sollte die Fakten kennen"

Eva Rossmann: "Man sollte die Fakten kennen"

Die Autorin Eva Rossmann hat einen Krimi zur Klimakrise vorgelegt. Was sie selbst tut, um die Welt zu retten, und warum ihre Konsum-Devise "Lieber weniger und hochwertiger" lautet.

trend: Als Juristin, Journalistin und praktizierende Köchin decken sie auch als Krimiautorin eine breite Themenpalette von der Schönheitsindustrie bis - wie aktuell - zur Klimakrise ab. Wie gut sprechen Sie Wirtschaft? Interessiert Sie die Börse, beobachten Sie die Märkte?
Eva Rossmann: Ja, natürlich. Sie sind Teil unserer Welt, und wenn man mitreden oder gar über unsere Welt erzählen will, dann sollte man die Fakten kennen. Es ist eh viel zu viel Fake und Stimmungsmache unterwegs.

Wie tough sind Sie privat im Umgang mit Geld? Erledigen Sie Ihre Steuererklärungen selbst?
Seltsamerweise überrascht es Menschen immer wieder, dass Autorinnen auch rechnen und verhandeln können. Mir macht das Spaß. Und ja, meine Steuererklärung mache ich selbst. So bin ich über meine Finanzen laufend informiert.

Was ärgert Sie am momentanen Wirtschaftssystem besonders?
Dass das quantitative Wachstum wie eine heilige Kuh behandelt wird. Ich glaube, dass wir in Zukunft neue Kriterien brauchen. Auch wenn qualitatives Wachstum natürlich schwieriger zu definieren ist.

Im aktuellen Buch geht es um das Business mit der Umwelt. Wie viel ist es Ihnen wert, den ökologischen Fußabdruck klein zu halten?
Wir sind in der glücklichen Lage, fast überall Alternativen zu haben. Und wo es die gibt, bemühe ich mich, die umweltfreundlichere zu nützen. Ich freu mich riesig, wenn meine Green-Investment-Wertpapiere dann auch noch mehr abwerfen. Fliegen ersetze ich, wo immer es geht, durch Bahnfahren. Ist auch entspannter. Ich hab seit mehr als sechs Jahren ein E-Auto, seit ganz Kurzem übrigens einen brandneuen E-Soul mit gut 450 km Reichweite. Dazu gibt's noch Fotovoltaik und Energiespeicher. Und ich meide Industriefleisch. Schmeckt ohnehin nicht gut.

Wertige Küche spielt in Ihrem Leben wie in den Krimis eine große Rolle. Wie viel darf gutes Essen kosten?
Wenn fair und nachhaltig produziert wird, dann zahle ich gerne dafür. Ich finde, dass unsere Bauern mehr für solche Produkte bekommen müssten. Lieber weniger und hochwertiger ist gerade auch bei Fleisch meine Devise. Wir brauchen mehr Bewusstsein dafür, dass Nahrungsmittelkonzerne mit Dumpingpreisen, deren Produkte um den halben Erdball gekarrt werden, schlecht sind, was die Umwelt und was den Genuss angeht.

Was haben Sie von zu Hause aus im Umgang mit Geld mitbekommen?
Sehr viel. Mein Vater war nahezu ein Finanzgenie. Er hat eine fast bankrotte Wohnbaugenossenschaft zu einer der profitabelsten gemacht. Seit ich ein Kind war, ist er am Wochenende über Bilanzen gesessen. Er war vorsichtig, auch beim Geldanlegen konservativ, aber er konnte hervorragend verhandeln. Und er hat, auch mit Teilen seines persönlichen Gewinns, immer Organisationen unterstützt, die sich um Menschen kümmern, denen es nicht so gut geht.

Wer hat in Ihrem Haushalt die Finanzhoheit?
Mein Mann kümmert sich um seine und ich mich um meine Finanzen. Aber ich hab mehr Zugang zum Thema als er. Und auch mehr Spaß daran.

Großzügiger Mensch oder Groscherlzählerin?
Eher großzügig, aber ich lass mich nicht gern übers Ohr hauen. Da kann ich auch unangenehm werden.

Wofür geben Sie selbst gerne Geld aus?
Reisen, gute Nahrungsmittel aus der Umgebung, ja, und Pflanzen von unserem Gärtner. Für "angesagte" Luxusrestaurants, in denen es ohnehin das internationale High-End-Einerlei gibt, bin ich mir zu neidig. Und Marken-Taschen brauch ich auch nicht. Bei hochwertiger Kleidung warte ich gern auf den Ausverkauf.

Was war das Verrückteste, das Sie sich je geleistet haben?
Ein Haus in Sardinien. Ich hab es noch keinen Tag bereut.

Was halten Sie heute noch für ein sinnvolles sicheres Investment?
Es gibt nicht das sichere Investment, sondern nur einen sinnvollen Mix. Und ich glaube, dass es mittel-und langfristig klug ist, dort zu investieren, wo es auch anderen und unserer gemeinsamen Zukunft etwas bringt. Gewinnmaximierung ist ziemlich doof, wir leben ja nicht allein auf dieser Welt.

Wofür würden Sie Ihren Namen auch für viel Geld nicht hergeben?
Ich gönne mir den Luxus, meinen Namen für Geld überhaupt nicht herzugeben.

Zur Person

Eva Rossmann Die vielfach engagierte Juristin, Journalistin und Powerlady der heimischen Krimiszene hat eben ihren 20. Mira-Valensky-Krimi präsentiert. "Heisszeit 51" (Folio Verlag, € 22) thematisiert Populismus, Ökos und wie die fortschreitende Erderwärmung auch das gesellschaftliche Klima aufheizt. Mit Wortwitz & Lokalkolorit.


Das Interview ist der trend.PREMIUM-Ausgabe Nr. 36/2019 vom 6. September 2019 entnommen.


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