100 Tage Donald Trump: "Ich dachte, es wäre leichter"

Am Samstag ist Donald Trump 100 Tage lang im Amt als Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. In einem Interview zeigt er sich schon etwas amtsmüde. "Ich liebte mein früheres Leben", sagt er und "ich dachte, es wäre leichter".

100 Tage Donald Trump: "Ich dachte, es wäre leichter"

Ist US-Präsident Donald Trump schon nach den ersten 100 Tagen seines Amtes müde? Fast scheint es so, denn in einem Interview, das Trump anlässlich seines Hunderters gegeben hat, gab er zu erkennen, dass er sein früheres Leben vermisst. "Ich liebte mein früheres Leben", sagt der US-Präsident darin. Er arbeite als Präsident mehr als früher. "Ich dachte, es wäre leichter", zieht er Zwischenbilanz.

Schon vor seiner politischen Karriere hatte Trump darüber geklagt, kein Privatleben zu haben. Das Amt des US-Präsidenten lässt ihm nun noch weniger privaten Spielraum. Er müsse sich immer noch an seinen Personenschutz rund um die Uhr und andere Einschränkungen gewöhnen. "Du lebst wirklich in deinem eigenen, kleinen Kokon. Die Sicherheitsmaßnahmen sind so massiv, dass du wirklich nirgendwo hingehen kannst", sagt Trump. Wenn er das Weiße Haus verlässt, wird er in einem SUV oder einer Limousine gefahren. Er vermisse es, selber hinter dem Steuer zu sitzen. "Ich liebe es zu fahren", sagt der Präsident. "Jetzt kann ich nicht mehr selber fahren."

Dabei hat sich Trump in den ersten 100 Tagen seiner Amtszeit sogar weit mehr Auszeiten genommen als seine Vorgänger. So ist der Präsident, zu dessen Immobilienbesitz auch zwölf Golfplätze gehören, regelmäßig auf Golfplätzen anzutreffen, und das, obwohl er in seinem Wahlkampf erklärt hatte, dass er keine Zeit haben werde, Golf zu spielen und seinen Vorgänger Barack Obama dafür kritisierte, Golf gespielt zu haben. Den Recherchen der New York Times war Donald Trump aber in den ersten 100 Tagen bereits 14 Mal am Golfplatz und Obama im selben Zeitraum kein einziges Mal. Und CNN-Recherchen zufolge hatte der umtriebige Präsident schon in den ersten 81 Tagen seiner Amtszeit 21 Millionen Dollar an Reisekosten verursacht - für sechs Wochenend-Trips zu seinem privaten Club Mar-A-Lago in Palm Beach, Florida. Weitere Nebenkosten, die von den US-Steuerzahlern getragen werden müssen sind laut CNN 146.000 Dollar täglich für die Abschirmung und Sicherheit des Trump Towers in New York, wo die Präsidentengattin Malania Trump lebt.

Geschäftspartner als Berater

Allerdings sind auch viele Dinge im Leben des 70-jährigen, der zuvor vom 26. Stock des Trump Towers in New York aus sein Imperium leitete, gleich geblieben. Nicht immer zur Freude seiner politischen Berater hält er engen Kontakt zu früheren Freunden und Geschäftspartnern, um mit sich diesen abzusprechen.

Sein Verhältnis zu den Medien ist hingegen weiter angespannt. Schon während des Wahlkampfes hat er sich mit vielen Medien und deren Vertretern angelegt und ihre Rechercheergebnisse oft als "Fake News" abgetan. Weil er sich ungerecht behandelt fühlte, sagte er auch seine Teilnahme am traditionellen Jahresessen der White-House-Korrespondenten ab.


Faktencheck

100 Tage Donald Trump

Ankündigungen des US-Präsidenten - und was daraus wurde.

  • GESUNDHEIT Trump hatte sich im Wahlkampf die rasche Abschaffung beziehungsweise Neuregelung der Gesundheitsreform Obamacare auf die Fahnen geschrieben. Es war eines seiner zentralen Wahlversprechen - und wurde zu einer seiner größten Niederlagen in den ersten hundert Tagen. Ende März musste der Gesetzentwurf zurückgezogen werden, weil die Republikaner dafür im Repräsentantenhaus keine Mehrheit zusammenbekamen - und dies, obwohl sie die Kammer dominieren. Auch ein neuer Entwurf wird von moderaten Republikanern skeptisch gesehen und dürfte im Senat auf entschiedenen Widerstand stoßen.
  • STEUERREFORM Es solle die größte Steuerreform seit den 80er Jahren werden, kündigte Trump immer wieder an. Die Pläne, die der Milliardär diese Woche vorlegte, sind allerdings extrem vage. Selbst prominente Republikaner rügten, dass es sich lediglich um grobe Eckpunkte handle.
  • AUSSENPOLITIK Trumps Kurswechsel sind bisher die größte Konstante in seiner Außenpolitik: So kühlte sich sein Verhältnis zu Russlands Präsident Wladimir Putin, den er in der Vergangenheit überschwänglich lobte, zuletzt deutlich ab. Trump ruderte auch mit Blick auf die Nato zurück und stellte klar, das Bündnis sei entgegen früherer Aussagen doch nicht obsolet. In den Syrien-Krieg wollte sich der Präsident eigentlich nicht tiefer hineinziehen lassen, doch dann ließ er einen syrischen Militärstützpunkt als Reaktion auf einen Giftgaseinsatz beschießen. Über Trumps Haltung zu zahlreichen weiteren außenpolitischen Themen, etwa zu Afghanistan, wird indes weiter gerätselt. Im Außenministerium in Washington sind weiter zahlreiche Posten nicht besetzt.
  • DIE MAUER Eine Mauer entlang der Grenze zu Mexiko, für die das Nachbarland zahlen soll - das war eines der umstrittensten Wahlversprechen Trumps, der ein hartes Vorgehen gegen illegale Zuwanderer angekündigt hat. Wie die milliardenteuere Mauer finanziert werden soll, steht allerdings bis heute in den Sternen. Um einen Stillstand des Regierungsapparats im US-Haushaltsstreit zu verhindern, verzichtete Trump zu Beginn der Woche auf seine Forderung nach einer Anschubfinanzierung durch den Kongress.
  • ZUWANDERUNG Trump wollte Muslimen die Einreise in die USA verweigern, um das Land vor der Extremistenmiliz IS zu schützen, wie er sagte. Gerichte stoppten seinen Einreisebann für Bürger von sieben muslimischen Staaten jedoch recht zügig.
  • OBERSTER GERICHTSHOF Hier erzielte Trump einen seiner wenigen Erfolge: Mit der Ernennung von Neil Gorsuch erfüllte er das Versprechen, einen Nachfolger ähnlicher Gesinnung für den verstorbenen Richter Antonin Scalia zu installieren.
  • HANDEL Nur wenige Tage nach der Amtsübernahme erfüllte der Präsident sein Wahlversprechen, das Freihandelsabkommen TPP mit der Pazifikregion aufzukündigen. Auch das Freihandelsabkommen NAFTA für den nordamerikanischen Raum wollte er zu Fall bringen oder zumindest nachverhandeln, da es für die Abwanderung von Jobs nach Mexiko verantwortlich sei. Die Drohung damit sorgte für Aufruhr an den Finanzmärkten. Am Donnerstag erklärte sich Trump auf Bitten Mexikos und Kanadas dann doch zu Verhandlungen bereit.
    Trump wirft unter anderem Deutschland und China vor, sich auf Kosten der USA Handelsvorteile zu verschaffen. Nach einem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel im März in Washington kündigte er an, er werde auf einer Neuausrichtung der Handelsbeziehungen zugunsten der USA bestehen. Deutschland habe Verträge besser verhandelt als die USA, das müsse sich zugunsten der Vereinigten Staaten ändern. Sein Hauptziel sei es, Jobs zurückzubringen. Vor allem Trumps Aussagen zur EU, Pläne für Strafzölle auf Importe sowie Abschottungsbestrebungen hatten in Deutschland und Europa Sorgen ausgelöst.
  • KLIMAABKOMMEN Trump will bald über einen Ausstieg aus dem Pariser Klimaschutzabkommen entscheiden. Er ist der Ansicht, dass die Vereinigten Staaten in dem Abkommen ungerecht behandelt würden. Länder wie China, Indien und Russland müssten viel weniger zahlen, um die armen Länder im Kampf gegen den Klimawandel zu unterstützen.
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