Telekom-Konzern: Aufräumarbeiten & Angst

Die in Turbulenzen geratene Telekom Austria könnte in die Hände von Spekulanten geraten, befürchtet jetzt der Betriebsrat. Der Aktienkurs ist jedenfalls tief wie nie.

Kursmanipulationen, Scheinaufträge, dubiose Immo-Deals und schlecht laufende Geschäfte: Vielen Aktionären ist die Lust auf die Telekom-Aktie vergangen. Der Kurs tümpelt bei nur sieben Euro dahin – so wenig kostete das Papier zuletzt vor zehn Jahren. Analysten raten von einem Einstieg ab, die Erste Bank sieht den Kurs sogar Richtung 5,50 Euro wandern. Dass das Papier so billig ist, könnte Spekulanten auf den Plan rufen, heißt es aus der Telekom. „Ich mache mir große Sorgen, dass die Schwäche der Telekom ausgenutzt wird. Wir sind vor Spekulanten nicht sicher“, meint Betriebsratschef Walter Hotz.

Viele Probleme

In der Vergangenheit haben sich die Belegschaftsvertreter stets erfolgreich gegen Übernahmeversuche zu wehren gewusst. Sei es bei den Verhandlungen mit der Swisscom, die letztlich platzten, oder seien es Gerüchte, wonach wohlhabende Ägypter oder Russen in Österreich einsteigen könnten: Bislang stand die Sorge, dass Arbeitsplätze abgebaut werden, im Vordergrund.

Neben Altlasten aus der Vergangenheit, die derzeit von Medien und Justiz aufgearbeitet werden, kämpft die Gruppe mit schwindendem Eigenkapital (in nur fünf Jahren ging es von 2,82 Milliarden auf 755 Millionen Euro zurück), rückläufigen Umsätzen und schwierigen Märkten in Weißrussland und Bulgarien.

Dazu kommt, dass die Integration von A1 und der Festnetzsparte nicht die gewünschten Einsparungen bringt und Pläne für mögliche Übernahmen und damit Wachstum zuletzt in Serbien gescheitert sind. Der früher so expansive Konzern, der in acht Ländern 16.500 Personen beschäftigt, rutschte im ersten Halbjahr mit 59,2 Millionen Euro in die Verlustzone, im Vorjahr wurde noch ein Plus von 159,9 Millionen Euro erzielt.

Privatisierungsdebatte

In Abwehrhaltung ist auch die Politik. Aktuell gibt es keinen Privatisierungsbeschluss der Regierung, dennoch sprechen sich Teile der ÖVP für einen Verkauf aus, um Budgetlöcher zu stopfen. ÖVP-Klubobmann Karlheinz Kopf meint, es gebe „ genügend Privatisierungspotenzial im nicht infrastrukturellen Bereich: Telekom, Post, OMV könnten sofort privatisiert werden. “ Auch der Präsident der Industriellenvereinigung, Veit Sorger, macht sich für eine Totalprivatisierung der Telekom stark .

Finanzstaatssekretär Andreas Schieder (SPÖ) ortet in den Plänen eine „Ablenkungsdiskussion“ und steigt auf die Bremse: „So wie die Unternehmen jetzt aufgestellt sind, sind sie gut aufgestellt.“ Auch die Opposition will den Status quo beibehalten. „Es gibt derzeit überhaupt keinen Bedarf für eine Privatisierungsdebatte“, behauptet der grüne Abgeordnete Werner Kogler. Vonseiten der FPÖ gibt es ebenfalls ein klares Nein zum weiteren Verkauf von Staatsanteilen an der Telekom. Für den freiheitlichen Generalsekretär Herbert Kickl ist es „ein volkswirtschaftlicher Holzweg, wesentliche Infrastruktur des Staates zu verkaufen, um schnelles Geld in die leeren Staatskassen zu bringen“.

Ob bei diesen Aussichten jemand Lust auf die Telekom-Aktie bekommt?

– jel/mk

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