Der Wall Street graust es vor einem Präsidenten namens Trump

Der Wall Street graust es vor einem Präsidenten namens Trump

Donald Trump als Risikofaktor für die Wall Street.

Der Finanzbranche sieht Immobilien-Tycoon als Unsicherheitsfaktor. Die Republikaner sind ratlos. Ex-Präsidentschaftskandidat Mitt Romney befürchtet sogar eine "lange Rezession".

Washington. Auf den ersten Blick verkörpert Donald Trump all das, was an der Wall Street zählt - er ist ein Milliardär, mit dessen Immobilienimperium die Banken glänzende Geschäfte machen und in dessen luxuriösen Hochhäusern die Reichen und Schönen zu Hause sind.

Doch seit Trump in den Vorwahlen der Republikaner von Erfolg zu Erfolg eilt, blickt das Herz des US-Kapitalismus mit Schaudern auf die Präsidentschaftswahl im November. "Er verängstigt die Märkte. Er ist ein großer Unsicherheitsfaktor", sagt Greg Valliere, Chef-Stratege von Horizon Investments. "Und die Märkte mögen keine Unsicherheit."

Die Liste der Ängste, die ein möglicher Präsident Trump an der Wall Street auslöst, ist lang. Er könnte einen Handelskrieg mit China beginnen, die Steuern der Reichen erhöhen, sich mit der Zentralbank Federal Reserve über die Geldpolitik zerstreiten und die Zusammenarbeit von Weißem Haus und Kongress endgültig zum Erliegen bringen.

Die Äußerungen, die Trump seit seinem Einstieg in den Wahlkampf vergangenes Jahr zu grundlegenden wirtschaftlichen und unternehmerischen Fragen aus dem Ärmel schüttelt, beunruhigen die Branche. Einerseits zetert der Immobilien-Tycoon über die hohen Gehälter von Firmenchefs, die Gier der Banken und Steuervorteile für die Vermögensverwalter der Wall Street.

Er droht dem Heer unregistrierter Migranten, die die US-Industrie mit billiger Arbeitskraft versorgen, und wirft China und Japan vor, ihre Währungen für Handelsvorteile zu manipulieren. Auch zu zwei Handelsabkommen, die Washington mit Ländern jenseits des Atlantiks und Pazifiks anstrebt, hat Trump seine Gegnerschaft erklärt. Flaggschiffen der US-Wirtschaft wie Apple und Ford wirft er vor, im Ausland fertigen zu lassen.

Auf der anderen Seite jedoch umwirbt der polternde Geschäftsmann Firmenchefs mit Versprechen zur Steuerminderung für Unternehmen. Superreiche, die ihm gewogen sind, wie etwa der milliardenschwere Investor Carl Icahn, lobt Trump über den grünen Klee.

"Er passt in kein wirtschaftliches Raster", sagt Mark Perry vom konservativen Thinktank American Enterprise Institute über Trump. "Er steht auf einem bunt gemischten Fundament populistischer und isolationistischer Positionen." Damit mache er sich vor allem für wenig gebildete Wähler sehr attraktiv, urteilt Perry.

Beispielhaft für Trumps "Scheinheiligkeit" sei dessen Bekleidungsmarke Donald J. Trump Collection, fügt er hinzu. Die werde nämlich in China hergestellt - dem Land, das Trump für seine billigen Arbeitskräfte geißelt.

Rezessions-Ängste

Der Ex-Präsidentschaftskandidat und frühere Investor Mitt Romney warnte bereits deutlich, unter Trump drohe den USA eine "lange Rezession". Andere einflussreiche Akteure an der Wall Street scheuen sich dagegen aus Furcht vor möglicher Heimzahlung, klar gegen Trump Stellung zu beziehen. "Er ist verrückt, seine Ideen sind verrückt", sagt ein Banker.

Trotz aller Furcht hat die traditionell republikanerfreundliche Wall Street in der Partei keine echte Alternative. Trumps Konkurrenten Ted Cruz und Marco Rubio scheinen weiter zu schwach, ihm den Spitzenplatz noch zu nehmen. Viele bereiten sich daher schon vor, die eigentlich wenig geliebte Demokratin Hillary Clinton zu unterstützen. Denn diese sei "das geringere Übel", sagt Investor Valliere. "Die Märkte werden sich mit ihr arrangieren."

SPÖ Granden Alfred Gusenbauer (li) und Christian Kern und Berater Tal Silberstein

Politik

Tal Silberstein - Jagd auf das rote Phantom

Kommentar

Standpunkte

Die Mittelmeerroute taugt nicht als Wahlkampfthema

Kommentar
Christoph Kotanko, Korrespondent der Oberösterreichischen Nachrichten in Wien

Standpunkte

Christoph Kotanko: Der Kanzler in der No-fly-Zone