Wohin mit dem tschechischen Atommüll?

Tschechien sucht seit Jahren nach einem geeigneten Ort für die Lagerung des Mülls aus Temelin und Dukovany. Nun werden fünf Orte auf ihre Tauglichkeit geprüft - zwei davon befinden sich knapp vor der österreichischen Grenze.

Wohin mit dem tschechischen Atommüll?

Tschechien sucht bereits seit Jahren nach einem geeigneten Standort für ein Atommüllendlager. Nun darf an fünf Orten eine erste Prüfung beginnen, ob dort ein Endlager für den Atommüll aus den Kraftwerken Temelin und Dukovany errichtet werden kann. Das Prager Umweltministerium erteilte diese Woche die entsprechende Genehmigung. Zwei weitere Orte warten noch darauf.

Bisher wird der radioaktive Müll in den Zwischenlagern in Temelin und Dukovany gelagert, ab 2065 sollte er aber in das Endlager kommen. Der Fahrplan der tschechischen Regierung sieht vor, dass bis 2018 zwei der möglichen sieben Orte in eine "Stichwahl" kommen. Bis 2025 sollte dann klar sein, an welchem konkreten Standort das Endlager errichtet wird. Der Beginn der entsprechenden Umweltverträglichkeitsprüfung ist für 2045 geplant und der Bau des Endlagers sollte etwa weitere 15 Jahren dauern.

Österreichs Atomgegner schlagen Alarm

Die tschechischen Atomgegner versuchen seit Jahren, die 1990 begonnene Suche nach einem Endlager zu bremsen. Auch ihre österreichischen Kollegen schlagen Alarm. Einer der Orte, der bereits die Zustimmung für die geologischen Untersuchungen hat - das südböhmische Cihadlo bei Lodherov (Riegerschlag) - liegt nur etwa 20 Kilometer von der österreichischen Grenze entfernt. Ein anderer Standort namens Kravi Hora bei Moravecke Pavlovice (Morawetz Pawlowitz) nordwestlich von Brünn befindet sich 80 Kilometer nördlich von Laa an der Thaya.

Patricia Lorenz, Anti-Atom-Sprecherin der österreichischen Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000, warnt, dass die Gefahr der Kontamination der weiteren Umgebung durch radioaktives Material bestehe, falls sich die Fässer öffneten oder Brände entstünden. "Für die darauffolgenden Jahre, Jahrzehnte und Jahrtausende ist vor allem das Eindringen von Wasser, das Auslaugen und Eindringen in das Grundwasser bzw. die Thaya und March eine Dauergefahr", so Lorenz in einer Presseaussendung.

Das tschechische Umweltministerium versucht, die Ängste zu mildern. Zumindest die geologischen Untersuchungen würden keine Auswirkungen auf die Umwelt haben, weil dabei "nicht invasive Methoden" verwendet würden, erklärte die Sprecherin des Ministeriums, Petra Roubickova. In der ersten Phase werde man nur oberirdische Messungen und Sondierungen durchführen, Daten sammeln und Gesteine auf eine nicht invasive Weise abnehmen.

"Motivationszahlung" für Gemeinden

Die betroffenen Gemeinden werden für jedes Jahr der Untersuchungsarbeiten bis zu zwölf Mio. Kronen (433.479,03 Euro) vom Staatsbudget bekommen. Laut dem Beauftragten der staatlichen Verwaltung zur Aufbewahrung von radioaktivem Abfall (SURAO), Jiri Slovak, handelt es sich um eine "Motivationszahlung". Das tschechische Staatsbudget sieht dafür insgesamt 72 Mio. Kronen jährlich vor.

Der Anspruch auf Subventionen entsteht nach dem Inkrafttreten der Genehmigung des Umweltministeriums, das heißt in zwei Wochen. Bis dahin haben die Gemeinden und Bürgerinitiativen Zeit, sich zu den Genehmigungen zu äußern. Laut den Kritikern haben sie jedoch weder jetzt, noch zu einem späteren Zeitpunkt tatsächlich die Möglichkeit, die Errichtung eines Endlagers auf ihrem Gebiet zu verhindern.

"Es wird zu spät sein, auf die Umweltverträglichkeitsprüfung zu warten - wenn diese kommt, ist die Auswahl bereits auf einen Standort mit einem Reservestandort eingegrenzt. Im Zuge der Umweltverträglichkeitsprüfung wird ein Standort nicht mehr verhinderbar sein können", so Lorenz. Dem tschechischen Staat warf sie ein Verhalten vor, "als ob auf der anderen Seite der Grenze Niemandsland wäre".

Unterdessen laufen in Tschechien die Planungen zum Ausbau der Atomenergie weiter, obwohl der Tschechische Energiekonzern (CEZ) im April die Ausschreibung zur Erweiterung von Temelin um zwei zusätzliche Blöcke aus Rentabilitätsgründen storniert hat. Bereits 2015 könnte aber es ein neues Auswahlverfahren geben. Dabei könnte es möglicherweise nicht mehr um den Bau von zwei neuen Blöcken in Temelin gehen, sondern um einen in Temelin und einen in Dukovany handeln, heißt es in Prager Regierungskreisen.

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