Wahlfinale – So kämpft Kärnten

Glühwein oder Gulasch? Der Kärntner Wahlkampf bietet echte Genüsse. So wuchten bei Veranstaltungen des FPK-Landeshauptmanns Gerhard Dörfler Kellnerinnen schwere Tabletts mit dampfenden Tellern in die Wirtsstuben. Dazu fließt kostenloser Gerstensaft in Strömen, untermalt mit launigen Sprüchen Dörflers: "Was ist das zweitbeste Bier der Welt? Villacher Bier! Und das beste? Freibier!"

Wahlfinale – So kämpft Kärnten

Tosender Applaus im Gasthaus Gössnitzer im Granitztal. Blasmusik, Tombola und ein paar Polit-Watschen für die Konkurrenz - für die 150 FPK-Anhänger im Schankraum ist der Sonntagnachmittag gelungen. "Und nicht vergessen: Am 3. März geht’s um unser Kärnten“, gibt Dörfler die Marschroute vor.

Fast wortgleich tönt es von der Wahlkampfmaschinerie Frank Stronachs, der in Kärnten und Niederösterreich seine erste Polit-Nagelprobe bestehen muss. Der Milliardär bietet bottichweise Glühwein am kalten Völkermarkter Hauptplatz an. Das "Team Stronach“-Häferl gibt’s gratis dazu. Während die blonden Wahlhelferinnen niesend ihre Stände aufbauen, wärmt sich Stronach noch im Gasthaus zum Goldenen Ochsen mit seinen lokalen Mitstreitern.

Der Wahlkampf findet auch und gerade in den Dorfwirtshäusern statt. Draußen ist Kärnten ohnehin zuplakatiert. Allerdings nur mit den Köpfen von Dörfler, Stronach und seinem Kärntner Spitzenkandidaten Gerhard Köfer und einem orange-gebräunten BZÖ-Chef Josef Bucher. Die Konterfeis der Spitzenkandidaten von SPÖ, ÖVP und den Grünen für die Landtagswahl sind nicht präsent. Der Grund: Sie halten sich brav an das einstimmig von allen (!) Parteien beschlossene Plakatwerbeverbot.

Dass das wahre Duell um die Führung in Kärnten Gerhard Dörfler (FPK) gegen Peter Kaiser (SPÖ) heißt, offenbart sich erst mit einem Blick in Kärntner Lokalmedien. Kein Wunder, dass sich unter roten, schwarzen und grünen Funktionären Unruhe verbreitet. Sie wollen das südlichste Bundesland nicht erneut den selbst ernannten Erben Jörg Haiders oder Stronachs obskurer Werte-Truppe überlassen.

Brot & Spiele

Zurück ins Gasthaus Gössnitzer. Die Blauen haben rund 150 Leute versammelt - gekommen sind vor allem (Früh-)Pensionisten und Stammtisch-Brüder. Den Eingang zieren Wandteppiche mit Motiven zum Kärntner Abwehrkampf und Sprüchen wie "Oh Heimat für Dich in treuer Pflichterfüllung“. Pflichtübung ist auch der Auftritt von Dörfler selbst. Die Grünen brandmarkt er als arbeitsscheu, kritische Künstler wie Peter Turrini werden als Nestbeschmutzer verunglimpft und Kirchen besetzende Asylwerber hätten in "seinem“ Kärnten keine Chance.

Gegen Ende von Dörflers Auftritt kommt das Unvermeidliche: "Ich bin einer von euch.“ Unterstützt wird das durch eine breite Verteilung von kostenlosen Liftkarten, 6er-Tägern Bier und 100-Euro-Sparguthaben. An der Schank buhlen schon gut aufgelegte Anhänger um die Gunst, mit Dörfler eine Runde Schnapsen zu spielen. Er gewährt gerne. Erstaunlich: Vom einstigen Landesvater Jörg Haider wird wenig gesprochen - Dörfler ist bemüht, dessen langen Schatten hinter sich zu lassen.

Eine ähnliche Klientel sammelt sich zwei Tage später am Hauptplatz von Völkermarkt, als Frank Stronach mit Gerhard Köfer die Bühne betritt. Im Hintergrund dudelt eine Coverversion von "Steirermen san very good“ und der Milliardär versichert großzügig, auch "einer von euch“ zu sein. Eifrig werden "die Werte“ sowie Transparenz und Fairness gepredigt, während der tiefgebräunte Köfer im Publikum Kugelschreiber verteilt. Fürs Handauflegen hat der Energetiker heute keine Energie. Höhepunkt ist die Signierstunde von Stronachs Biografie. Tapfer stehen trotz Kälte auf der anderen Straßenseite SP-Aktivisten mit Transparenten "Du Schloss - I nix“.

Kultivierter geht es beim derzeitigen Favoriten, dem SPÖ-Spitzenkandidaten Peter Kaiser, zu. Betriebsbesuche, Händeschütteln im Pensionistenheim und Diskussionen mit Schülern zählen zu Fixpunkten des SP-Wahlkampfs. Die Sozialdemokraten setzen auf Wendestimmung im Land und auf ihren Sauberkeitstrumpf: mit Hypo-Skandal, Parteispenden, verkauften Staatsbürgerschaften und Geldverschwendung nichts am Hut gehabt zu haben. Bitter: Kaisers Vorvorgänger Peter Ambrozy kämpft als Kärntner Rotkreuz-Chef mit einem Veruntreuungsskandal.

Der Rest des politischen Spektrums geht es aus Mangel an Geld oder Überzeugung ruhiger an. Das BZÖ hat alles Geld mit Plakaten verschossen, sodass Frontrunner Josef Bucher höchstens ein paar Blumen in Fußgängerzonen verteilen kann. Die ÖVP will mit ihren zwei Spitzenkandidaten Gabriel Obernosterer und Wolfgang Waldner ihre Kernklientel festigen und mahnt zu Sparsamkeit. Die Grünen wähnen sich zwar im Umfragehoch und touren mit einem Wahlkampfbus, doch auf dem Land werden sie immer noch skeptisch beäugt.

Umfrage-Kaiser

Die jüngste market-Umfrage verspricht Spannung. So liegen Rot und Grün gemeinsam bei 49 Prozent. Die FPK rund 20 Prozent unter dem letzten Ergebnis. Das Proporzsystem Kärntens würde den Blauen dennoch zwei Landesräte bringen und damit eine Wenderegierung hemmen. ÖVP und Team Stronach könnten als Mehrheitsbeschaffer wichtig werden, das BZÖ kämpft ums Überleben.

Fakt ist, dass sich durch Kärntens Bevölkerung eine Kluft zieht. Die ländliche Bevölkerung verbindet mit der Landeshauptmann-Partei Baugeld, Familiengeld und sonstige Wahlzuckerln. Die weniger lautstarke Fraktion will den angeknacksten Ruf Kärntens wiederherstellen und die Haider-Jahre vergessen machen. Dieses Lager ist allerdings gespalten - vielleicht schnapst Dörfler deshalb so risikofreudig.

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