Wahnsinn Bürokratie

Ständig neue Vorschriften und praxisferne Bestimmungen bringen immer mehr Unternehmer und Manager zur Weißglut. Der Politik ist das Problem bewusst - doch die Lösung ist mit Zoff auf allen Ebenen verbunden. Klar ist: Nur wenn die Regierung den Bürokratieabbau schafft, kann sie auch für Aufbruchsstimmung sorgen.

Wahnsinn Bürokratie

Der Beamte kam, sah - und zupfte. Basilikum sei kein heimisches Kraut, belehrte der Naturschutzbeauftragte des Landes Salzburg den verdutzten Restaurantbetreiber, folglich hätte es nichts in einem heimischen Kräutergarten zu suchen. Also begann der Landesbedienstete, die angebauten Pflanzen im Kräutergarten des Haubenrestaurants M32 am Mönchsberg wieder auszureißen. Wohlgemerkt - ohne den Besitzer im Vorhinein davon zu informieren.

M32-Chef Sepp Schellhorn sah den gartelnden Behördenvertreter eher zufällig durch ein Fenster im Beet draußen werken. "Heute ist der Teil des Beets verwildert, und die Hunde scheißen rein", zuckt Schellhorn, der auch Nationalratsabgeordneter der Neos ist, mit den Achseln.

Solche Geschichten aus seinem Leben als Hotelier und Gastronom kann er viele erzählen (siehe auch Interview Seite 26): von Bodenstrahlern, die erst genehmigt wurden und dann wieder entfernt werden mussten, weil sie zu vielen Mücken das Leben kosten, und von beleuchteten Säulen eines Mobilfunkanbieters auf der M32-Terrasse, die das Landschaftsbild stören. Es sind nur die absurden Spitzen eines Wusts von Regeln, der für viele Wirtschaftstreibende längst unverständlich geworden ist.

"Wir kommen vor lauter Bürokratie nicht mehr zum Geschäftemachen" - das ist ein Satz, der in letzter Zeit immer öfter fällt. Exzessive Stundenaufzeichnungspflichten, langwierige Betriebsgenehmigungen, sinnlose Gewerbeordnungsbestimmungen - jede einzelne Regel mag erklärbar sein, doch in Summe hat sich darob in der heimischen Wirtschaft ein Riesenfrust aufgebaut. Die anonymen Foren der Interessenvertretungen sind ebenso voller "Wutunternehmer" wie die einschlägigen Branchenstammtische - und es sind längst nicht mehr nur die Wirte, die über Allergenkennzeichnungspflichten und Registrierkassenzwang jammern.

Doch ist das anschwellende Klagelied nur Begleitmusik einer allgemein mittelprächtigen wirtschaftlichen Lage, oder hat sich die bürokratische Suppe in den letzten Jahren tatsächlich noch einmal verdickt?

Schikanöses Vis-à-vis

Die Input- Output-Relation, das zeigen neuere Zahlen, ist dürftig. Laut der europäischen Statistikbehörde Eurostat sind die Pro- Kopf-Ausgaben für die heimische Verwaltung im EU-Vergleich außerordentlich hoch . Das wäre noch kein Problem, wenn die dafür gebotene Leistung auch außerordentlich effizient wäre. Doch das ist sie laut den gängigen Parametern nicht.

In der soeben erschienen neuen Ausgabe des Schweizer IMD-Reports zur Wettbewerbsfähigkeit liegt Österreich mit Rang 35 in der Disziplin "effiziente Verwaltung", zu der auch das Regelwerk für Unternehmen zählt, weit hinter den anderen "teuren" Ländern im Eurostat-Ranking. Schweden belegt bei IMD Rang elf, Finnland immerhin Rang 21.

Lesen Sie die ganze Geschichte im trend. Nr 22/2016 vom 3. Juni 2016


=> Die zehn absurdesten Schikanen
=> "Durchfahren und Abholzen" - Interview mit Sepp Schellhorn
=> "Es ist fünf nach zwölf" - Interview mit Monika Kircher, Ex-CEO Infineon Austria

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