Weg von Putin - aber wohin? [trend UMFRAGE]

Die große trend-Umfrage: wie Österreichs Politik und Wirtschaft jetzt am besten mit Russland umgehen sollten und wie groß die eigene "Opferbereitschaft" bei den Strafmaßnahmen ist.

Wladimir Putin bei der Schlusszeremonie der Paralympics 2014 in Sotschi

Wladimir Putin, wie er sich selbst gernbe sieht - bei der Schlusszeremonie der Paralympics 2014 in Sotschi

Wer dreht den Gashahn zuerst zu: Russland oder die europäischen Abnehmerländer per Boykott? Die Kriegsrhetorik klang zuletzt danach, als würde im mit Sanktionen ausgetragenen Wirtschaftskrieg zwischen dem Westen und dem Ukraine-Aggressor demnächst die ultimative Energiewafffe gezückt. Fände ein Boykott seitens der EU inklusive Österreich aber Zustimmung in der Bevölkerung, da Ersatz-Energiequellen mit Sicherheit teurer wären als das russische Gas?

In einer aktuellen Umfrage des market-Instituts für den trend sagen 29 Prozent, sie würden bewusst Nachteile in Kauf nehmen, um den Sanktionsdruck auf Russland aufrechterhalten oder ihn sogar verschärfen zu können. Weitere 39 Prozent antworten mit "eher doch", 32 Prozent mit "eher nein" oder "auf keinen Fall". Das sei "eine Pattsituation", interpretiert market-Expertin Birgit Starmayr die Zahlen und merkt an, dass höher Gebildete und besser Verdienende eher bereit sind, persönliche Nachteile in Kauf zu nehmen.

Generell sei die Unsicherheit bei dem Thema angesichts der dramatischen Entwicklungen hoch, die Werte würden sich wohl von Tag zu Tag verändern, sagt Starmayr über die Stimmungslage: "Die Antworten sind Momentaufnahmen." Der Anteil der Österreicher, die dezidiert eine Verringerung der Abhängigkeit von russischem Gas befürworten, ist etwa binnen zwei Wochen von 56 auf 70 Prozent gestiegen.

trend Umfrage: Wie Österreich jetzt mit Putin und Russland umgehen soll

trend Umfrage: Wie Österreich jetzt mit Putin und Russland umgehen soll

Doch es sei "unklar, wie stark einen die Sanktionen bzw. die Gegensanktionen persönlich betreffen würden", benennt Starmayr die Grundstimmung. Kaum jemand könne beurteilen, ob man sich mit den Strafmaßnahmen mehr ins eigene Fleisch schneide oder ob man doch wie gewünscht den Gegner träfe. Eine besonders ausgeprägte wirtschaftliche "Opferbereitschaft", um Wladimir Putin in die Knie zu zwingen, ist aus den Daten jedenfalls nicht herauszulesen.

Auch aus dem Katalog jener vorgeschlagenen Maßnahmen, die Österreichs Politik und Wirtschaft mit Russland in der jetzigen Situation anwenden sollen, erfahren jene die höchste Zustimmung, die persönlich nicht allzu weh tun. 70 Prozent der Befragten befürworten das Einfrieren von Vermögen reicher Russen in Österreich, ebenso viele halten Reisebeschränkungen für russische Politiker und Wirtschaftsmagnaten für eine gute Idee. Den Export von Produkten und Know-how in Schlüsseltechnologien, etwa bei künstlicher Intelligenz oder Halbleitern, um die Weiterentwicklung der russischen Wirtschaft zu schwächen, beurteilen immerhin 66 Prozent als geeignete Maßnahme.

Umgekehrt wird der in den letzten Jahrzehnten gepflegte Weg, auf starke wirtschaftliche Beziehungen mit dem Putin-Reich zu setzen und so auch in Zeiten des Krieges Gesprächskanäle aufrechtzuerhalten, nur noch von 36 Prozent als sinnvoll erachtet. Die früheren "Putin-Versteher" kämpfen längst ein Rückzugsgefecht.

Diese repräsentative trend-Umfrage wurde vom market-Institut durchgeführt. n =1.000 Befragte. market.at


Der Artikel ist der trend. PREMIUM Ausgabe vom 11. März 2022 entnommen.

Mr. 100%: Karl Nehammer nach seiner Wahl zum ÖVP-Parteiobmann am 14. Mai 2022.

Nehammers Wahl-Coup-Geheimnis [Politik Backstage]

Die Rezeptur für seine hundertprozentige Wahl zum Parteichef sorgt auch …

Bundeskanzler Karl Nehammer: Sein Vorgänger Sebastian Kurz war in der Partei "der Chef". Nehammer ist "der Karl".

Im Kurz-Schatten [Politik Backstage]

Kurz-Intima Elisabeth Köstinger drohte, Karl Nehammer mit ihrem …

Arbeitsminister Martin Kocher ist nun auch Wirtschaftsminister

Regierungsumbau: Kocher nun Wirtschafts- und Arbeitsminister

Bundeskanzler Karl Nehammer baut die Bundesregierung um. Martin Kocher …

Christian Pilnacek und Junstizministerin Alma Zadi

Lex Pilnacek, bitte warten [Politik Backstage]

Alma Zadic muss das angeschlagene Vertrauen in die Justiz dringend …