Donald Trumps Wahlveranstaltung von Schlägereien überschattet

Donald Trumps Wahlveranstaltung von Schlägereien überschattet

Donald Trump und sein Rivale Ted Cruz (v.li.) in einer Pause der Debatte des US-TV-Senders CNN.

Donald Trump schien vor der TV-Debatte am Donnerstag Kreide geschluckt zu haben. Beim Schlagabtausch mit seinen republikanischen Konkurrenten ist er mit wesentlich moderateren Tönen aufgefallen, als bisher. Am Freitag war es mit der Einigkeit der Republikaner endgültig vorbei: Auf einer Wahlveranstaltung der Republikaner kam es zu Schlägereien. Trump bekommt neue Unterstützung eines Ex-Kandidaten.

Miami (Florida)/Chicago. Kurz vor entscheidenden Vorwahlen in fünf US-Staaten hat Donald Trump seinen Ton zwar geändert. Der führende Bewerber um die Präsidentschaftskandidatur bei den Republikanern gab sich bei der CNN-Fernsehdebatte in Miami am Donnerstagabend (Ortszeit) ruhiger als zuvor. Es ging um die Handelsbeziehungen mit China, Bildung und soziale Absicherung.

"Arbeitsplätze verschwinden in diesem Land, besonders die guten", beklagte Trump und kritisierte chinesische Hersteller, die "alles, was sie haben, hier abladen". Cruz konterte, man könne die Schuld nicht an China abschieben, sondern müsse Lösungen finden.

Die gesamte Debatte sei "deutlich sachlicher und höflicher" gewesen, schrieb das Washingtoner Blatt "The Hill". Auch die "Washington Post" sprach von einer "ungewohnten Energie" auf der Bühne, als die drei Mitbewerber Ted Cruz, Marco Rubio und John Kasich versuchten, sich gegen Trump durchzusetzen.

Die Spaltung im eigenen Lager

Doch damit dürfte es nun vorbei sein. Tausende Menschen - Gegner und Unterstützer Trumps - standen sich in aufgeheizter Stimmung am Freitagabend in Chicago gegenüber. Trump hatte kurzfristig seinen Rückzug angetreten und seinen Auftritt abgesagt.

In einer Mitteilung seines Wahlkampfteams hieß es, Trump habe sich nach seiner Ankunft in der Stadt mit Sicherheitskräften besprochen und entschieden, den Auftritt aus Sicherheitsgründen abzusagen. Er soll nun an einem anderen Tag stattfinden. Nach der Absage skandierten zahlreichen Menschen Parolen wie "Wir sind Trump losgeworden" ("We dumped Trump!"), andere wiederum riefen "Wir wollen Trump!" ("We want Trump!").

Auf Fernsehbildern waren sich prügelnde Menschen zu sehen. Ein Mann drang bis zum Rednerpult vor und entzog sich mehrfach dem Zugriff von Sicherheitskräften, bevor er abgeführt wurde. Ein anderer versuchte, einer Person die amerikanische Flagge aus den Händen zu reißen. Nach der Absage des Auftritts war die Polizei damit beschäftigt, zahlreiche aufgebrachte Unterstützer beider Seiten auseinanderzuhalten. Zwei Polizisten wurden nach Angaben eines Sprechers verletzt.

Trump forderte die Republikaner zur Einigkeit auf. "Wir sitzen alle im selben Boot", sagte Trump. Er staunte selbst über die neue Ruhe auf der Tribüne. "Ich kann nicht glauben, wie höflich es bisher hier oben ist."

Massiver Widerstand aus eigenen Reihen

Die TV-Debatte war nur die Ruhe vor dem Sturm gegen Trump. Am Freitagabend kam es zu chaotischen Szene bei einer Wahlveranstaltung in Chicago, bei dem die Fäuste flogen und es zu Verletzten gekommen ist. Die republikanischen Präsidentschaftsbewerber haben dem umstrittenen Immobilien-Milliardär Donald Trump eine Mitschuld für die Gewalt bei einem geplanten Wahlkampfauftritt in Chicago gegeben.

Trump hat bisher auf seinen Veranstaltungen immer wieder Frauen oder Muslime beleidigt. Sein Auftritte wurden zuletzt auch immer wieder gestört. Trump reagierte bisher auch stets mit aggressiven Worten und macht auch den Demokarten Bernie Sanders für die Auseinandersetzungen verantwortlich, den er als "Kommunisten" oder "kommunistischen Freund" beschimpft. Wie aus dem Nichts hätten die Übergriffe bei der Kundgebung in Chicago begonnen. Die Gegendemonstranten hat Trump als Schläger bezeichnet

"Hässlicher Diskurs

Die Trump-Rivalen Ted Cruz und Marco Rubio nannten den Vorfall in Chicago "traurig". Kandidaten verdienten Respekt. Sie warfen ihm aber auch vor, die Stimmung stets aufzuheizen. Cruz, ein erzkonservativer Senator aus Texas, sagte, Trumps Kampagne fördere ein Umfeld, das zu einem solch "hässlichen Diskurs" führe.

Rubio, der Senator aus Florida, sparte allerdings auch nicht mit Kritik an den Demonstranten. "Fox News" sagte er, einige würden womöglich sogar dafür bezahlt.

Der Popoulist wird bei seiner Bewerbung um die US-Präsidentschaftskandidatur nun auch von seinem ehemaligen Konkurrenten Ben Carson unterstützt. Dies verkündete Trump am Donnerstag bei einer TV-Debatte der republikanischen Bewerber in Miami (Florida) an.

Der frühere Neurochirurg, der sich vergangene Woche aus dem Rennen zurückgezogen hatte, sagte im Sender Fox News, er tendiere zu einer Unterstützung Trumps. Dieser hatte sich noch bis vor kurzem immer wieder über den glücklosen Carson lustig gemacht. Dazu sagte Carson bei Fox News: "Es gibt zwei Donald Trumps." Während der eine vor Kameras und großem Publikum ein "Entertainer" sei, sei der andere "ein denkendes Individuum".

Trotz Gegenwinds aus seiner Partei wegen seines Populismus' steuert Trump auf die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner zu. Am Dienstag hatte er die Vorwahlen in Michigan, Mississippi und Hawaii gewonnen. Bisher hat er die meisten Delegiertenstimmen, die im Nominierungsprozess ausschlaggebend sind.

Am kommenden Dienstag - er wird auch als "Super Tuesday II" bezeichnet - finden Vorwahlen in Ohio, Florida, Missouri, Illinois und North Carolina statt., die wegen ihrer Bevölkerungsstärke besonders viel Einfluss haben. Bei den Republikanern gehen in Florida und Ohio alle und in Illinois die meisten Delegierten an den Sieger.

Zwar liegt der Trump im Rennen der Republikaner um das Weiße Haus in Führung. Aber es gibt starke Bestrebungen in der Partei, den polarisierenden Immobilienmilliardär als Präsidentschaftskandidaten zu verhindern.

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