Der Einzelkämpfer: Niki Lauda [22. Februar 1949 – 20. Mai 2019]

Niki Lauda (Juni 2018)

Niki Lauda (Juni 2018)

Niki Lauda, Fomel-1-Ikone und streitbarer Unternehmer, ist tot. Ein Nachruf von trend-Chefredakteur Andreas Lampl.

„Ich habe keine Lobby und keine Verbündeten, nur eine Marke“, sagte Niki Lauda Mitte der 1990er-Jahre zu mir, wahrscheinlich am Stammtisch des Do&Co am Stephansplatz, wo Lauda damals fast täglich saß und mit verschiedenen Leuten Strategien für sein Unternehmen Lauda Air besprach. Die jahrelangen Auseinandersetzungen mit der AUA, die ihn vom Markt haben wollte, hatten einen Höhepunkt erreicht. Und Lauda war kampfeslustig. Wie sein ganzes Leben lang.

Mit der Marke meinte er in erster Linie sich selbst. Er setzte seinen Ruhm als dreifacher Formel-1-Weltmeister ganz bewusst ein, um seine Ziele als Unternehmer zu erreichen. Das war der Weg, der seiner Persönlichkeit entsprach. Zeit zu vergeuden, um große Netzwerke zu knüpfen, war nicht sein Ding. Er wollte auch kein Mitglied einflussreicher Seilschaften sein. Niki Lauda war immer vor allem anderen eines – ein Einzelkämpfer!

Gemessen an den Standards in Unternehmer- und Managerkreisen war sein Bedürfnis nach Selbstdarstellung eher unterdurchschnittlich ausgeprägt. Seine zeitweilige Omnipräsenz auf Promi-Events und in den Society-Rubriken der Medien brauchte er nicht, um einen inneren Drang zu befriedigen. Das war kühl kalkuliertes Marketing für die von ihm gegründeten Airlines.

Gegen alle Widerstände

Der Wiener aus sogenanntem guten Haus brachte mit dem ihm eigenen Einsatz gegen alle Widerstände die Lauda Air hoch, eine trotz häufiger Unkenrufe erfolgreiche Fluggesellschaft. Dass sie nach Übernahme durch die AUA von Managern der Staatsairline als Altlast bezeichnet wurde, war wohl der Versuch, von eigenen Problemen abzulenken. Niki Lauda hat in einer damals von beamteten Strukturen beherrschten Luftfahrtindustrie in Europa neue Maßstäbe gesetzt. Seine Airline hat den Service und den Passagier in den Mittelpunkt gestellt, heute selbstverständlich, vor über 20 Jahren nicht. Das zusammen mit Lebensfreund Attila Dogudan entwickelte Catering von Do&Co ist immer noch legendär.

Auch die Lowcost-Ära in der Fliegerei hat Lauda in gewisser Weise vorweg genommen. Seine Unternehmen kamen stets ohne nennenswerte Overheads aus, waren auf das Notwendigste ausgerichtet und organisatorisch schlank – bis zur Magersucht. Soweit irgendwie möglich, kümmerte er sich um alles selbst. Zum einen hatte das wahrscheinlich mit seiner sprichwörtlichen Sparsamkeit zu tun. Wenn ich um einen Termin bat und ein Frühstück vereinbarte, war die einzige Bedingung: „Du zahlst!“ – Denn ich wollte ja was von ihm, nicht umgekehrt.

Mit der Obrigkeit auf Kriegsfuß

Viel mehr hatte dieser Sinn fürs Wesentliche aber mit seinem Charakter als Einzelkämpfer zu tun. Niki Lauda hasste Bürokratie, Hierarchien, Konventionen oder Ballast, der darauf gründet, dass es schon immer so war. Im Management eines Konzerns wäre er völlig undenkbar gewesen. Im Aufsichtsrat der ÖBB hielt er es nur ein paar Monate aus. Daraus erklärt sich auch sein tiefes Misstrauen gegenüber der Politik und Vereinigungen aller Art, von der Wirtschaftskammer bis zu den Gewerkschaften. Im Grunde war Lauda ein Anarchist, der mit der Obrigkeit auf Kriegsfuß stand und nur das Gesetz der Leistung akzeptierte. Die Regeln, an die er sich hielt, ließ er sich von seinem Verstand sagen, aber nicht von Institutionen. Das machte ihn zu einem außergewöhnlichen Menschen.

Für taktische Spielchen hatte Lauda wenig übrig. Er war immer zugänglich, offen, direkt; wenn nötig, dann angriffig. Und oft genug auch sehr lustig – aber all das immer mit der unterschwelligen Distanz eines Mannes, der nicht zur Verhaberung neigt. Sein Lebensmotto lautete: gegen den Strom zu schwimmen. Sein zweiter Anlauf in der Airline-Branche glückte ebenfalls. Die Billiglinie NIKI verkaufte er 2011 gewinnbringend an Air Berlin. Und an der in den letzten Jahren schon an Langeweile grenzenden Dominanz von Mercedes in der Formel 1 hatte er als Aufsichtsratsvorsitzender des Rennteams einen wesentlichen Anteil.

Mit dem Tod von Niki Lauda, oft mit dem Beinamen Nationale versehen, hat Österreich einen Ausnahmeunternehmer verloren; vor allem aber ein Vorbild für Unabhängigkeit, Freiheit im Denken und Selbstbewusstsein.

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