Strache fliegt aus FPÖ und kündigt Polit-Comeback an

Heinz-Christian Strache

Heinz-Christian Strache wird aus der FPÖ ausgeschlossen - und will trotz Ibiza und Spesenskandalen zurück in die Politik.

Die FPÖ bricht endgültig mit Heinz-Christian Strache und hat ihren langjährigen Obmann aus der Partei ausgeschlossen. Strache kündigte daraufhin umgehend via Facebook sein Polit-Comeback an. Vermutlich im neu gegründeten DAÖ.

Die FPÖ und Heinz-Christian Strache sind geschiedene Leute. Der langjährige Obmann wurde nach langem hin und her aus der Partei, deren Chef er fast eineinhalb Jahrzehnte lang war, ausgeschlossen.

Strache war bereits Anfang Oktober, nach den für die FPÖ verlorenen Nationalratswahlen und rund ein halbes Jahr nach Veröffentlichung des Ibiza-Videos suspendiert worden. Allerdings nicht wegen des Ibiza-Skandals und der fragwürdigen Aussagen von Strache, die sein eigenartiges Demokratie-Verständnis bloßlegten, sondern wegen des vor den Wahlen öffentlich bekannt gewordenen Luxuslebens des früheren Parteichefs und Vizekanzlers auf Kosten der Steuerzahler.

Neben großzügigen Unterstützungen aus der Parteikasse soll Strache auch private Ausgaben über Umwege über die Partei abgerechnet haben, was Strache zwar bestreitet, aber von den FPÖ-Wählern ganz und gar nicht geschmeckt hat. Auch für viele derjenigen, die ihm Ibiza noch als "bsoffene Gschicht" abgekauft hatten, war Straches Saubermann-Image dann endgültig zerstört.

Wochenlanges Zögern in der FPÖ

Die endgültige Entscheidung über den Parteiausschluss zog sich dann dennoch wochenlang dahin. Parteichef Norbert Hofer sah den Ausschlusses seines Ex-Chefs dann auch als Befreiung für die Partei. Unter die Causa Ibiza sei nun ein Schlussstrich gezogen. Die FPÖ könne in die Zukunft schauen.

Der Beschluss über den Rausschmiss Straches im Wiener Landesparteivorstand wurde einstimmig gefällt. Der Urteilsspruch: "parteischädigendes Verhalten" des ehemaligen Chefs.

Strache vor Comeback


Via Facebook kündigte der im Skandal- und Spesenstrudel untergegangene Strache in einer Video-Botschaft umgehend ein Polit-Comeback an. "Meine Liebe zur Politik ist nicht erloschen", erklärte er. Die Basis dafür dürfte wohl der von drei abtrünnigen Wiener FPÖ-Politikern gegründete Club DAÖ sein. Der FPÖ fehle aufgrund tiefgreifender innerer Zerrissenheit die gemeinsame Stimme und die Bereitschaft und Fähigkeit zur Einigung.

"Der enorm große Zuspruch" aus der Bevölkerung lasse ihn "verstärkt über ein politisches Comeback im Jahr 2020 nachdenken" und motiviere ihn dazu, "der Politik, meinen Anhängern und den Bürgern dieses Landes nicht den Rücken zuzukehren."


Straches FPÖ-Karriere

Das Ibiza-Skandalvideo

Die wichtigsten Szenen aus dem Video, das Straches politisches Ende einleitete.

  • Straches Karriere in der FPÖ begann früh und war steil. Mit 21 Jahren wurde er jüngster Bezirksrat in Wien-Landstraße. Nebenbei absolvierte er eine Ausbildung zum Zahntechniker.

  • Politisch ging es flott nach oben. Lange vor seinem 30. Geburtstag angelte er sich ein Mandat im Wiener Landtag und galt rasch als Hoffnungsträger der traditionell starken Landesgruppe. Anfangs noch Fan Jörg Haiders und eine der Hauptfiguren des Knittelfelder Delegiertentreffens, wandelte er sich während Schwarz-Blau zu Haiders stärksten parteiinternen Kontrahenten. Straches steigende Popularität war wohl Anlass für Haider, sich mit dem BZÖ aus der FPÖ zu verabschieden.

  • Damit war 2005 die Stunde Straches an der Spitze der FPÖ gekommen. Umgeben von einem treuen Stab um Herbert Kickl, Harald Vilimsky und Norbert Hofer konsolidierte er die Partei sowohl finanziell als auch beim Wähler. Auch immer wiederkehrende Vorwürfe aus der Vergangenheit - etwa sein "Drei Bier"-Gruß - und eine selten faktentreue inhaltliche Ausrichtung stoppten seinen Weg nach oben nicht. Anti-EU- und Anti-Islampolitik erwiesen sich als beständige Wahlkampfschlager ob im Bund oder in Wien.

  • Seinen politischen Zenit erreichte er als ihn Sebastian Kurz in die Regierung holte. Dass Kurz sich das traute lag auch an einem Image-Wandel des FPÖ-Chefs, der sich staatsmännischer gab und sich mit rüden Parolen zurückhielt. Strache wurde Vizekanzler und Minister für Sport und den öffentlichen Dienst.

  • In Regierungsfunktion angekommen machte Strache selbst inhaltlich nicht viel. Er inszenierte sich als romantischer Ehemann, Papa-Monat-Vater und Hundefreund und betonte, dass das türkis-blaue Projekt auf Schiene bleiben müsse. Ein Projekt, bei dem es Strache offensichtlich besonders auch darum ging, treue Parteifreunde und langjährige Begleiter in hoch dotierte Positionen zu hieven.

  • Am 18. Mai 2019 - einen Tag nach der Veröffentlichung des Ibiza-Videos - war Straches Polit-Karriere beendet. Danach wurde noch Straches luxuriöser Lebensstil auf Kosten der Parteikasse - und damit der Steuerzahler - bekannt. Der nun erfolgte Partei-Ausschluss war die letzte, späte Konsequenz einer Sommernacht in Ibiza.
Kommentar
trend-Chefredakteur Andreas Lampl

Türkis-Grün: Die K & K Koalition

Andreas Lampl: Schulschwänzen bei der Regierungsbildung

Kommentar
Andreas Bierwirth, CEO Magenta Telekom

Türkis-Grün: Die K & K Koalition

Andreas Bierwirth: "Mut, ein Vorreiter in Europa zu sein"

Kommentar
Sabine Herlitschka zu Türkis-Grün: Eine besondere Chance

Türkis-Grün: Die K & K Koalition

Sabine Herlitschka zu Türkis-Grün: Eine besondere Chance

Kommentar

Türkis-Grün: Die K & K Koalition

Renate Anderl: Viele Vorhaben - wer soll die Party bezahlen?