Wahl in Niederösterreich und Kärnten: Der große Kandidaten-Check

Wahl in Niederösterreich und Kärnten: Der große Kandidaten-Check

Am Sonntag wählen insgesamt 1,8 Millionen Niederösterreicher und Kärntner. FORMAT hat den letzten Kandidaten-Check vor dem Urnengang, lotet mögliche Überraschungen aus und bewertet die Auswirkungen auf die Nationalratswahl.

Zwischen EU-Budget und Staatsempfang musste Kanzler Werner Faymann in der Vorwoche noch Platz für zwei Pflichttermine einräumen. Der eine führte ihn zum Niederösterreich-Fest nach Wieselburg, der andere in die Kärntner SPÖ-Zentrale nach Klagenfurt. Aus gutem Grund. Im größten Bundesland bricht der SPÖ ihr Spitzenkandidat Sepp Leitner in Umfragen weg. In Kärnten gilt es, erstmals nach 20 Jahren den Landeshauptmannsessel zurückzuerobern. Für die ÖVP verhält es sich genau umgekehrt, allerdings auf anderem Niveau. Niederösterreichs VP-Landeshauptmann Erwin Pröll streckt sich zur Decke. Die Kärntner VP-Doppelspitze Gabriel Obernosterer und Wolfgang Waldner kann nach dem Martinz-Skandal lediglich die Erdrutschverluste eindämmen.

Nach den Bundesländerwahlen am 3. März ist vor der Wahl am 29. September. Die Ergebnisse werden sich auch auf die Bundesparteien auswirken. Die SPÖ hat viel zu gewinnen respektive zu verlieren. Für die ÖVP wird der Ausschlag jeweils geringer ausfallen.

Am meisten auf dem Spiel steht aber für FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache.

Großer Verlierer FPÖ?

Straches Karawanken-Bündnispartner Gerhard Dörfler (FPK) hat in den vergangenen Wochen verbissen den Boden für den Machterhalt aufbereitet und die Kärntner Wahlkampf-Klaviatur bestens bedient. Vom 400-Millionen-Wahlkampfzuckerl (der Auflösung des Fonds aus dem Hypo-Verkauf; Kärntens letzte Geldreserve) über die Lösung der Ortstafelfrage bis zum Nestbeschmutzer-Jargon reichte Dörflers Spektrum. Die Skandale der Haider-Ära wischte er salopp beiseite („Gehen mich nichts an“, „Habe nichts damit zu tun“), er wirkt authentisch. „Dörfler hat sich in die Rolle als Landeshauptmann bestens eingefunden“, meint Meinungsforscher Peter Hajek.

Nur, diesen Posten wird er aller Voraussicht nach räumen müssen. Denn SPÖ-Herausforderer Peter Kaiser liegt in allen Umfragen vorne. Und selbst wenn Dörfler unerwartet doch die Nase vorne behält, würde ihn keine Partei zum Landeshauptmann wählen. Wenn die FPÖ dann noch in Niederösterreich ihr Regierungsmandat loswerden sollte – die Hürde liegt bei etwa elf Prozent –, stehen die Blauen als große Verlierer da.

Wobei, in Kärnten kann man es nie so genau wissen. 2009 hatten alle Demoskopen bei der FPK (damals BZÖ) um bis zu zehn Prozent danebengegriffen. Hajek: „Wir sind davon ausgegangen, dass der Haider-Erfolg unter Dörfler nicht möglich sein würde. Womit wir nicht gerechnet hatten: dass der tote Haider gewählt wird.“ Zumindest dieses Überraschungsmomentum scheint erschöpft. Haiders Erbe setzte die FPK diesmal kaum im Wahlkampf ein. Aber das Wechselwählerpotenzial bleibt hoch. Hajek: „In Kärnten kann es immer Überraschungen geben.“

St. Pölten ist nicht Wien

Überschaubarer zeigt sich die Situation in Niederösterreich. Selbst wenn Erwin Pröll die Absolute verliert, bleibt er Landeshauptmann. Allerdings blüht ihm dann ein Szenario, gegen das er auf Bundesebene traditionell wettert: die große Koalition mit Sepp Leitners SPÖ. Zwar kann Pröll gut mit den Grünen, aber für Madeleine Petrovic ist ein Regierungsmandat unerreichbar. Ihr Kärntner Kollege Rolf Holub hat den Regierungssitz hingegen schon fast gesichert. Dort könnte es eine rotschwarz-grüne Koalition geben.

Die Auswirkungen des niederösterreichischen Wahlgangs auf die Regierungsparteien sind gering. Prölls Wahlkampfmaschine wird mit oder ohne Absoluter für VP-Chef Michael Spindelegger im Herbst heißlaufen. Und die St. Pöltner SP-Verluste werden für Faymann nur dann ein Problem, wenn das Gesetz der Serie greift und die SPÖ auch Salzburg verliert. Fest steht bis dato nur, dass man Faymann nach Ostern öfter im Salzburgerland antreffen wird.

Niederösterreichs Wahlkämpfer im Kandidaten-Check

Kärntens Wahlkämpfer im Kandidaten-Check

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