Was spricht für höhere Inflation und was dagegen?

Was spricht für höhere Inflation und was dagegen?

Was spricht für höhere Inflation?

Erfahrung aus der Geschichte: Um Griechenland, andere Länder und den Euro zu retten, schöpft die EZB aus dem Vollen, kauft Anleihen von Krisenstaaten und pumpt viel Geld ins Finanzsystem. Dadurch wird der Reformdruck verringert. Große Geldmengen und hohe Staatsverschuldungen hatten bislang fast immer einen Preis, nämlich hohe Inflationsraten.

Einfacher Weg für Politiker zum Schuldenabbau: Sparpläne - vor allem radikale - will kein Politiker gerne präsentieren. Bequemer ist eine Entschuldung über den Weg einer etwas höheren Inflation.

Ungleiche Preise in der Eurozone: Der Euro offenbart die Ungleichgewichte in der Eurozone schonungslos: Der Norden ist zu billig, der Süden zu teuer. Eine Anpassung ist auf zwei Wegen möglich: wenn Preise (und Löhne) im Süden gesenkt oder im Norden eine höhere Inflation akzeptiert wird.

Die Südländer haben in der EZB das Sagen: Vor allem für die hochverschuldeten Länder in Südeuropa wären höhere Leitzinsen untragbar. Sie würden die schwächelnde Wirtschaft gänzlich abwürgen. Mit dem Italiener Mario Draghi als Chef der EZB stieg ihr Einfluss.

Was spricht gegen höhere Inflation?

Die Gegenwart ist anders: Durch die globale elektronische Vernetzung sei Geld heute nicht mehr definierbar, argumentiert der Ökonom Stephan Schulmeister. Denn etwa auch Aktien könnten via Netbanking in Sekunden zu Geld gemacht werden. Auch für den Ökonomen Erich Streissler besteht keine Inflationsgefahr, weil es die volle internationale Kapitalmobilität gibt.

Die Wirtschaft hat noch Kapazitäten: Inflation entsteht, wenn mehr Geld für ein weniger stark wachsendes Angebot zur Verfügung steht. Derzeit läuft die Wirtschaft aber nicht, es gibt Überkapazitäten.

Eher droht eine Deflation: Angesichts der schwachen Wirtschaftsaussichten ist es unwahrscheinlich, dass die Preise stark anziehen. Daher erwarten manche Experten eher Stagnation oder gar eine Deflation, also das Gegenteil einer Inflation.

Es zirkuliert wenig Geld: Ein Element der derzeitigen Krise sei, dass zu wenig Geld zirkuliert, meint Schulmeister. Daher sei es gut, wenn die Notenbanken zusätzliche Mittel ins System einschleusen.

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