Wahl 2013: Die Chancen des Frank Stronach

Wahl 2013: Die Chancen des Frank Stronach

Rot blinkende Ansteck-Plastikherzen, Österreich Fähnchen und ein zu Schlagerklängen schunkelnde Kandidat: Der Wahlkampfauftakt des Team Stronach am vergangenen Freitag in der Wiener Hofburg war ganz im Sinne des Parteigründers.

Frank Stronach ließ sich inszenieren, wie er sich selbst gerne sieht. Staatstragend, aber das Herz am richtigen Fleck. Ein Milliardär mit Auftrag, der dem Land "etwas zurückgeben“ will. "Wird es wieder einen geben, der 25 Millionen in diesen Wahlkampf rein gibt? Österreich ist mir das wert“, rief er in den Festsaal. Der Jubel seiner rund 1.500 Fans war ihm sicher.

15 Prozent plus. So hoch ist das selbst gesteckte Wahlziel für den 29. September. Doch hält dieser Wunsch der Realität stand? Welches Potenzial hat Stronachs Team, in welchem Wählerteich kann es fischen und wo liegen die Schwächen der Partei? Ein Fakten-Check.

Das Potenzial

Was kann das Team Stronach bei dieser Wahl erreichen?

Zu Spitzenzeiten, etwa vor der niederösterreichischen Landtagswahl im März, erreichte das Team Stronach (TS) die höchsten Umfragewerte, die allerdings deutlich unter 15 Prozent lagen. Aktuell würden ihn sieben Prozent wählen. "Stronachs theoretisches Potenzial liegt bei 15 Prozent, aber es wird nicht ausgeschöpft“, meint Meinungsforscher Peter Hajek. Das liege zum einen an weiteren Neueinsteigern am Politik-Markt, zum anderen an strukturellen Problemen innerhalb des Teams.

Das beste Wahlergebnis fuhr Stronach bislang in Niederösterreich ein, wo er aus dem Stand 9,4 Prozent schaffte. Auch auf Bundesebene hält Hajek ein Wahlergebnis um die zehn Prozent für realistisch.

Mit welchen Themen will das Team Stronach punkten?

Franks Wahlprogramm umfasst zwei A4-Seiten mit neun bereits weitgehend bekannten Positionen: Sofortiger Stopp der Staatschulden, keine Berufspolitiker, eine Flat-Tax mit Steuervorteilen für Unternehmen, "die ins Land investieren“, ein "faires und transparentes“ Pensionssystem, eine Verwaltungsreform, Euro-Ausstieg, flexiblere Ladenöffnungszeiten und ein besseres Bildungssystem. Details bleibt Stronach schuldig. Ginge es nach Klubchef Robert Lugar, stünde im Programm überhaupt nur folgender Satz: "Wir wollen keine neuen Schulden, einen Systemwechsel und neue Mehrheiten.“ Das seien "keine Dinge, wo man schlaue Rezepte“ brauche, weil selbige seit langem am Tisch liegen würden.

Die Zielgruppe

Wer wird dasTeam Stronach am 29. September wählen?

Stronach will alle Wähler abschöpfen, die "den Systemwechsel“ wollen. Und hier gibt es Potenzial. Gut ein Viertel der Österreicher deklarieren sich laut Umfragen von Peter Hajek als Protestwähler. Und 51 Prozent der Befragten meinen, dass Stronach den Unmut der Protestwähler am besten ausdrückt.

Die Wählerstromanalysen der Landtagswahlen von Salzburg und Niederösterreich zeigen, dass Stronach vor allem bei jungen Männern bis 29 Jahren punktet. Den größten Zuspruch erhält er aus dem FPÖ-und Nichtwählerlager, den geringsten von Frauen. Keine spezifischen Präferenzen lassen sich bei Betrachtung der Altersstruktur der Wähler festmachen. "Im Bereich der Jungen wird Stronach von Männern mit Abwertungserfahrungen gewählt, Pensionisten wählen ihn wegen Themen wie Korruption und Systemwechsel“, sagt Meinungsforscher Günther Ogris vom SORA-Institut: "Bei Wählern mit höherem Einkommen konkuriert er beim Thema Steuersenkung mit der ÖVP, dem BZÖ und den Neos.“ Kurz: Stronachs Team ist eine Alternative für alle Unzufriedenen.

Das Personal

Die größte Schwachstelle im Team Stronach.

Die Marke Stronach besteht in erster Linie aus Stronach selbst. Die Story vom Werkzeugmacher, der auszog, um Milliardär zu werden und als Quereinsteiger in die Politik zurückkehrte, stärkt die Glaubwürdigkeit. Hinter Stronach kommt lange nichts. Die Listenzweite, Kathrin Nachbaur, ist ein unbeschriebenes Blatt. Die Nummer drei, Ex-ORF-Generalin Monika Lindner, hat sich bekanntlich schon wieder verabschiedet. Und Klubchef Robert Lugar haftet der BZÖ-Stallgeruch noch an. Bei der Auswahl des Personals scheint Stronach generell keine glückliche Hand zu haben: Die geplante Niederösterreich-Chefin, Karin Prokop, hat ihr Amt nicht angetreten und ist als Büroleiterin in Salzburg abgetaucht. Stronachs langjähriger Magna-Gefährte Sigfried Wolf wollte sich auch nicht einspannen lassen. Ex-VP-Landesrat Herbert Paierl fiel nach dessen Unterstützung Erwin Prölls im niederösterreichischen Wahlkampf in Ungnade.

Daneben gibt es Dauer-Konfliktzonen in den Ländern. Etwa in Tirol, wo es vor der Wahl einen brutalen Verdrängungskampf zwischen mehreren selbst ernannten Wunsch-Parteichefs gab. Oder aktuell in Salzburg, wo die Nummer drei der Landesliste, Yilmaz Toyran, entnervt das Handtuch warf - und dann doch wieder zurückruderte. Angeblich wollte er den Machtkampf zwischen TS-Landesrat Hans Mayr und Listen-Ersten Erich Tadler nicht mehr mittragen. "In jeder Partei gibt es Diskussionen über Funktionen und Programme“, beschwichtigt Klubchef Lugar. Meinungsforscher Hajek: "Es bleibt, der Eindruck, der starke Mann (Stronach, Anm.) hat die Organisation nicht im Griff.“

Die Perspektive

Wird Stronach zum Königsmacher einer neuen Regierung?

Ursprünglich war Stronachs Ziel die Absolute. Mittlerweile relativiert er, dass er mit jeder Partei koalieren werde, die seine "Werte“ erfüllt - als "Steigbügelhalter“ einer rot-schwarzen Koalition aber nicht zur Verfügung steht. Alle anderen koalitionären Farbspektren sind demnach unter zwei Bedingungen möglich: "Die FPÖ muss den Anti-Ausländerbereich verlassen, die Grünen ihre kommunistischen Ideen überdenken“, so Klubchef Lugar. Hinter dem linken Gedankengut der Grünen stehen für Lugar "Fundis“ wie Peter Öllinger und Peter Pilz.

Weder Grüne noch FPÖ haben bislang eine Zusammenarbeit mit Stronach dezidiert ausgeschlossen. Eine Koalition zwischen Stronach und Rot-Grün oder Schwarz-Blau ist rein rechnerisch möglich - und der Wahlkampf bleibt damit spannend.

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