Zukunftsgespräche: Jugend und Eliten diskutieren die wahren Wahlkampfthemen

Im Wahlkampf bleiben die Themen auf der Strecke, die unser Land wettbewerbsfähiger und moderner machen würden. FORMAT ließ Top-Manager mit jungen, kreativen Menschen genau darüber diskutieren.

Im Wahlkampfgetöse rund um „Krone“, Teuerung und Kleinparteien-Aufmarsch gehen jene Themen vollkommen unter, die Österreich in einem stürmischen internationalen Umfeld im Zentrum Europas als modernes, wettbewerbsfähiges und offenes Land zukunftsfit machen könnten: Fragen rund um Schule, Aus- und Weiterbildung etwa, aber auch ein offensiver Umgang mit dem Thema Integration von Migranten in die österreichische Wirtschaft. Genauso geringe Beachtung finden Fragen nach der Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder die staatliche Unterstützung junger Menschen bei der Neugründung einer Firma. FORMAT ist genau diesen Zukunftsfragen nachgegangen und hat vier Top-Manager aus der österreichischen Wirtschaft mit vier jungen, selbstbewussten und kreativen Menschen darüber diskutieren lassen.

Schulfach „Soziales Lernen“
Eine äußerst kontroversielle Debatte lieferten sich Verbund-Vorstand Ulrike Baumgartner-Gabitzer und der 16-jährige Schulsprecher Igor Mitschka über die Anforderungen von Unternehmen an junge Menschen und die ideale Vorbereitung darauf durch das Schulsystem ( siehe Interview ). Während sich Mitschka für ein eigenes Schulfach „Soziales Lernen“ aussprach und anregte, kritisches Denken und Hinterfragen auch in Unternehmen stärker zu forcieren, trat Baumgartner-Gabitzer für die Beibehaltung der Studiengebühren und gegen die Gesamtschule auf.

Mehrwert Migrantenhintergrund
Weniger gegensätzlich verlief das Gespräch zwischen Hikmet Ersek, dem türkischstämmigen Vizepräsidenten von Western Union, und der 22-jährigen Sherin Shakirem, einer österreichischen Staatsbürgerin mit irakisch-kurdischen Wurzeln. Beide betonten den Mehrwert ihres multikulturellen Hintergrunds, von dem auch Unternehmen profitieren. Immer wieder wurde der wesentliche Stellenwert von Bildung hervorgehoben. Ersek: „Die Berührungsangst gegenüber Fremden resultiert aus der Unbildung der Menschen. Damit überwiegt nicht die Neugier, sondern die Angst.“

Mütter unter sich
Zwei Mütter saßen sich in der Diskussion über Kinderbetreuung, Vereinbarkeit von Familie und Beruf und die tradierten Rollenbilder von Mann und Frau gegenüber ( siehe Interview ). Dabei sprach Infineon-Chefin Monika Kircher-Kohl, deren zwei Töchter bereits erwachsen sind, über ihren Aufstieg in die höchste heimische Business-Liga und die Doppelbelastung als Mutter und Managerin. Die 16-jährige Schülerin Valentina Schmolik wiederum, selbst Mutter eines 1 1/2 Jahre alten Sohnes, kritisierte die Politik. Es gebe zu wenig Betreuungseinrichtungen für Kleinkinder. Damit werde Frauen eine rasche Rückkehr in den Beruf unnötig erschwert.

Jungunternehmer und AG-Chef
Böhler-Uddeholm-Chef Claus Raidl fand wiederum in Alex Kucera einen jener 30.000 Jungunternehmer, die sich pro Jahr selbständig machen. Dieser Enthusiasmus und Unternehmergeist, die Raidl für entscheidend hält im internationalen Wettbewerb, würden durch zu starre gesetzliche Regeln der Politik ständig behindert. Darin waren sich beide Herren einig. Fazit: Einer motivierten und realistischen Jugend stehen Eliten gegenüber, die genau diese Eigenschaften suchen. Im Weg stehen zu oft gesetzliche und gesellschaftliche Schranken. Oder schlicht Ignoranz. Das sind aber Fragen, die nur die Politik lösen kann. Vielleicht im nächsten Wahlkampf.

Von Martina Madner, Markus Pühringer, Nicole Stern

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