WikiLeaks veröffentlicht "Erdoğan Emails"

WikiLeaks veröffentlicht "Erdoğan Emails"

WikiLeaks verspricht mit den “Erdoğan Emails” Neuigkeiten rund um den Putsch und den Staatspräsidenten Erdoğan.

Die Aufdecker-Plattform WikiLeaks hat geheime E-Mails aus dem Schriftverkehr der Partei AKP von Recep Tayyip Erdoğan veröffentlicht. Seit der Ankündigung am Montag wird WikiLeaks via Internet attackiert. Der Zugang zur WikiLeaks-Seite wurde in der Türkei gekappt. Erdoğan könnte am Mittwoch gleichzeitig den Ausnahmezustand ausrufen.

Mit heutigem Mittwoch hat WikiLeaks rund 300.000 E-Mails der türkischen Regierungspartei AKP veröffentlicht. Die Aufdecker-Plattform will mit sogenannten “Erdoğan Emails” offenbar für mehr Transparenz um die Geschehnisse des gescheiterten Militärputsches und der danach folgenden Säuberungsaktion sorgen.

Doch WikiLeaks ist seit der Ankündigung am Montag, E-Mails der AKP und somit von Parteifreunden Staatspräsident Erdoğan zu veröffentlichen, unter Beschuss. Eine Cyberattacke nach der anderen muss WikiLeaks seither abwehren. Die Aufdecker vermuten, dass die Angriffe von staatlichen Institutionen der Türkei oder von deren Verbündeten stammen. WikiLeaks hat am Dienstagabend noch bekräftigt, sich nicht beirren zu lassen und die E-Mails wie versprochen zeitig zu veröffentlichen.

Doch die Türken sollen keinesfalls die nun veröffentlichten AKP-Mails lesen können. Nach der Veröffentlichung der “Erdoğan Emails” wurden in der Türkei schon kurz nach Mitternacht die Leitungen zur WikiLeaks-Homepage gekappt.

Die Nervosität der türkischen Regierungspartei ist etwas erstaunlich, weil das neueste E-Mails vom 6. Juli 2016 datiert - also neun Tage vor dem Putsch. Die ältesten E-Mails datieren zurück bis ins Jahr 2010. Viele Brisantes ist derzeit nicht in den Mails zu finden.

Die Whistleblower-Platform betont einmal mehr ihre Unabhängigkeit. WikiLeaks beti, dass "Zensur immer ein Zeichen von Angst" sind. Den Nutzern in der Türkei haben die Aufdecker empfohlen sich die notwendigen Browser (TorBrowser, uTorrent) zu verwenden, um die Daten abrufen zu können. Es sei davon auszugehen, dass die Türkei den Abruf der "Erdoğan Emails" zensieren und somit blocken will.

Für die kommenden Tage wurde die Veröffentlichung von weiteren E-Mails aus dem Hause AKP angekündigt, die WikieLeaks zugespielt wurden. "Wir haben den Cyberkrieg der vergangenen 24 Stunden gewonnen", meinten die Verfasser der WikiLeaks via Tiwtter, die sich mit ihren attackierenden Gegner auch ein verbales Katz & Maus-Spiel via Twitter lieferten.

Die Unterlagen, die veröffentlicht werden, würden laut WikiLeaks der AKP einerseits schaden, andererseits aber auch nützen.


=> Hier geht' zu den WikiLeaks "Erdoğan Emails"


Seit der Niederschlagung des Putsches am Sonntag sind bereits 50.000 Beamten, Lehrer, zuletzt auch Professoren und hochrangige Generäle, Offiziere und einfache Soldaten suspendiert oder verhaftet worden.

Laut Staatspräsident Erdoğan sollen Anhänger der Bewegung seines einstigen Weggefährten und Predigers Fethullah Gülen nahe stehen. Dieser wird von Erdoğan höchst persönlich beschuldigt, den Putsch initiiert zu haben. Der einst streng fundamentalische Gülen, der ein Geflecht von privaten Schulen und Bildungsinstitutionen besitzt, bestreitet die Vorwürde. Am Montag hat er sich bereit erklärt vor eine internationalen Gremium auszusagen. Die Türkei hat am Montag angekündigt, den USA die Unterlagen ausgefolgt zu haben, die eine Auslieferung in die Türkei rechtfertigen. Gülen hat angekündigt a

WikiLeaks will eigenen Angaben zufolge mit der Veröffentlichung der E-Mails von AKP-Mitgliedern die Geschehnisse um den Putsch nachzeichnen

Der Ausnahmezustand

Staatspräsident Erdoğan hat am Dienstag wichtige Ankündigungen für den Mittwoch angedeutet. Es deutet unter anderem daraufhin, dass er den Ausnahmezustand über das Land verhängt, um noch mehr als bisher herrschen zu können. Außerdem will er neue Generäle für das Militär präsentieren, das künftig ihm direkt unterstellt werden soll.

Am Mittwoch morgen wurde als nächste Maßnahme der "Säuberungsaktionen" eine Reisesperre für Mitarbeiter von Universitäten verhängt. So sind Auslandsreisen "bis auf Weiteres" verboten. Uni-Mitarbeiter, die sich bereits zu Dienst-oder Forschungsaufenthalten im Ausland aufhielten, sollten überprüft werden und "so schnell wie möglich" in die Heimat zurückkehren, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu.

Am Dienstag wurden 21.000 Lehrern die Lehrerlaubnis entzogen, rund 1600 Hochschuldekane zum Rücktritt aufgefordert und 15.2000 Beschäftigte im im Bildungsministerium suspendiert.

Kommentar
Christoph Kotanko, Korrespondent der Oberösterreichischen Nachrichten (OÖN) in Wien

Standpunkte

Koalition mit der FPÖ: Gelegenheit und Gefahr zugleich

Politik

Christian Konrad: "Das wird nicht meine Wunschregierung"

Politik

Pensionsdebatte: Ruf nach längerer Lebensarbeitszeit