Willi Hemetsberger: "Kein Land sollte so ein Portfolio haben"

Willi Hemetsberger: "Kein Land sollte so ein Portfolio haben"

FORMAT: Kann man abschätzen, wie viel die Banken an einem Portfolio wie dem von Salzburg verdient haben? Die FPÖ hat in einer Aussendung von mindestens 20 Millionen Euro gesprochen, uns wurde gesagt, 130 Millionen Euro. Was ist richtig?

Willi Hemetsberger: Ich weiß nicht, wie die das alle berechnen. Wir hätten uns schon leichter getan, wenn wir gewusst hätten, zu welchen Preisen die einzelnen Positionen gekauft wurden. Wir kennen nicht einmal die Anschaffungspreise. Wenn ich das nicht weiß, weiß ich auch nicht, was die Marge sein kann.

Die Experten kritisieren vor allem Swaps. Wie intransparent sind denn solche Instrumente?

Hemetsberger: Plain Vanilla Swaps (gewöhnliche Swaps; Anm.) sind wahrscheinlich die meistgehandelten und transparentesten Produkte, die es gibt. Jedes europäische Land etwa, das eine festverzinsliche Anleihe emittiert, swappt diesen Bond oder Teile davon in der Regel in variabel verzinste Bonds. Aber getauscht werden kann alles Mögliche. Es gibt durchaus strukturiertere Derivate, die sehr komplex sind und für die auch schwerer ein fairer Marktpreis zu ermitteln ist.

Sind so komplexe Derivate in der Regel überhaupt ein faires Geschäft?

Hemetsberger: Je strukturierter ein Derivat ist, desto höher ist die Marge des Verkäufers. Das ist aber letztlich in vielen Bereichen so: Je spezieller und maßgeschneiderter ein Produkt, desto teurer ist es. Das gilt ja auch für Autos und Anzüge.

Brauchen unsere Finanzlandesräte Nachhilfe in Sachen Geldanlage und Märkte?

Hemetsberger: Ich glaube, an sich brauchen alle ein gewisses Finanz-Know-how. Aber keiner sollte sich mit einer Komplexität wie der des Salzburger Portfolios befassen müssen. Denn kein Land sollte so ein Portfolio haben.

Wie weiß man, dass Ihr Ergebnis halbwegs korrekt ist, wenn nicht ganz klar ist, wie groß der Umfang des Salzburger Schattenportfolios ist?

Hemetsberger: Niemand kann seriöserweise sagen, das ist ganz sicher alles. Aber die Formulierung, die der Wirtschaftsprüfer gewählt hat, trifft es gut: Es gibt keine konkreten Hinweise, dass das nicht alles gewesen wäre. Manche Bewertungen waren insofern schwierig, als es keinen Markt für manche Produkte gibt und man Modelle heranziehen muss. Aber die Bundesfinanzierungsagentur hat unsere Methoden überprüft und sie für State of the Art befunden.

Kritik am Ergebnis hat es dennoch gleich gegeben, weil eine Position nicht richtig verbucht worden sei …

Hemetsberger: Wir haben nur die Vermögensgegenstände bewertet. Wir haben keine Stellungnahme dazu gegeben, wie das in einer Bilanz oder kameralistischen Darstellung zu verbuchen ist, dazu haben wir auch keine Expertise.

Wie wahrscheinlich ist es denn, dass das Land Salzburg mit einem blauen Auge davonkommt?

Hemetsberger: In die Zukunft kann keiner schauen. Aber wenn man zügig und mit Bedacht diese Risken abbaut, dann muss man zwar wie immer bei Verkäufen mit Abschlägen von der fairen Bewertung rechnen, aber unserer Vermutung nach würde das Ergebnis nicht weit entfernt liegen.

Ist das Salzburger Portfolio eher ein Kraut-und-Rüben-Gemisch oder ein durchdachtes?

Hemetsberger: Für eine Gebietskörperschaft ist es ein deutlich zu riskantes Portfolio, sofern eine Gebietskörperschaft überhaupt ein Veranlagungsportfolio dieser Art haben sollte. Zum Teil finden sich im Portfolio illiquide Privatplatzierungen, und es ist mit sehr strukturierten Produkten befüllt. Aber im Großen und Ganzen ist durchaus eine Idee erkennbar: eine Positionierung auf Zinsen und Wachstumsmärkte.

Wer hält denn abgesehen von den Salzburgern Range Accruals?

Hemetsberger: Bei weitem nicht jeder institutionelle Anleger. Solche Produkte sind trotzdem verbreitet. In Wirklichkeit sind das geschriebene Optionen, für die ich eine Optionsprämie kassiere, und diese Prämie drückt sich in einer hohen laufenden Zinszahlung aus.

Geht Ihre Arbeit für Salzburg jetzt weiter?

Hemetsberger: Im Moment geht sie weiter, und wir hoffen, dass wir auch in Zukunft dem Land Salzburg beratend zur Seite stehen und beim Abbau der Risken helfen können.

Wie macht man das, Risken abbauen?

Hemetsberger: Man macht eine Reihung von den drängendsten Risken, vielleicht auch von den Positionen, denen kein Gegengeschäft zugrunde liegt. Das sind jetzt vor allem Fremdwährungsrisken. Zum Glück sind die Fremdwährungsmärkte relativ liquide, und man kann zu geringen Kosten die Risken herausnehmen. Dann gibt es strukturierte Zinsrisken, die muss man relativ zügig abbauen. Die Zinsen sind derzeit eher niedrig, und die Wahrscheinlichkeit, dass sie weiter fallen, ist geringer als die, dass sie raufgehen. Dann muss man sich den Emittentenrisken widmen, also der Gefahr, dass ein Kredit nicht zurückgezahlt werden kann. Wir haben jetzt keinen Emittenten gesehen, der schon auf Rot steht, aber die Konzentration auf einzelne Emittenten ist so groß, dass man hier sicher rasch etwas tun sollte. Wir glauben, dass der Abbau der Risken innerhalb von 18 Monaten machbar ist.

Es wird immer wieder Kritik an Ihrer Person geübt, nach dem Motto, als Bank-Austria-Vorstand hätten Sie genau solche Geschäfte verkauft, jetzt profitieren Sie als Aufräumer …

Hemetsberger: Das sind geschäftsschädigende Unterstellungen. Erstens finden sich im Portfolio des Landes Salzburg eigentlich keine Positionen der Bank Austria. Außerdem bin ich seit vier Jahren nicht mehr in der Bank und habe keinerlei geschäftliche Beziehungen mehr mit ihr. Jemanden zu finden, der etwas von solchen Produkten versteht, aber noch nie in irgendeiner Bank gehandelt hat, wird schwierig sein.

Für das Gutachten sollen Sie 50.000 Euro bekommen.

Hemetsberger: Das stimmt. Die Salzburger haben mich angerufen, und ich habe mir nicht gedacht, dass das so viel Arbeit ist. Ich dachte, so eine Bewertung machen wir schnell einmal. Und dann haben wir die Weihnachtsferien und Wochenenden ziemlich durchgearbeitet. Aber das ist unternehmerisches Risiko.

Ersatzkaiser in der Instagram-Kutsche [Politik Backstage]

ALEXANDER VAN DER BELLENS größte Hürde ist, dass die heurige Hofburg-Wahl …

Bundeskanzler Karl Nehammer vor dem UN Hauptquartier in New York

“Ich bin ein Lernender” [Politik Backstage]

Mitte September geht in New York mit der UNO-Generalversammlung das …

Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) und Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) beim Pressefoyer nach einer Sitzung des Ministerrates am Mittwoch, 14. September 2022

“Wir haben einen schönen Koalitionspartner”

Nach außen hin machen Nehammer & Kogler auf fröhliche Wähler-Bescherung. …

Was tun gegen Lehrermangel? [Umfrage]

Was sind die geeignetsten Maßnahmen gegen den Lehrermangel? Sind Lehrer …