David Schalko: „Man versucht, den ORF zur blauen Propagandamaschinerie zu drehen“

David Schalko: „Man versucht, den ORF zur blauen Propagandamaschinerie zu drehen“

David Schalko

David Schalko hat mit seinen Formaten die heimische Fernsehlandschaft revolutioniert. Bei der Berlinale wird seine neueste Serie „M – eine Stadt sucht einen Mörder“ präsentiert, die am 17. Februar im ORF startet. Im Interview erklärt er, warum das sein letztes Projekt für den ORF sein könnte.

David Schalko ist Autor, Regisseur, TV-Format-Entwickler und geschäftsführender Gesellschafter der Produktionsfirma Superfilm mit Sitz in Wien und München. Bekannt wurde er in Österreich mit der „Sendung ohne Namen“, die ab 2002 ein völlig neues TV-Genre im Fernsehen begründete. Es folgten „Dorfers Donnerstalk“, „Die 4 da“ und die Late- Night-Comedyshow „Willkommen Österreich“ mit Stermann & Grissemann (seit 2007 im ORF).

Zu den wichtigsten Film- und TV-Arbeiten zählen „Aufschneider“ mit Josef Hader, „Wie man leben soll“ nach einem Roman von Thomas Glavinic und die Miniserien „Braunschlag“ (2012) und „Altes Geld“ (2015). Als Romanautor machte er u. a. 2009 mit dem Buch „Weiße Nacht" von sich reden, 2013 folgte „Knoi“, 2018 „Schwere Knochen“.

Im trend-Interview spricht Schalko über die schwierige Lage und politische Einflussnahme im ORF.


trend: Am 17. Februar startet im ORF Ihre TV-Miniserie „M – eine Stadt sucht einen Mörder“, ein sehr freies Remake des Fritz-Lang-Klassikers. Die Serie wird auch bei der Berlinale in der Reihe „Berlinale Series“ mit Spannung erwartet.
Schalko: Eine künstlerische Auszeichnung, die mich freut, weil die Section „Berlinale Series“ zu den wichtigsten in Mitteleuropa zählt. Und auch weil „M“ ein Projekt war, das am Anfang niemand haben wollte und das viel Überzeugungsarbeit gebraucht hat. Ich habe jahrelang auf die Finanzierung gewartet. Es ist das vergleichsweise aufwändigste Projekt, das ich je gemacht habe – mit enorm vielen Locations und 130 Schauspielern. Aber durch den langen Vorlauf ist das Projekt erstaunlicherweise jetzt auf der Höhe der Zeit. Die Realität, die da behauptet wird, ist exakt die Realität, in der wir jetzt leben: Überwachungsstaat, Fake News, Hetze im Netz, Rechtsruck. Es ist ein politischer Befund der Gegenwart und changiert zwischen allen Genres – wie das Original.

Beim Fernsehen sind Streaming und Bingewatching die großen Themen. Dient ein TV-Gerät der jungen Generation nur noch als Bildschirm?
Das hat mit Inhalten zu tun. Ich denke, dass sich die öffentlich-rechtlichen Sender verstärkt um innovative Inhalte bemühen sollten und von der allgegenwärtigen Biederkeit Abschied nehmen müssen. Es fehlt das öffentlich-rechtliche Gegenmodell zu den Streamingdiensten. Diese Gedankenarbeit wird zu wenig gemacht. Im Augenblick hat man eher das Gefühl, dass man die Zuschauer, die man hat, einfach nur ins Grab begleiten will.

Wie wird das beim ORF gehandhabt?
Aktuell sehe ich die Lage schwieriger. Weil die Stellung der FPÖ zum ORF nichts mit einem souveränen seriösen Verhältnis von Politik zu einem öffentlich-rechtlichen Sender zu tun hat. Da geht es darum, dass der Hass, der sich seitens der FPÖ auf den Sender aufgebaut hat, hemmungslos entladen wird. Das ist eine Geisteshaltung, die nichts in einer Regierung verloren hat. Vielleicht sollte es zur Abwechslung mal um das Wohl des Senders gehen, und nicht um politische Befindlichkeiten.


Es war schon immer übel. Jetzt ist es noch übler.

Die Stimmung im ORF ist angespannt ...
Die Stimmung im ORF war noch nie gut. Das ist wie mit dem Wetter. Das hat noch nichts mit den Couleurs zu tun. Ich habe unter Schwarz-Blau 1 angefangen, Fernsehen zu machen. Da hatten wir die größten Freiheiten. Da war die ÖVP aber noch eine Partei, der es unangenehm war, mit den Blauen zu koalieren und die deswegen nicht unter dem Verdacht stehen wollte, dass sie Dinge zensuriert. Jetzt wird versucht, das Unternehmen zu einer blauen Propagandamaschinerie umzudrehen, und das spürt man schon sehr deutlich. Es sollte absolut egal sein, welche Couleur an der Macht ist, die Unabhängigkeit der Macher sollte immer gewährleistet sein. Diesbezüglich war es schon immer übel. Jetzt ist es halt noch übler.

Wie also geht Unterhaltung mit Haltung?
Es gibt ja keine Unterhaltung ohne Haltung, es gibt nur Unterhaltung mit falscher Haltung. Es geht einfach darum, dass das Fernsehen wieder mehr Risiko auf sich nehmen muss, um relevant zu bleiben. Es ist die Aufgabe des Fernsehmachers, etwas Neues zu bringen, wovon der Zuschauer gar nicht ahnt, dass er es will. Und die Aufgabe der Politik ist es, die nötigen Rahmenbedingungen dafür zu schaffen.


In Österreich wird in der politischen Satire so gut wie nichts zugelassen.

Wie steht es um die Vertragsverhandlungen für die Verlängerung des Satireformats „Willkommen Österreich“, das 2019 ausläuft?
Noch denkt man nach, ob man daran interessiert ist oder nicht. Mal sehen. In der politischen Satire ist Österreich leider sehr schwach aufgestellt, weil so gut wie nichts zugelassen wird. Es würde dem Land ganz gut tun, wenn es auch eine junge, politisch unkorrektere Form der Satire gäbe, mit Protagonistinnen wie Lisa Eckardt oder Stefanie Sargnagel. Das fände ich als Zuseher reizvoll. Aber aus dem TV-Format-Entwicklungsgeschäft bin ich schon lange draußen.

Was heißt das für Ihre Pläne als Geschäftsführer der Produktionsfirma Superfilm?
Wir haben auch eine Firma in Deutschland mit Büro in München. Da produzieren wir eine wöchentliche Late-Night-­Show mit Ringlstetter und arbeiten an diversen anderen Formaten. Wir haben mit Reinhard Scolik als Programmchef beim Bayerischen Rundfunk einen guten Partner und ein inhaltliches Vertrauensverhältnis. Meine eigenen Projekte finden in den nächsten drei Jahren sowieso in Deutschland statt. Und ob der ORF an mir als Regisseur weiter Interesse hat oder nicht, wird sich zeigen. Bis jetzt ist man noch nicht aggressiv auf mich zugekommen mit Angeboten, aber ich sehe dem entspannt entgegen. Ich denke, dass ich als politisch unangenehme Figur gelte. Vieles muss sich auch erst formieren, weil sich das alte und das neue System im ORF noch reiben und eine Art Entscheidungslähmung herrscht, bis das neue ORF-Gesetz schlagend wird. Aktuell arbeite ich auf jeden Fall an keinem Projekt für den ORF. „M“ ist also ein „vorübergehender“ Abschied.



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