Telekom bleibt Baustelle: Im Unternehmen wächst nach jüngsten Skandalen die Unruhe

Investoren-Einstieg, Privatisierung und Skandal-Aufarbeitung: Die Telekom bleibt das Sorgenkind der Verstaatlichtenholding ÖIAG.

In den Leitungen des Kommunikationsriesen Telekom Austria, kürzlich erst um viel Geld unter der Dachmarke A1 neu gebrandet, rauscht und knirscht es gewaltig. So bemühen sich derzeit gleich vier namhafte Kommunikationsexperten um die Reputation von Unternehmens-Chef Hannes Ametsreiter: PR-Guru Wolfgang Rosam, Ex-Publico-Chef Markus Schindler, die Agentur Grayling unter Sepp Tschernutter sowie Bernhard Grabmayer von Scholdan & Company.

In den diversen rund um das Unternehmen publik gewordenen Skandalen taucht Ametsreiter zwar nicht persönlich auf, seine Position stärken die früheren Vorkommnisse aber nicht gerade. In der Telekom kursieren sogar schon Spekulationen, die Vorwürfe könnten deswegen breitgetreten werden, um Investoren den Einstieg in die Telekom zu erleichtern. Vor allem aber ist die der Telekom bislang recht freundlich gesinnte ÖVP sehr verschnupft, dass das Unternehmen hochrangige schwarze Parteigranden im Zuge der Aufarbeitung der Vergangenheit angepatzt hat. Ametsreiter ist ständig damit beschäftigt, die Dinge wieder ins Lot zu bringen. Gleichzeitig ist er jetzt auch noch mit den Plänen eines Konsortiums rund um Ronny Pecik konfrontiert, 20 Prozent oder mehr an der Telekom Austria zu erwerben.

Verwirrung und Querelen

Alle Hände voll zu tun hat auch der Vertreter des Mehrheitseigentümers ÖIAG, Markus Beyrer (Bild). Er war wenig erfreut, dass sowohl ÖVP-Klubchef Karlheinz Kopf als auch der Präsident der Industriellenvereinigung, Veit Sorger, über einen Rückzug des Staates nachdachten. Derartige Pläne sind wegen des Widerstands der SPÖ in dieser Legislaturperiode zwar ohnehin unrealistisch, Beyrer tat intern seinem Unmut über die Wortmeldungen trotzdem kund, weil sie weitere Unruhe bringen. Gegenüber FORMAT betont er sachlich: „Die ÖIAG ist ein stabiler Kernaktionär der Telekom Austria und wird das bleiben.“

Dass Pecik & Co eine Position bei der Telekom aufbauen, davon geht aber auch die ÖIAG aus. Die Staatsholding hält eine feindliche Übernahme aber nicht für wahrscheinlich und rechnet damit, dass man das Gespräch mir ihr suchen wird. Mittlerweile denkt die ÖIAG darüber nach, wie sie auf welches Szenario reagieren kann, je nachdem, ob ausschließlich Finanzinvestoren oder auch strategische Interessenten auf den Plan treten. Derzeit geht man eher von einem reinen Finanzdeal aus, allerdings mit der Möglichkeit, dass bei einem Exit ein Aktienpaket auch an einen Strategen weiterverkauft wird. Eine Kapitalerhöhung ist für Markus Beyrer nicht in Sicht, allerdings werden bei einer Strategieklausur in wenigen Wochen Schritte für die Verbesserung des rapide erodierenden Eigenkapitals der Telekom überlegt.

Die Telekom will unter allen Umständen in der ÖIAG drinnen bleiben – außer wenn es sich irgendwann herausstellt, dass das Geschäftsmodell aufgrund mangelnder Größe nicht nachhaltig tragfähig ist. Dann könnte über Alternativen wie eine Fusion oder Joint-Ventures bei Auslandstöchtern nachgedacht werden. Denn eines will Markus Beyrer jedenfalls vermeiden: ein AUA-Schicksal, das bei der Telekom derzeit aber nicht in Sicht ist.

Aufräumungsarbeiten

Sehr wohl sind Aufräumungsarbeiten angesagt. Interne und externe Kontrollore sollen für Aufklärung im Telekom-Sumpf sorgen und sämtliche dubiosen Zahlungen durchleuchten. Ebenfalls im Visier: die Untersuchung der milliardenteuren Zukäufe der Telekom in Weißrussland und Bulgarien – stets im Zusammenhang mit dem Wiener Geschäftsmann Martin Schlaff. Paradox: Aus der Telekom selbst werden nun Gerüchte gestreut, dass Schlaff am Rande auch in den aktuellen Pecik-Orascom-Deal involviert sein könnte. Allerdings gibt es eine Menge Spekulationen. So soll Pecik auch Frank Stronach angesprochen haben, ob er mitinvestieren wolle. Auch Immobilien-Tycoon René Benko wurde in Zusammenhang mit einem TA-Engagement gebracht – was dieser aber glaubhaft in Abrede stellt.

Für Telekom-Chef Hannes Ametsreiter steht in den nächsten Wochen viel auf dem Spiel. Sowohl die Aufarbeitung der Affäre als auch die künftige Eigentümerstruktur der Telekom Austria werden über seine Zukunft im Konzern mitentscheiden.

– Florian Horcicka

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