"Wer Lücken in seinen Beitragszeiten hat, bekommt weniger Pension"

"Wer Lücken in seinen Beitragszeiten hat, bekommt weniger Pension"

FORMAT: Reicht das Pensionskonto als Reform des Pensionssystems?

Winfried Pinggera: Das Pensionskonto ist keine Reform, nur ein neuer Berechnungsmodus für unveränderte Ansprüche. Alle Reformen sind in den letzten Jahren über die Bühne gegangen. Wir haben aber nach den vielen Änderungen die Auskunftsfähigkeit verloren. Wir konnten erst kurz vor Pensionsantritt sagen, wie viel Rente jemand bekommen wird. Mit dem Pensionskonto können wir das ab 2014 wieder früher berechnen.

Aber es wird viele Verlierer bringen.

Pinggera: Eigentlich nicht. Wer im Vergleich zum System aus den 1990er-Jahren verliert, tut das aufgrund der Reformen bis 2010. Durch das Pensionskonto fallen die Verluste in einigen Fällen sogar geringer aus, weil etwa die Deckelung nicht mehr bis zum Höchstmaß schlagend wird.

Teilzeitbeschäftigte verlieren, oder?

Pinggera: Gegenüber dem alten Pensionssystem möglicherweise, ja. Mit den Reformen wurde schrittweise auf das Lebenseinkommen als Berechnungsgrundlage umgestellt, nun schreibt das Pensionskonto das fest. Wer Lücken in seinen Beitragszeiten hat, bekommt weniger Pension, weil es eben keine Durchrechnungszeiträume mehr gibt. Mit dem Pensionskonto wird das sichtbar. Das ist sogar ein Vorteil, weil es Klarheit bringt.

Laut OECD werden alle Reformen nicht reichen, um das Pensionssystem langfristig finanzierbar zu machen.

Pinggera: Die Spitze der Probleme wird zwischen 2025 und 2030 kommen, bis dahin haben wir noch Reserven. Wir brauchen derzeit wirklich keine Diskussion über ein höheres gesetzliches Pensionsantrittsalter. Auch die OECD sagt ja nur, für eine Sanierung müssen wir das faktische Antrittsalter in den Griff bekommen.

In Schweden diskutiert man offen ein Antrittsalter von 70 für alle.

Pinggera: Damit würde man bei uns die Menschen nur verschrecken.

Könnte das schwedische Pensionsmodell ein Vorbild für Österreich sein?

Pinggera: Manches daran scheint sympathisch, aber es lässt auch viele Fragen offen, von denen ich nicht weiß, wie wir sie in Österreich beantworten sollten.

Wann gehen wir künftig in Pension?

Pinggera: Ein faktisches Pensionsantrittsalter von 62 oder 63 muss das Ziel sein.

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