US-Präsident Trump verspricht Kurz: "Großartige Beziehung" zu Österreich

Beim Treffen von US-Präsident Donald Trump mit Österreichs Kanzler Sebastian sollten Handelsfragen im Mittelpunkt stehen. Auf die Fragen der Presse lobte er die langjährigen Handelsbeziehungen zu Österreich. Skeptisch zeigte sich Trump zu den Handelsbeziehungen mit der EU. Der US-Präsident droht höhere Strafzölle an.

US-Präsident Trump verspricht Kurz: "Großartige Beziehung" zu Österreich

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) und US-Präsident Donald Trump anlässlich eines offiziellen Treffens im Weißen Haus in Washington.

Washington. Genau sieben Minuten standen US-Präsident Donald Trump und Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) für Fragen zur Verfügung. "Wir werden ein großartiges Treffen und eine großartige Beziehung haben, und unsere Länder haben eine großartige Beziehung", sagte Trump auf die Frage, was er von Kurz erwarte.

Trump begrüßte den Kanzler pünktlich um 13.45 Uhr Ortszeit (19.45 Uhr MEZ) am Eingang zum Westflügel des Präsidentensitzes. Kurz ist der erste österreichische Regierungschef seit über 13 Jahren, der einen US-Präsidenten in Washington trifft.

Die Kleinheit der Schönheit

Kurz hatte in seinem Eingangsstatement Trump dafür gedankt, dass er die österreichische Delegation im Weißen Haus empfange. "Es ist mir und meiner Delegation eine Freude, hier sein zu dürfen", sagte der ÖVP-Chef.

Danach kamen die beiden etwas mehr zu den wirtschaftlichen Beziehungen der beiden Staaten zu sprechen. Trump sagte, dass es seit langem "ziemlich gute Handelsbeziehungen" zwischen den USA und Österreich gebe, "und das ist es, worüber wir heute sprechen werden".

Konkreter und skeptischer äußerte sich Trump, was den Handelsstreit mit der EU betrifft. Diesbezüglich bekräftigte der US-Präsident neue Strafmaßnahmen in der Form von höheren Importzöllen für europäische Autos. Die US-Regierung würde dies gerade prüfen. Die Entscheidung darüber hänge davon ab, ob ein Handelsabkommen mit der EU erzielt werde. Für die USA ginge es laut Trump immerhin um einen Deal von 150 Milliarden Dollar - "das ist sehr viel Geld".

Kurz hatte vor der Visite betont, Handelsfragen ins Zentrum des Treffens stellen zu wollen. Insbesondere will er die möglichen US-Autozölle ansprechen und sich um eine Verbesserung der Atmosphäre bemühen. Kurz hatte sich vor seiner Abreise auch mit EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker abgestimmt.

Das US-Handelsministerium hatte am Wochenende einen Prüfbericht über die Bedrohung der nationalen Sicherheit durch Auto-Importe an Trump übergeben. Innerhalb von 90 Tagen muss er entscheiden, ob er auf dieser Grundlage Zölle von bis zu 25 Prozent auf Auto-Einfuhren verhängt.

"Ein sehr junger Führer"

Trump hatte Kurz geradezu mit Lob überschüttet. "Ich muss Ihnen sagen, dass er ein sehr junger Führer ist. Sie sind ein junger Mann, was ziemlich gut ist", sagte der US-Präsident, während er dem rechts neben ihm sitzenden Kanzler anerkennend auf den Unterarm klopfte. Kurz fügte daraufhin mit erhobenem Zeigefinger hinzu: "Aber das Problem mit dem Alter wird von Tag zu Tag besser."

Offizieller Besuch von Bundeskanzler Kurz bei US-Präsident Trump: "Ein besonderes Treffen"

Offizieller Besuch von Bundeskanzler Kurz bei US-Präsident Trump: "Ein besonderes Treffen"

"Österreich ist im Vergleich zu den USA ein kleines Land, aber ein schönes Land", betonte er. Kurz wies darauf hin, dass sich Österreich "im Herzen der Europäischen Union" befinde und es bei dem Treffen nicht nur um bilaterale Beziehungen gehe, sondern auch um jene zwischen den USA und der EU.

Der US-Präsident beendete die Fragerunde etwas abrupt, als er von amerikanischen Journalisten zum früheren FBI-Vizechef Andrew McCabe befragt wurde. McCabe hatte dem Präsidenten vorgeworfen, das US-Justizsystem zu untergraben. Trump lancierte einen Frontalangriff auf seinen Kritiker und nannte ihn mit Blick auf den legendären früheren FBI-Chef "einen J. Edgar Hoover für Arme".

Kurz trug sich im Roosevelt Room ins Gästebuch ein, ehe im Oval Office ein Vier-Augen-Gespräch mit Trump stattfinden sollte. Der Kanzler, der sich vor dem Besuch auch mit EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker abgesprochen hatte, will die Bemühungen zur Abwendung eines Handelskriegs zwischen den USA und Europa in den Mittelpunkt des Treffens stellen. Er rechnet aber auch damit, dass von US-Seite auch die Frage der Rücknahme von IS-Kämpfern in Syrien angesprochen wird.

Erweiterte Gespräche

Nach dem Vier-Augen-Gespräch im Präsidentenbüro sollte im nebenan gelegenen Cabinet Room noch ein Treffen in größerer Runde stattfinden. Teilnehmen sollten neben Trumps Stabschef Mick Mulvaney und seinen Topberatern John Bolton und Larry Kudlow auch Vizepräsident Mike Pence, Außenminister Mike Pompeo und Energieminister Rick Perry. Im Cabinet Room finden die Regierungssitzungen unter Trumps Vorsitz statt. Gegen 14.50 Uhr verließ die österreichische Delegation das Weiße Haus wieder.

Österreichs Kanzler hatte vor seinem Abflug am Dienstagvormittag in Wien betont, dass ein Treffen mit dem US-Präsident "etwas Besonderes" sei, er aber nicht nervös sei. In Anspielung auf den sprunghaften Charakter Trumps fügte er hinzu: "Auf einen Termin mit Donald Trump kann man sich nicht wirklich vorbereiten."

Dieses Zitat wurde von US-Journalisten bereitwillig aufgegriffen. So verwendete ein Korrespondent des konservativen Fernsehsenders Fox News es als Abschluss für einen Aufsager aus dem Presseraum des Weißen Hauses. US-Medien hatten in ihrer Vorausberichterstattung Kurz als jüngsten Regierungschef der Welt, aber auch als Hardliner in der Migrationsfrage und Gegenspieler der deutschen Kanzlerin Angela Merkel porträtiert.



Mr. 100%: Karl Nehammer nach seiner Wahl zum ÖVP-Parteiobmann am 14. Mai 2022.

Nehammers Wahl-Coup-Geheimnis [Politik Backstage]

Die Rezeptur für seine hundertprozentige Wahl zum Parteichef sorgt auch …

Bundeskanzler Karl Nehammer: Sein Vorgänger Sebastian Kurz war in der Partei "der Chef". Nehammer ist "der Karl".

Im Kurz-Schatten [Politik Backstage]

Kurz-Intima Elisabeth Köstinger drohte, Karl Nehammer mit ihrem …

Arbeitsminister Martin Kocher ist nun auch Wirtschaftsminister

Regierungsumbau: Kocher nun Wirtschafts- und Arbeitsminister

Bundeskanzler Karl Nehammer baut die Bundesregierung um. Martin Kocher …

Christian Pilnacek und Junstizministerin Alma Zadi

Lex Pilnacek, bitte warten [Politik Backstage]

Alma Zadic muss das angeschlagene Vertrauen in die Justiz dringend …