Tempo 140 lässt Risiko für Leben und Klima deutlich steigen

Tempo 140 lässt Risiko für Leben und Klima deutlich steigen

Tempolimit: Eine Erhöhung würde das Risiko auf den Straßen und die Umweltbelastung deutlich erhöhen.

Verkehrsminister Norbert Hofer will an der Tempolimit-Schraube drehen. Dadurch würde das Unfallrisiko auf Österreichs Straßen und auch die Schadstoffbelastung deutlich steigen.

Als eine "Gefahr für die Klimaziele", sieht der frühere Verkehrsminister, Jörg Leichtfried (SPÖ) das Ansinnen seines Nachfolgers Norbert Hofer (FPÖ), das Tempolimit auf Österreichs Autobahnen auf 140 km/h zu erhöhen. Die Geschwindigkeitserhöhung sei definitiv "der falsche Weg", betont Leichtfried. Außerdem würde es sämtlichen Maßnahmen zur Senkung der Zahl der Verkehrstoten der vergangenen Jahren widersprechen. Ohne Stau und Baustellen ergebe sich bei durchgehender Fahrt zwischen Graz und Wien durch 140 km/h beispielsweise lediglich eine Zeitersparnis von sechs Minuten, zulasten der Umwelt und der Gesundheit der Österreicher.

Doch nicht nur der Klimaschutz komme zum Handkuss. Laut Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV) und der Unfallstatistik des Bundesministeriums für Inneres ist eine falsch gewählte Fahrgeschwindigkeit - somit auch das Überschreiten von Tempolimits - die Hauptursache für Unfälle im Straßenverkehr mit tödlichem Ausgang (siehe Grafik). Österreich ist dem Kuratorium zufolge außerdem schon bisher im europäischen Vergleich für Verkehrssünder eines der billigsten Länder mit hohen Toleranzgrenzen, gerade was die Überschreitung von Tempolimits betrifft.

Hauptunfallsursachen bei Todesfällen im Verkehr; Quelle: Bundesministerium für Inneres

Hauptunfallsursachen bei Todesfällen im Verkehr; Quelle: Bundesministerium für Inneres

Der letzten verfügbaren Verkehrsüberwachungsbilanz der Bundespolizei aus dem Jahr 2016 zufolge wurden rund 5,2 Millionen Geschwindigkeitsüberschreitungen festgestellt und danach Anzeigen erstattet oder vor Ort Organstrafverfügungen eingehoben.

Tempolimits und Geschwindigkeitsreduktionen - beziehungsweise Erhöhungen - stehen laut KfV auch in direktem Zusammenhang mit der Zahl der Verletzten, Schwerverletzten und Verkehrstoten: Eine Reduktion der Geschwindigkeit um fünf Prozent senkt die Zahl der Verkehrstoten demzufolge um 20 Prozent; eine Erhöhung der Geschwindigkeit von 130 km/h auf 140 km/h - also um 7,7 Prozent würde demnach die Zahl der Verkehrstoten um rund 30 Prozent steigern. Das KfV fordert daher auch unter anderem verstärkte Geschwindigkeitskontrollen und eine Reduzierung der Toleranzgrenzen.

Zusammenhang von Verletzungen bzw. Todesfällen und Geschwindigkeit im Straßenverkehr

Zusammenhang von Verletzungen bzw. Todesfällen und Geschwindigkeit im Straßenverkehr

20 Prozent mehr Schadstoffe

Die TU Graz hat mit dem "NEMO - Network Emission Model" berechnet, dass Tempo 140 bei Pkw den Schadstoffausstoß von Stickoxiden (NOx) um 21 Prozent gegenüber Tempo 130 und sogar um über 50 Prozent gegenüber Tempo 100 steigern würde. Wegen andauernder Überschreitungen des EU-Grenzwerts für Stickstoffdioxid hat die Europäische Kommission bereits ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Österreich eingeleitet.

Neben den Stickoxiden würden bei einer Erhöhung der Geschwindigkeitsbegrenzung auch die Feinstaubemissionen um 20 Prozent zunehmen, ergab die Analyse der TU Graz. Der Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) würde um zwölf Prozent zunehmen. Hochgerechnet auf rund elf Millionen Fahrkilometer für Leichtverkehr im Jahr würde damit der Schadstoffausstoß von Stickoxiden um 1.000 Tonnen, jener von Feinstaub um 20 Tonnen und der Kohlendioxid-Ausstoß gar um 200.000 Tonnen steigen.

Doppelte Gefahr

Kritik kommt auch von Greenpeace. Mit Tempo 140 "fährt die Regierung Klimaschutz an die Wand", hieß es in einer Aussendung. "Wir schauen uns die Studie an und werden die Zahlen überprüfen", erklärte ein Sprecher von Köstinger am Freitag.

Greenpeace verwies auch auf den Air Quality Report 2017 der Europäischen Umweltagentur EEA. Demnach sind Schadstoffe wie Feinstaub, Stickoxide und Ozon bereits jetzt für über 8.500 vorzeitige Todesfälle pro Jahr in Österreich verantwortlich. "Tempo 140 birgt damit eine doppelte Gefahr: Es führt zu mehr Verkehrsunfällen auf unseren Autobahnen und sorgt für einen dramatischen Anstieg der gesundheitsschädlichen Schadstoffe", betonte Adam Pawloff, Klima-Sprecher bei Greenpeace in Österreich.

Das Verkehrsministerium bemüht sich indessen um Beschwichtigung der Lage. Eine flächendeckende Freigabe von Tempo 140 sei ohnedies nicht angedacht, sagte ein Sprecher von Verkehrsminister Hofer. Die Tempoerhöhung könne es auch nur bei Strecken mit Verkehrsbeeinflussungsanlage geben. Und das nur, wenn alle Parameter, wie Wetter- und Sichtverhältnisse, stimmen. "Das Ziel ist es, ein Konzept für ein Pilotprojekt aufzusetzen", sagte der Sprecher.

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