"Topgagen sollten nicht mehr als das 20fache der Mindestlöhne betragen"

"Topgagen sollten nicht mehr als das 20fache der Mindestlöhne betragen"

Michael Spindelegger kann auch überraschen. "Im staatsnahen Bereich muss die Relation stimmen. Topgagen sollten nicht mehr als das 20fache der Mindestlöhne betragen", erklärte er unlängst bei einem U-Bahn-Fahrt-Gespräch mit der Gratiszeitung "Heute".

Mit dieser Ansage überholt Spindelegger sogar die deutschen "Linken“ links: Sie fordern auch eine Begrenzung der Vorstandsgehälter, allerdings auf das 20fache von Facharbeitergehältern.

In Frankreich ist man da bereits einen Schritt weiter. Der frisch gewählte sozialistische Präsident François Hollande setzt ebenfalls auf den 20er-Zwang. Das hat er im Wahlkampf versprochen, jetzt wird in Gesetz gegossen, dass die Spitzengehälter in staatsnahen Unternehmen auf jährlich maximal 450.000 Euro gedeckelt sind.

Kluft in Österreich klein

Dass eine solche Begrenzung auch bei den österreichischen Roten gut ankommt, ist klar. SPÖ-Geschäftsführer Günther Kräuter kann sich so etwas ebenso vorstellen wie Arbeiterkammer-Präsident Herbert Tumpel. "Es ist ja wirklich schon längst an der Zeit, dass sich endlich auch bei der ÖVP die Einsicht durchsetzt, dass die Managergehälter in keinem angemessenen Verhältnis zu den Löhnen und Gehältern der Beschäftigten stehen. Die Gewerkschaft fordert das ja seit Jahren“, meint auch der Präsident des Österreichischen Gewerkschaftsbunds, Wolfgang Katzian.

Nur: Spindelegger fühlt sich in "Heute“ falsch verstanden. Man habe damit gerechnet, dass sich die SPÖ auf dieses Thema draufsetzt, erklärt sein Sprecher. "Insofern wollten wir vorbereitet sein.“ Allerdings stelle sich die Frage der Deckelung derzeit gar nicht, weil in Österreich die Gehälter ohnehin nicht so weit auseinanderliegen.

In der Tat kassiert nur ein kleiner Teil der Vorstände in den rund 400 Unternehmen und ausgegliederten Einrichtungen, auf die der Bund Einfluss hat, mehr als das 20fache des jeweiligen Mindestlohns. OMV-Chef Gerhard Roiss kam im Vorjahr auf gut das 106fache des Mineralöl-Mindestlohns. Post-Chef Georg Pölzl kassierte etwa rund das 63fache seines billigsten Mitarbeiters. Und ÖBB-Boss Christian Kern kommt etwa auf das 23fache des Bahn-Mindestverdiensts (siehe Tabelle). Knapp über dem 20fachen Mindestgehalt ist auch das Entgelt für ÖIAG-Chef Markus Beyrer. Er kommt auf 492.970 Euro im Jahr - und damit auf deutlich weniger als sein Vorgänger Peter Michaelis, der rund 700.000 Euro kassierte.

"Keine Relation zur Leistung.“ Laut einer Analyse der Arbeiterkammer (AK) verdienen Manager in den Leitunternehmen im Wiener Börsenindex ATX im Schnitt das 48fache von durchschnittlichen Arbeitnehmern. Das ist so viel wie im Rekordjahr 2008. Im Jahr 2000 war es noch das 20fache. "Ein ATX-Manager bekommt binnen zwölf Monaten, wofür andere ein Leben lang arbeiten. Das steht in absolut keiner Relation zur Leistung“, kritisiert AK-Präsident Herbert Tumpel. Der Bundespräsident ist mit seinem Gehalt übrigens knapp unter dem 20fachen des Mindestlohns, Bundeskanzler und Vizekanzler verdienen noch etwas weniger.

Tiroler Begrenzung. Mittlerweile hat sich auch die Tiroler Volkspartei der Managergehälter angenommen. In der Landesregierung wurde beschlossen, dass sich die Gehälter bei Landesunternehmen an jenen des Landeshauptmanns orientieren sollen. Ausnahmen gibt es nur für Unternehmen, die im Wettbewerb stehen - wie etwa den Energiehersteller Tiwag. "Die branchenübliche Entlohnung bei diesen Unternehmen muss möglich sein“, sagte Landshauptmann Günther Platter. Denn sonst sei es schwierig, die besten Leute dafür zu bekommen.

Die Gewerkschaft möchte indes die Gehaltsbeschränkung der Mindestgagen auf die gesamte Wirtschaft ausdehnen und fordert erneut eine Begrenzung der steuerlichen Absetzbarkeit von Vorstandsgagen mit 500.000 Euro. Für Katzian sind die zu großen Einkommensunterschiede mit ein Grund für die krisenhafte Entwicklung der Wirtschaft. Die Industriellenvereinigung (IV) lehnt Begrenzungen ab. Sie sieht die Bezahlung österreichischer Manager im europäischen Vergleich im unteren Drittel. "Staatliche Eingriffe in Gehälter am freien Markt sind absurd“, sagt IV-Vizegeneralsekretär Peter Koren.

Frankreich kürzt

In Frankreich haben die staatlichen Vertreter bei der Fluggesellschaft Air France sowie bei der Rüstungsfirma Safran dicke Abfindungen der Unternehmenschefs mittlerweile blockiert. Bei der ersten Kabinettssitzung beschloss die französische Regierung auch, die eigenen Bezüge um 30 Prozent zu senken.

Theoretisch könnte ein Chef auch die unteren Gehälter im Unternehmen aufstocken, um den Gehaltsunterschied auf 1:20 zu bringen. Umgelegt auf Österreich würde das dann heißen, dass der Mindestlohn in der OMV bei 8.825 Euro liegen würde - im Monat, wohlgemerkt. Doch nachdem andere Regierungsmitglieder in der ÖVP und wohl auch Spindelegger die Managergehälter doch nicht zum Thema machen wollen, wird man auf einen solchen Mindestlohn vorerst nicht hoffen dürfen.

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