"Das System ist korrupt und am Ende“

"Das System ist korrupt und am Ende“

Das Neos-Duo: Matthias Strolz (l.) und Hans Peter Haselsteiner (r.) im FORMAT-Gespräch.

Neos-Chef Matthias Strolz und Mentor Hans Peter Haselsteiner im FORMAT-Gespräch über den Endspurt im Wiener Wahlkampf und die Neos-Reformrolle im Bund.

FORMAT: Herr Haselsteiner, Sie werden in einer Stunde eine neue Folge der Puls-4-Start-up-Show aufzeichnen, bei der Sie Juror sind. Wie zufrieden sind Sie eigentlich mit dem politischen Start-up Neos, das Sie ja sehr unterstützen?
Hans Peter Haselsteiner : Ich bin mit den Neos durchaus zufrieden - trotz der Rückschläge auf Landesebene, die gar nicht so überraschend gekommen sind. Ihre Parlamentsarbeit hat sich entwickelt und konsolidiert, man nimmt die Neos als Reformkraft wahr. Jetzt auf den großen Reformbedarf im Land aufmerksam zu machen, das ist eine wichtige Aufgabe, und die erfüllen die Neos gut.

Herr Strolz, ist der Wiener Wahlkampf so gelaufen, wie man es sich bei den Neos vorgestellt hat?
Matthias Strolz : Der Wahlkampf läuft gut. Die Zuspitzung auf Häupl gegen Strache habe ich mir zwar nicht ausgesucht, das unterliegt aber auch nicht unserem Einfluss. Natürlich ist dieses simulierte Duell, das es in Wahrheit ja gar nicht gibt, für Neos genauso eine Herausforderung wie für die Grünen und die Schwarzen.

Das heißt, das Duell gibt es in Wahrheit nicht?
Strolz: Häupl liegt ohnehin klar voran und hat es mit seiner Maschinerie geschafft, das Ding wieder zu drehen. Am Weg hierher hat mir der Taxifahrer erklärt, dass ihm die Neos gefallen würden, er diesmal aber Häupl wählen muss, um Strache zu verhindern. Das denken viele. Wenn wir ein paar Minuten Zeit zur Diskussion haben, können wir diese Leute wieder zurückgewinnen. Wir erklären dann, dass es keinen effektiveren Hebel als Neos zur Verhinderung von Strache gibt. Um Bürgermeister zu werden, braucht Strache eine Mehrheit im Gemeinderat. Wenn Neos im Gemeinderat ist, bekommt er die sicher nicht.
Haselsteiner: Selbst wenn Strache voranläge, gäbe es ihn nach der Wahl nicht als Bürgermeister. Das weiß er selbst, und Häupl weiß das auch. Gleichwohl wahren und nützen beide den Schein eines Duells, um Wählerstimmen zu maximieren.
Strolz: Ich halte sowieso überhaupt nichts von taktischem Wählen. Da weißt du nie, was du nach der Wahl wirklich kriegst. Man soll wählen, was man für richtig und wichtig für das Land oder die Stadt hält. Und da sage ich: Es war nie wichtiger, so eine Kraft wie Neos zu haben.

Ketzerische Frage: Was passiert denn, wenn die Neos in Wien doch nicht in den Gemeinderat kommen?
Strolz : Erstens wird das nicht passieren. Zweitens sind wir als bundesweite Kraft geboren und würden dann einfach weitermarschieren. Wenn etwas nicht so läuft wie geplant, dann bleibt man kurz stehen, schüttelt sich einmal ordentlich, und weiter geht’s.
Haselsteiner : Die Neos werden sicher in den Gemeinderat kommen. Die Frage ist viel eher, welche Koalitionsvarianten sich ausgehen und ob Beate Meinl-Reisinger, die ich für überdurchschnittlich begabt halte, die Möglichkeit bekommt, gestalten zu können. Auch die Oppositionsrolle kann in Wien im Übrigen ergiebig sein, wenn man sie richtig ausfüllt. Beate würde sie gut ausfüllen, da habe ich keinen Zweifel.

Lesen Sie das ganze Interview in der FORMAT Ausgabe 41/2015
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Zu den Personen

Matthias Strolz , geboren 1973 in Bludenz, kommt aus der ÖVP und ist seit zwei Jahren Nationalratsabgeordneter und Chef der Neos, die er gemeinsam mit dem Medienmanager Veit Dengler 2012 gründete.

Hans Peter Haselsteiner , geboren 1944 in Wörgl, Industrieller und Investor, war zwischen 1994 und 1998 Parlamentsabgeordneter des Liberalen Forums und unterstützt die Neos seit deren Gründung finanziell und als Ratgeber.

Kommentar
Christoph Kotanko, Korrespondent der Oberösterreichischen Nachrichten (OÖN) in Wien

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