Wie Donald Trump die Medien um den Finger wickelt

Wie Donald Trump die Medien um den Finger wickelt
Wie Donald Trump die Medien um den Finger wickelt

Kein Sender, kein Journalist und kein Medium kommt an Donald Trump vorbei.

Die einen beleidigt er, die anderen umgarnt er: Wie kein anderer Präsidentschaftskandidat weiß Donald Trump, wie man die Medien und Journalisten bei Laune hält. Es scheint, als wäre der Kandidat der Republikaner auf allen Kanälen dauerpräsent. Unterhaltung steht dabei im Vordergrund.

Der Tag war erst wenige Stunden alt, die Lage nach den Terroranschlägen in Brüssel noch unübersichtlich, da hatte sich Donald Trump das Thema schon zunutze gemacht. In der "Morningshow" des Senders NBC erzählte er live am Telefon, was für ein gefährlicher Ort Brüssel sei, dass die Polizei dort keine Kontrolle habe, dass man Terroristen foltern müsse.

Bei Fox News redete er darüber, wie schrecklich die Bilder aus Brüssel seien, dass es noch schlimmer werde, dass die USA aufpassen müssten, wen sie ins Land ließen. Zwischen all den Interviews fütterte der republikanische Präsidentschaftsbewerber noch fleißig seinen Twitter-Account mit denselben Botschaften.

So geht das nun schon seit einem dreiviertel Jahr. Amerika wacht auf, und Trump ist schon auf allen Kanälen zu sehen. "Er ruft so gut wie jede Morgenshow an. Er macht das fast jeden Tag, so bestimmt er die Agenda", sagt Spencer Kimball, der am Emerson College in Boston Kommunikationswissenschaften lehrt. "Er zieht den ganzen Sauerstoff aus dem Luftballon. Er dreht die Debatte zu seinen Gunsten."

Trump auf allen Kanälen

Es ist ein Spiel um Aufmerksamkeit. Der 69-Jährige gewinnt es eigentlich immer. Er beleidigt, er hetzt. Kein Sender kommt daran vorbei. Seine Aussagen lassen sich mühelos herunterbrechen auf wenige Zeilen. Sie passen perfekt hinein in die Häppchen-Nachrichten der 140-Zeilen-Botschaften. Je mehr Trump schockiert, umso mehr Aufmerksamkeit bekommt er. Der konservative "Washington Examiner" beschreibt es als Stockholmsyndrom des politischen Journalismus. Also eine Situation, die jenem Phänomen gleiche, bei dem die Opfer von Entführungen ein positives Verhältnis zu den Tätern aufbauen.

Die Kommentatoren sind fassungslos. Und fasziniert. "Die Medien sind von Trump angezogen", sagt Kimball. "Ich habe noch nie einen Kandidaten gesehen, der sie so benutzt hat."

Die Firma mediaQuant hat auf Basis von Anzeigenpreisen den Gegenwert dieser Aufmerksamkeit errechnet. Trump kommt demnach auf fast zwei Milliarden US-Dollar (fast 1,79 Mrd. Euro). An zweiter Stelle liegt die Demokratin Hillary Clinton mit gerade einmal 746 Millionen.

Unterhaltung im Vordergrund, nicht politische Inhalte

Aber warum das Ganze? "Der Wahlkampf in den USA dauert und dauert und dauert. Er erstreckt sich über zwei Jahre. Unterhaltung spielt eine große Rolle", sagt Joel Simon, Direktor von CPJ, einer Organisation, die sich für den Schutz der Pressefreiheit einsetzt. "Man kann sich zwei Jahre lang nicht nur auf Themen konzentrieren. Also dreht sich ein Großteil der Berichterstattung um komische Dinge, darum, wer der verrückteste Bewerber ist." Trump habe diese Dynamik verstanden und sich zunutze gemacht.

"Er ist so gut in diesem Spiel, weil er eine Marke verkörpert und schon seit langer Zeit sein eigenes Medienunternehmen ist", sagt Simon. Trump ist ein Kind des Reality-Fernsehens. In der Show "The Apprentice" ("Der Lehrling") ließ er einst Kandidaten um einen Job buhlen. Seine Leistung bestand darin, sie zu feuern.

Es ist nicht so, dass es keine kritische Berichterstattung über Trump geben würde. Im Gegenteil. Es vergeht keine TV-Debatte, in der seine kruden Thesen nicht in Echtzeit einem Faktencheck unterzogen werden. Es gibt etliche Artikel, die detailreich erklären, warum sich sein Traum von einer Mauer an der Grenze zu Mexiko kaum realisieren lässt.

Und zahlreiche Kommentare zeichnen in düsteren Visionen das Bild einer amerikanischen Gesellschaft, in der Donald Trump tatsächlich Präsident ist. An seinen Beliebtheitswerten ändert das nichts. Scheinbar unaufhaltsam marschiert er in Richtung Kandidatur.

Sender tanzen nach Trumpfs Pfeife

Es kratzt auch nicht an seinem Image, dass er Journalisten mit Verachtung begegnet. Bei seinen Veranstaltungen müssen Reporter in einem abgesperrten Bereich stehen. Als ein Fotograf des "Time Magazine" diesen verließ, wurde er von einem Agenten des Secret Service auf den Boden geworfen.

Megyn Kelly sieht sich seit einem halben Jahr seinen Angriffen ausgesetzt. Die Moderatorin des konservativen Senders Fox News hatte Trump mit unbequemen Fragen konfrontiert. Der bezeichnete sie später als Leichtgewicht, sagte die Teilnahme an einer TV-Debatte ab, angeblich wegen ihr.

Dann wieder umgarnt er Journalisten, lobt einzelne Autoren auf Pressekonferenzen für ihre Artikel. Trump sei für die Medien so verfügbar wie keiner der anderen Bewerber, sagt Spencer Kimball. Es seien nicht die Sender, die bei Trump anriefen. Trump rufe bei den Sendern an. So wie am Dienstag nach den Anschlägen in Brüssel.

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