US-Wahlen: Donald Trump gewinnt - die Welt zittert

US-Wahlen: Donald Trump gewinnt - die Welt zittert
US-Wahlen: Donald Trump gewinnt - die Welt zittert

Donald Trump, Wahlsieger der US-Präsidentenwahlen 2016

Donald Trump wird der 45. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Nun ist die Frage, wie es mit der größten Wirtschaftsmacht der Welt weitergeht, wie unter den neuen Präsident Trump die Beziehungen zu den Handelspartnern gestaltet werden und womit die Finanzwelt zu rechnen hat. Eine erste Analyse

Donald Trump lässt die Welt zittern. Der republikanische Präsidentschaftskandidat hat die Wahl zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gewonnen. Mit seinem Wahlspruch "Make America Great Again" konnte der von vielen Seiten (politisch, wirtschaftlich und kulturell) als unwählbar klassifizierte Milliardär die Mehrheit der Wähler in den USA für sich überzeugen. Der gesamte Süden der Nation sowie der komplette mittlere Westen und alle Staaten des erzkonservativen Bible-Belts sprachen sich mehrheitlich für Präsident "DT" aus.

Die "wir-sind-wir" Mentalität, mit der Trump während seines Wahlkampfs aufgetreten ist, die Diffamierungen Andersdenkender, von nicht nur politischen Gegnern, seine vielen wohl zum Großteil unhaltbaren Versprechungen sind in der vom wirtschaftlichen Niedergang nach der Finanz- und Wirtschaftskrise geprägten USA auf einen fruchtbaren Boden gestoßen. Trump hat es geschafft, in der zu einem Großteil konservativen Bevölkerung der USA neue Hoffnungen zu wecken, dass der Amerikanische Traum von einer großen, stolzen und wohlhabenden Nation in Erfüllung geht.

Doch - und das ist die Crux der Sache: Träume sind eben Träume und als solche unerfüllbar. Auf einen Traum und seine kurzfristige Verklärung folgt in der Realität nach dem Erwachen Ernüchterung und dann leider oft der Katzenjammer. Der geplatzte Traum ist viel näher an der Realität als der Erfüllte.

Und Trump, der ungelenke Haudrauf der Politik, lässt nun die Welt zittern. Für viele ist die Art und Weise, wie der zukünftige, 45. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika seinen Wahlkampf geführt hat, sind seine Aussagen zu wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Themen ein regelrechter Alptraum.

Zum Thema Immigration sagte Trump etwa: "Ich werde eine große Mauer bauen - und niemand baut Mauern besser als ich, glauben Sie mir - und ich baue sie sehr kostengünstig. Ich werde eine große, große Mauer an unserer südlichen Grenze bauen - und ich werde Mexiko für diese Mauer bezahlen lassen." Zur militärischen Präsenz der USA: "Ich werde unser Militär so groß, so mächtig und so stark machen, dass sich niemand mit uns anlegt." Das von Präsident Obama eingeführte Gesundheitssystem hat er angekündigt, als Erstes wieder abschaffen zu wollen und das auch in Europa schwer in Diskussion stehend Freihandelsabkommen TTIP will er in der vorliegenden Form nicht unterzeichnen, weil seiner Ansicht nach die USA dabei zu schlecht abschneidet.

Die Wahlnacht

Der Sieg Trumps hatte sich in der Wahlnacht schon bald abgezeichnet. Auch wenn ihn viele - vor allem aus dem demokratischen Lager - lange Zeit nicht wahrhaben wollten. Trump hatte überraschend eine Reihe von Schlüsselstaaten gewonnen. Schon kurz nach ein Uhr nachts, als bekannt wurde, dass Trump in Florida gesiegt hatte, war ein dunkler Schatten über die hoffnungsfrohen Clinton-Unterstützer gekommen

Weitere Erfolge ebneten ihm den Einzug in das Weiße Haus. Ohio brachte Trump auf die Siegesstraße. Weitere Swing States - Bundesstaaten, die traditionell weder den Demokraten noch den Republikanern fix zugerechnet werden können - schwangen in Richtung der Republikaner. Trump holte außerdem darauf auch in Wisconsin die Mehrheit, ein Bundesstaat, in dem es bisher traditionell eine Mehrheit für die Demokraten gab.

Clinton gratulierte Trump telefonisch zu dessen Sieg. Sehr herzlich dürfte dieses Gespräch allerdings nicht ausgefallen sein. Zwischen den beiden Kandidaten herrscht Eiszeit. Ehrlicher schon die Stimmung, die Clintons Wahlkampfleiter John Podesta vermittelte, als er in New York die geplante Wahlparty absagte und die Clinton-Anhänger, die bis dahin mit hängenden Köpfen und langen Gesichtern ausgeharrt hatten, aufforderte, nach Hause zu gehen.

Sieg auf allen Linien

Es ist schwer auszumalen, wie es in den USA nun politisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich unter einem Präsident Donald Trump weitergeht. Zusätzlich zum Wahlsieg Donald Trumps bei der Präsidentenwahl konnten die Republikaner nämlich auch auf allen Nebenfronten siegen. Sie haben auch die Mehrheit im Kongress behalten, die Mehrheit im Senat errungen und werden auch die Mehrheit der Gouverneure stellen. Auch der Surpreme Court ist in der Hand der Republikaner.

Bezeichnend sind die Kommentare auf den Wahlausgang. Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban kommentierte ihn mit "Was für großartige Nachrichten. Die Demokratie ist immer noch am Leben."

FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache erklärte: "Die politische Linke und das abgehobene sowie verfilzte Establishment wird Zug um Zug vom Wähler abgestraft und aus diversen Entscheidungsfunktionen heraus gewählt."

Genau gegenteilig fällt dagegen der Kommentar des niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil aus. "Die Wahl von Donald Trump bereitet mir große Sorgen. Die Aussagen, die der designierte Präsident im Wahlkampf gemacht hat, lassen jedenfalls nichts Gutes erahnen", erklärte er.

Die Demokraten sind nach acht Jahren Obama jedenfalls nun in einer zahnlosen Oppositionsrolle. Die von Präsident Barack Obama vor acht Jahren ausgegebene Parole "Yes, we can!" muss zu einem "Sorry, we cannot" umformuliert werden. Noch viel weniger politisches Gegengewicht kommt in den USA von den weiteren Oppositionsparteien: Die extrem konservativen Libertären und deren Spitzenkandidat Gary Johnson erhielten bei den Präsidentenwahlen gerade einmal drei Prozent der Stimmen, die Grünen und deren Spitzenkandidatin Jill Stein wählte nur ein Prozent der Amerikaner. Auf alle weiteren Kandidaten entfielen nur 0,7 Prozent der Stimmen.

Die in einer Demokratie wichtigen Macht- und Machtkontrollfunktionen sind samt und sonders in den Händen einer Partei. All denen, die der Meinung sind, dass bei den Wahlen 2016 in den USA das politische Establishment abgewählt wurde und die Demokratie gesiegt hat, muss entgegnet werden, dass die siegreichen Republikaner das Establishment sind und dass die Demokratie angesichts der Übermacht der Partei nun wirklich nicht gewonnen haben kann.

Auswirkungen auf die Wirtschaft

Aus wirtschaftlicher Sicht sind bereits die ersten Effekte der Wahl bemerkbar. Der Euro hat wegen des möglichen Wahlsiegs Trumps gegenüber dem Dollar den größten Kurssprung seit einem Jahr gemacht und ist um rund 2,5 US-Cent auf 1,1286 Dollar gestiegen.

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Euro-Dollar-Wechselkurs. Für aktuelle Kursinformationen klicken Sie bitte auf den Chart.

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Der Goldpreis hat wie bei einem Wahlsieg Trumps erwartet wurde ebenfalls kräftig zugelegt. Die Feinunze Gold verteuerte sich um bis zu 4,9 Prozent auf 1.337,40 Dollar. Der Goldpreis steuert damit auf den größten Tagesgewinn seit acht Jahren zu.

--> Aktueller Goldpreis

Die Finanzmärkte reagierten extrem nervös. Die Börsen in Fernost, wo bereits gehandelt wurden, verbuchten klare Verluste. In Tokio sank der Nikkei -Index (XC0009692440) um 5,4 Prozent auf 16.251 Punkte. Auch in Shanghai gaben die Kurse nach. Der MSCI-Index (XC0009692739) für die Region Asien/Pazifik unter Ausschluss Japans fiel um drei Prozent. Viele Anleger fürchten, dass auf einen Wahlsieg Trumps eine Welle ökonomischer Unsicherheit folgen könnte. Der Dollar gab zum Yen und Euro massiv nach.

Der heimische Aktienindex ATX (AT0000999982) hat in den ersten Stunden nach der Wahl ebenso nachgegeben wie der deutsche Dax (DE0008469008). Die US-Börsen-Futures, die die Tendenz für den Auftakt an der Wall Street vorgeben, lagen zwischen vier und fünf Prozent tiefer.

Hart getroffen wurde auch der Mexikanische Peso. Aus Furcht vor schlechteren Wirtschaftsbeziehungen zum Nachbarn USA haben sich Anleger aus Mexiko zurückgezogen. Sie warfen die Währung des Landes aus ihren Depots und drückten den Wechselkurs auf ein Rekordtief. Der Dollar hat gegenüber dem Peso um bis zu 13,4 Prozent zugelegt (Stand: 20,7402 Peso). Der größte Tagesgewinn seit 22 Jahren zeichnet sich ab.

Ökonomen zum Wahlerfolg Trumps

Der stellvertretende Wifo-Leiter Marcus Scheiblecker sieht für die zukünftige wirtschaftspolitische Ausrichtung der USA eine massive Verunsicherung. "Für die Konjunktur sind das sicherlich schlechte Nachrichten." Die angekündigte Rücknahme von "Obamacare" würde in den USA wieder zu Problemen bei der Einkommensverteilung führen und die angekündigten Steuersenkungen seien angesichts des hohen Budgetdefizits und der enormen Verschuldung der USA kaum durchführbar.

Marcel Frantzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaft (DIW), rechnet mit weiteren Verwerfungen auf den Finanzmärkten. Trump sorgt für Unsicherheit. Das Handelsabkommen TTIP werde jetzt sicher zumindest für vier Jahre auf Eis gelegt. Frahntzscher: "Das sind vier verlorene Jahre. Die werden Europa mehr schmerzen als die USA."

Sollten die außerordentlichen Bewegungen auf den Finanzmärkten anhalten, dann werde die US-Notenbank Fed im Dezember keine Leitzins-Erhöhung durchführen können, ist Holger Sandte, Chefvolkswirt von Nordea, überzeugt. Sandte: "Wenn Trump seine Ausgabenpläne umsetzt, könnten die US-Anleiherenditen deutlich steigen, was die US-Wirtschaft und damit die Weltwirtschaft belasten würde."

Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, ist überzeugt, dass von den Freihandels-Einschränkungen, die unter einem Präsident Donald Trump zu erwarten sind, die gesamte Welthandelsordnung schwer getroffen sein wird. Krämer: "Trumps Sieg steht für eine Niederlage des politischen, wirtschaftlichen und publizistischen Establishments in den USA. Natürlich können sich die Aktienmärkte nach dem unvermeidlichen Ausverkauf am heutigen Tag wieder rasch erholen. Aber für die Märkte dürfte die Wahl Trumps ein weit größeres Problem sein als das Brexit-Votum im Juni.

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