Deborah Sengl: "Schulden zu machen ist mir fremd"

Deborah Sengl: "Schulden zu machen ist mir fremd"

Deborah Sengl: "Ich strebe nicht nach Reichtum, aber brauche das sichere Gefühl, genug zu haben."

In der trend-Serie "Sprechen Sie Wirtschaft" erklärt die Künstlerin Deborah Sengl, die zu den neuen Stars der heimischen Szene zählt, warum ihr jede Form von Abhängigkeit ein Gräuel und gutes Essen eine Kunstform an sich ist.

trend: Ihre Arbeiten weisen Sie als kritische Beobachterin gesellschaftspolitischer Prozesse aus, aktuell thematisieren Sie in der "MQ Art Box" das aus der Kontrolle geratene (Fr)essverhalten unserer Gesellschaft. Welchen Stellenwert hat das Thema Wirtschaft in Ihrer Feldforschung?
Deborah Sengl: Konsum ist ein immer wiederkehrendes Thema in meiner Arbeit. Was wir konsumieren, hat viel mit unserer Identität zu tun. Das gilt auch für unsere Ernährung, frei nach Feuerbachs "Der Mensch ist, was er isst".

Lesen Sie neben den Kultur- auch die Wirtschaftsseiten?
Sengl: Die Wirtschaftsseiten kommen mir nur unter, wenn das Rätsel im "Standard" dort abgedruckt ist, das ich leidenschaftlich gerne beim Frühstücken löse.

Was ärgert Sie am aktuellen Wirtschaftssystem?
Sengl: Ärgern wäre eine zu freundliche Beschreibung angesichts der globalen Zustände, wo die Reichen auf Kosten der Armen immer reicher werden und die Welt dabei mit ihren Ressourcen zugrunde geht.

Sind Sie eine gute Verhandlerin in eigener Sache?
Sengl: Ich bin selbstbewusst und bestimmt genug dafür. Allerdings gehört dies eher zu den unliebsameren Aspekten meiner Arbeit. Ich bin froh, wunderbare Galeristinnen an meiner Seite zu haben, die mir das zumeist abnehmen.

Wie würden Sie Ihr Verhältnis zu Geld beschreiben?
Sengl: Ich strebe nicht nach Reichtum, aber brauche das sichere Gefühl, genug zu haben, um mir meine Existenz und vor allem die Ausführung meiner Projekte sorgenfrei leisten zu können.

Sie sind mit dem PR-Strategen Stefan Albin Sengl verheiratet. War ein Ehevertrag Thema? Und: Wer hat in Ihrem Haushalt die Finanzhoheit?
Sengl: Ein Ehevertrag war nie Thema. Wir sind beide sehr eigenständig, darum haben wir auch getrennte Finanzen. Für gemeinsame Anschaffungen und Ausgaben nutzen wir allerdings ein Gemeinschaftskonto.

Was haben Sie im Umgang mit Geld von zu Hause mitbekommen?
Sengl: Meine Eltern waren mir auch in diesem Punkt ein großes Vorbild. Gerade als freischaffende Künstlerin mit einem unregelmäßigen Einkommen habe ich früh gelernt, das Geld nicht aus dem Fenster zu werfen, da man nie weiß, wann wieder eines hereinkommt. Schulden zu machen ist mir fremd, da jede Form von Abhängigkeit und die damit einhergehende Unselbstständigkeit in unserer Familie ein Gräuel sind.

Macht die Gier den Mensch zum Tier?
Sengl: Gier ist schlimmer. Kein Tier kann so sinnlos gierig sein wie wir Menschen.

Was würden Sie als Künstlerin auch für viel Geld nicht machen?
Sengl: Einen Base-Jump vom Millennium Tower, mich von meinen geliebten Katzen trennen oder ein Wahlplakat für eine Regierungspartei. Wobei, über Ersteres ließe sich noch am ehesten reden.

Wissen Sie noch, wie Sie Ihr erstes Geld angelegt haben?
Sengl: Ich habe mir einen schwarzen Trenchcoat von Burberry geleistet. Ansonsten investiere ich mein Geld fast ausschließlich in neue Skulpturen und in das nächstgrößere Projekt.

Welchen Wert hat denn ein gutes Outfit? Und wie viel geben Sie für Mode aus?
Sengl: Individualität ist mir sehr wichtig. Dafür lasse ich mir auch gerne Kleidung nach meinen Vorgaben schneidern. Unterm Strich ist das aber nicht teurer als die "Einweguniformen", die man im Handel bekommt. Von der Nachhaltigkeit ganz zu schweigen.

Wofür geben Sie sonst noch gerne Geld aus?
Sengl: Neben hochwertigem Arbeitsmaterial am liebsten für gutes Essen. Das ist eine Kunstform für sich, die auch etwas kosten darf. Mit Strandurlauben, Schmuck und Handtaschen kann ich hingegen wenig anfangen.

Was war denn das Verrückteste, das Sie sich je geleistet haben?
Sengl: 180 ausgestopfte Ratten für meine erste große Museumsausstellung "Die letzten Tage der Menschheit" im Essl Museum. Fünf Jahre später kann ich behaupten, das Geld nicht besser angelegt haben zu können.

Verschwendet man als junge freischaffende Künstlerin auch Gedanken an die Pensionsvorsorge?
Sengl: Was ist Pension?

Was bedeutet Luxus für Sie?
Sengl: Der größte Luxus für mich ist die Freiheit, selbstbestimmt zu leben. Insofern habe ich dank meiner Arbeit ein sehr luxuriöses Leben.


Zur Person


Deborah Sengl , 45. Die in Wien geborene Tochter des Künstlerehepaares Peter Sengl und Susanne Lacomb beschäftigt sich in ihrem signifikanten wie komplexen Werk mit Tarnen und Täuschen, Sein und Schein und zeigt, wie schnell menschliches Verhalten „animalischen“ Charakter annimmt.

Ihre Ausstellung „Über den Umgang mit Menschen (nach Adolph Freiherr Knigge)“ ist in der Galerie Reinthaler noch bis 9. 3. zu sehen, in der Art Box des MQ läuft bis 28. 3. die Installation „All you can lose“. Und am 1. 3. erscheint das von Sengl gestaltete Bilderbuch „Fiffy und Maurice“ im Luftschacht-Verlag.



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