Wäre Maria Fekter die bessere Wahl für die Führung der Konservativen?

Spekulationen werden lauter, Maria Fekter wäre die bessere Wahl für den Chefjob in der Volkspartei. Eine FORMAT-Umfrage bestätigt das nicht.

Maria Fekter war hervorragend gelaunt, sommerlich gekleidet und gut drauf. Draußen herrschte brütende Hitze, doch sie kam kein bisschen ins Schwitzen und stand dem Redakteur geduldig Rede und Antwort – kompetent bei den Inhalten, eloquent in der Wortwahl. Keine Spur von Strenge im Ton oder unangebrachter Härte.

Allerdings: Das Interview fand Anfang der 1990er-Jahre statt, die Oberösterreicherin war kurz zuvor aus dem Gemeinderat von Attnang-Puchheim als Staatssekretärin ins Wirtschaftsministerium gewechselt.

Die Maria Fekter von damals galt in der Volkspartei als Zukunftshoffnung, verschwand jedoch nach nicht einmal vier Jahren Dienst im Staatssekretariat in die zweite politische Reihe. Und kam erst 2008 als neue Innenministerin wieder zurück ins grelle Rampenlicht der heimischen Politik.

Inzwischen war aus der einst durchaus verbindlichen Dame eine gehärtete Kämpferin für Recht und Ordnung im Land geworden. Und – auch als Speerspitze nach rechts – wiederum ein Personaltrumpf, der für die ÖVP stechen sollte.

Wer wäre besser?

Das hat sich nach dem Wechsel ins Finanzministerium nicht geändert. Auch wenn Fekter immer wieder mit Fehltritten aneckt wie zuletzt, als sie Kritik an Banken und Vermögenssteuer mit der Judenverfolgung verglich – zumindest in der ÖVP wird der strengen Oberösterreicherin attestiert, als oberste Hüterin des Budgets gute Figur zu machen.

Gleichzeitig werden die Zweifel an Parteichef Michael Spindelegger lauter. Er konnte als Krisenmanager bei seinen Bemühungen, die Partei aus ihrem Dauertief zu führen, bisher kaum punkten. Schon wird in schwarzen Zirkeln über mangelndes Durchsetzungsvermögen und zu wenig Strahlkraft gemunkelt. Und die nach außen konsequent geleugnete interne Diskussion um eine mögliche Neubesetzung der Führungsrolle gewinnt an Fahrt – nur langsam zwar, aber stetig. Am häufigsten fällt dabei der Name Maria Fekter. „Hätten wir gleich sie statt Spindelegger genommen“, so wird der Spruch eines einflussreichen Schwarzen mancherorts süffisant kolportiert.

FORMAT nahm die Spekulationen zum Anlass, genauer zu prüfen, ob die Österreicher das forsche Auftreten der Hardlinerin wirklich goutieren – ob also die Finanzministerin an der Stelle des farblos wirkenden Michael Spindelegger für die ÖVP beim Wahlvolk tatsächlich ein Gewinn wäre.

Lieber zart als hart

Eine von FORMAT bei Marketagent in Auftrag gegebene Umfrage unter mehr als 1.000 Österreichern zeigt jedoch überraschend: Maria Fekter wäre keineswegs die beliebtere Führungskraft an der ÖVP-Spitze. Den aktuellen Volkspartei-Chef hängt sie eigentlich nur in der Kategorie Durchsetzungskraft ab – nicht aber im generellen Stimmungsbild. Insgesamt geben die Menschen dem konsensualen Spindelegger allem Anschein nach den Vorzug vor der um vieles kantiger agierenden Finanzministerin.

Im ÖVP-Topjob kann sich lediglich ein knappes Drittel der Befragten Maria Fekter statt Michael Spindelegger vorstellen, während rund 67 Prozent der Ansicht sind, der Außenminister eigne sich besser dafür.

Auch wenn es darum geht, die Volkspartei nicht bloß zu führen, sondern aus ihrem Tief zu holen, ändert sich dieses Bild nicht. Noch klarer fällt der Unterschied bei der Frage nach dem Kanzlerkandidaten aus: Nur rund 31 Prozent glauben, die Finanzministerin wäre besser für die Aufgabe.

Michael Spindelegger wird auch staatsmännischeres Verhalten attestiert. Auch wenn viele Politikbeobachter die Finanzministerin seit Längerem als eine Art heimliche Kronprinzessin der ÖVP sehen, die für höhere Weihen geeignet ist, für Marktforscher Thomas Schwabl von Marketagent sind die Befragungsergebnisse nicht so überraschend: „Das Volksnahe kommt bei den Österreichern seit jeher besser an, Fekters Image ist zu hart und eckig.“ Eine ernsthafte Alternative zum aktuellen ÖVP-Chef für das Rennen um den Kanzlersessel bei der nächsten Nationalratswahl ist die Oberösterreicherin für Schwabl nicht: „Schon Spindelegger ist kein besonders volkstümlicher Politiker, aber Fekter schlägt er in diesem Bereich haushoch. Stellen Sie sich nur einmal vor, der Gegner hieße Strache.“

Kompetent, nicht beliebt

Auffällig ist, dass Maria Fekter gegen Michael Spindelegger dort zurückbleibt, wo es um Soft Skills wie das Wecken von Sympathie geht. Wohl nicht umsonst trägt die frühere Innenministerin neben anderen auch den Spitznamen „Maria ohne Gnade“. Werden knallharte Kompetenzen abgefragt, überholt Fekter den Vizekanzler: Deutlich mehr Österreicher sagen der Finanzministerin etwa Durchschlagskraft nach, als diese Eigenschaft Spindelegger zuschreiben. Das Budget sanieren zu können wird ebenfalls eher Fekter zugetraut (mehr als 52 Prozent).

Von ihren rhetorischen Fähigkeiten hingegen halten die Menschen nach diversen Ausrutschern wenig: Die „Rehleinaugen“ von Arigona Zogaj und missglückte Ausflüge ins Englische blieben offenbar in Erinnerung. Hier gewinnt Spindelegger. Gegen den Fekter übrigens bereits einmal auf der Strecke blieb: 2006 unterlag sie ihm bei der Wahl zum zweiten Nationalratspräsidenten – um eine einzige Stimme.

Soll Fekter früher oder später als Parteiobfrau der ÖVP infrage kommen, muss sie noch ausgiebig an ihrem Image feilen. Allerdings lässt sich das Erscheinungsbild für gewöhnlich nicht binnen weniger Monate umbauen. Bilder von Politikern sind in den Wählerköpfen auf lange Sicht einzementiert. Und ein Faserschmeichler-Redesign hin zur früheren Maria Fekter wird vermutlich auch nicht die Lösung sein.

– Klaus Puchleitner
Mitarbeit: Jelena Gucanin

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