Wirtschaftskompetenz: Die erfolgreichsten Ex-Politiker

Das Ministerbüro nützt den wenigsten Regierungsmitgliedern als Sprungbrett für eine Karriere. Viele werden nach ihrer Amtszeit Berater, aber nur sehr wenige scheffeln dabei großes Geld.

Wilhelm Molterer kommt richtig ins Schwärmen: „Die völlig andere Art zu arbeiten ist faszinierend. Entscheidungen werden hier viel rationaler getroffen.“ Seit zwei Wochen ist der frühere ÖVP-Vizekanzler Vizepräsident der Europäischen Investitionsbank (EIB). Derzeit arbeitet er sich intensiv in alle Details ein und versucht, möglichst viele Mitarbeiter des Instituts kennen zu lernen. Es sind spannende Zeiten: Die EU-Bank soll durch ihre Investitionen das Wachstum in Europa fördern und steht durch die Krise vor riesigen Herausforderungen. Molterers neue Stelle in Luxemburg ist ein Topjob. „Gut geht’s mir“, meint er wenig überraschend.

Auch Josef Pröll wirkt wieder so richtig energiegeladen und strahlend, seit er der Politik den Rücken gekehrt hat. Seit 1. Juli ist der langjährige ÖVP-Spitzenpolitiker Vorstand des Mischkonzerns Leipnik-Lundenburger Invest. Interviews mag er vorerst keine geben. Seine Freunde berichten, dass er regelrecht auflebe.

Schwierige Jobsuche

Nicht immer verläuft der Wechsel von der Politik in die Wirtschaft so vielversprechend. Viele Ex-Minister bleiben, mangels Alternativen, der Politik oder parteinahen Institutionen treu. Manche kehren in ihre alten Jobs zurück. Nur wenige machen wirklich Karriere.

Zu den erfolgreichsten ehemaligen Regierungsmitgliedern zählen auffällig viele SPÖler. Hervorragende Managementqualitäten und ein gutes Händchen bei Investments hat von ÖVP-Seite nur Josef Taus bewiesen. Warum sich SPÖ-Politiker leichter tun, wirtschaftlich erfolgreich zu werden, dafür hat Polit-Berater Thomas Hofer eine Erklärung: „Ein Netzwerk Richtung ÖVP haben die meisten Unternehmen ohnehin. Daher ist ein guter direkter Draht zu den Sozialdemokraten mehr wert.“

Da Spitzenpolitiker im Blickfeld der Öffentlichkeit stehen, scheuen sich viele Unternehmen aber, ausgeschiedenen Regierungsmitgliedern eine neue Chance zu geben. Einige Zeit lang galt Frank Stronachs Autozulieferkonzern Magna als Auffanglager für Aussteiger, vonseiten der Sozialdemokratie gab es zu Konzernen wie Siemens oder VW eine gute Verbindung. Aber die meisten Unternehmen haben Angst vor der Berichterstattung oder der parteipolitischen Punzierung, wenn sie Ex-Politiker einstellen. „Die Durchlässigkeit zwischen Politik und Wirtschaft ist im angelsächsischen Raum deutlich höher“, sagt Molterer. Dies werde immer mehr zum Problem, weil sich die Halbwertszeit der Minister verkürzt.

Daher bleibt den meisten nichts anderes übrig, als ihre Erfahrungen (Krisenmanagement, Kontakte) als Berater in eine eigene Gesellschaft einzubringen. Fast die Hälfte der Regierungsmitglieder, die derzeit noch in der Privatwirtschaft aktiv sind, versuchen sich als Consulenten. Niemand ist dabei derzeit so erfolgreich wie Alfred Gusenbauer. Der Ex-Kurzzeit-Kanzler verdient nach Einschätzung von Beobachtern mittlerweile 1,5 Millionen Euro im Jahr – rund fünfmal so viel wie der Bundespräsident. Die Räder, an denen er dreht, werden immer größer: Seit kurzem ist Gusenbauer ins Risikokapitalgeschäft eingestiegen. Die neu gegründete Cudos Advisors soll in Firmen investieren und sie sanieren. Den Begriff Heuschrecke weist Gusenbauer entschieden zurück. Der 51-Jährige sammelt Aufsichtsratsmandate wie Dagobert Duck Goldmünzen, auch außerhalb der Landesgrenzen ist er aktiv.

International oder too small

Andere österreichische Ex-Politiker haben auf internationaler Ebene gerade Niederlagen einstecken müssen: Ex-Außenministerin Ursula Plassnik wurde nicht Generalsekretärin der OSZE (stattdessen wird sie Botschafterin in Paris). Der frühere Landwirtschaftsminister Franz Fischler scheiterte bei der Wahl zum Generaldirektor der UN-Ernährungsorganisation FAO. Er bleibt Präsident des Ökosozialen Forums und Consulter: Seine Firma erwirtschaftete zuletzt einen Bilanzgewinn von 178.572 Euro.

Auf 120.488 Euro Bilanzgewinn kam der frühere BZÖ-Vizekanzler Hubert Gorbach, dem Vorarlberg „too small“ ist, wie er in einem Brief an den britischen Schatzkanzler behauptete. Er berät jetzt den weißrussischen Diktator Lukaschenko und ist Präsident der Schneiakademie.

Die Minus-Männer

Beim ehemaligen Finanzminister Karl-Heinz Grasser (2000 bis 2007) und beim früheren Innenminister Ernst Strasser (2000 bis 2004) schien der Sprung von der Regierungsbank ins Unternehmertum besonders gut zu funktionieren. Allerdings ist mittlerweile bei beiden viel Sand im Getriebe: Strasser musste als EU-Parlamentarier zurücktreten, nachdem Videos über seine Arbeit als Lobbyist veröffentlicht worden waren. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Viele seiner Geschäfte werden neu aufgerollt, auch aus den Aufsichtsräten von Rail Holding (Westbahn) und G4S musste er ausscheiden.

Grasser ist aufgrund der Privatisierung der Buwog und diverser anderer Geschäfte ins Visier der Justiz geraten, in seiner Causa wird ebenfalls noch ermittelt. Dass Grasser ein Großverdiener war, davon zeugt auch die Bilanz der Valuecreation, die ihm zu 100 Prozent gehört. Laut Firmenbuch lag im Jahr 2009 der Bilanzgewinn bei 780.131 Euro. Schon zuvor machten ihn die Verträge mit Meinl International Power (MIP) zum Millionär. Doch mittlerweile laufen seine Geschäfte schlecht: Aufsichtsratsposten wie etwa bei C-Quadrat hat er verloren, aus der gemeinsamen Immobilienfirma mit Ernst Karl Plech stieg er vor kurzem aus, im April verkaufte er seine Anteile an der JaBo Software Vertrieb- und Entwicklung GmbH („Checkfelix“).

Vom Staatssekretär zum HabsBurger

Kleinere Brötchen als zu Staatssekretärzeiten bäckt auch Eduard Mainoni: Der BZÖ-Politiker (2004 bis 2007) setzt auf Mietlager und HabsBurger. In der prominent benannten Vinothek im Salzburger Stadtteil Lehen, die statt einem Doppeladler einen Korkenzieher im Wappen trägt, werden Weine aus dem Friaul (Flaschen ab 10,80 Euro im Lokal) und kleine gefüllte Fleischlaibchen angeboten. „Nachdem der Mittelstand immer ärmer wird, wollte ich ein Konzept für Leute, die mehr aufs Geld schauen, entwickeln“, so der Salzburger. Als Nationalratsabgeordneter habe er zwar besser verdient, dafür müsse er jetzt nicht Verantwortung für Dinge, die andere machen, übernehmen und innerparteiliche Querelen überstehen. Mit Franchisenehmern könnten HabsBurger von Salzburg aus das Land erobern, auch Multistorage werde expandieren, erzählt Mainoni. Und kommt so richtig ins Schwärmen.

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– Miriam Koch

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