Staatssekretär Harald Mahrer wird Wirtschaftsminister

Modern, hip, modisch, mit neuen Medien vertraut - im 21. Jahrhundert angekommen: So stellt sich der bisherige Wirtschaftsstaatssekretär und künftige Wirtschaftsminister Harald Mahrer gerne dar. Dass sich der bekennende EU-Befürworter, der auch als ÖVP-Regierungskoordinator fungierte, nur als Übergangsminister bis zur Wahl sieht, darf bezweifelt werden.

Staatssekretär Harald Mahrer wird Wirtschaftsminister

Der designierte ÖVP-Chef Sebastian Kurz hat seinen Nachfolge-Kandidaten für Reinhold Mitterlehner als Wirtschaftsminister bestimmt: Harald Mahrer, in den letzten Jahren Staatssekretär für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft, soll das vakant gewordene Ministeramt übernehmen. Der Posten des Staatssekretärs soll eingespart werden. Morgen, Mittwoch um 9.00 Uhr wird Bundespräsident Alexander Van der Bellen den 44-jährigen als Wirtschaftsminister vereidigen. In dem Rahmen wird auch Justizminister Wolfgang Brandstetter als Vizekanzler angelobt.

Während seiner Zeit als Staatssekretär hat sich Mahrer besonders für Start-ups eingesetzt und immer wieder betont, dass er nicht nur Politiker, sondern selbst ebenfalls Unternehmer ist. Mahrer ist Alleingesellschafter der HM Tauern Holding Beteiligungsgesellschaft m. b. H. mit Sitz in Spittal an der Drau. Geschäftsführerin ist seine Gattin Andrea Samonigg-Mahrer, die außerdem auch Chefin des allgemeinen öffentlichen Krankenhauses in Spittal an der Drau ist.

Kritiker werfen dem designierten das Produzieren allzu vieler "Luftblasen" und "Überschriften" vor. Wohlgesonnene hingegen sprechen von einem ehrgeizigen Politiker und Strategen, der sich nicht zu schade ist, auch einmal selbst Hand anzulegen und Strategiepapiere selbst zu schreiben. Keineswegs überlässt Mahrer seine Agenden nur Mitarbeitern. Selten aber doch kann er auch einmal lauter werden. Schlaf braucht er angeblich wenig.

Ein politisches Fallbeispiel, das Mahrers Intentionen gut beschreibt, ist ein Förderprogramm namens "Global Incubator Network" (GIN). Es ist mit vier Millionen Euro dotiert und soll Start-ups nach Österreich locken. "Es geht um Innovation mit Fokus auf Start-ups und Spin-offs", sagte Mahrer, als er das Programm in Hongkong vor Investoren vorstellte und von Österreich als "the place to be" sprach.

Spiel mit der Jugend

"No sleep till Brooklyn" heißt ein Song der US Hip-Hop Band Beastie Boys aus 1986. "No sleep till Gründerland No.1", ließ Mahrer im Rahmen dieser Hongkong-Reise vor eineinhalb Jahre auf T-Shirts drucken. Wohl, um sein Ziel von einem Österreich als Topnation für Unternehmensgründungen zu verdeutlichen. Die ewig jungen Beastie Boys, deren Sänger Adam Yauch (MCA) bereits 2012 im Alter von 47 Jahren an Krebs gestorben ist, passen zu dem jugendlichen Image, das Mahrer gerne pflegt.

Er steht für den jungen Teil der ÖVP, der auf Modernität und Selbstverantwortung pocht. Verhandlungen zur Erneuerungen im Arbeitsrecht und zur Arbeitszeitflexibilität seien wegen SPÖ, Arbeiterkammer und Gewerkschaft "schwierig", sagte Mahrer kürzlich. Das Arbeitsrecht stamme aus den 1960er/70er-Jahren und müsse erneuert werden. "Erwerbsfreiheit ist ein Menschenrecht", sagte er im Sinne von mehr Freiheiten für Einpersonenunternehmen.

In der ÖVP war Mahrer auch als "Spiegel" der jeweiligen Bildungsministerin tätig. Ihm eilt dabei der Ruf voraus, pragmatisch und offen an das Bildungsthema heranzugehen. Die sonst mit der SPÖ vorprogrammierten Grabenkämpfe ließ er weitgehend aus. Mit Gabriele Heinisch-Hosek vereinbarte er die Grundzüge der allerdings nach wie vor nur erst rudimentär umgesetzten Bildungsreform - inklusive High-Five für die "fast geile" Bildungsreform nach Verhandlungsende. Mit Sonja Hammerschmid zurrte er zuletzt das Schulautonomie-Paket fest, dessen Verabschiedung trotz bevorstehender Einigung mit der Lehrergewerkschaft allerdings noch in den Sternen steht.

Vom Staatssekretär zum Minister

Politik macht Mahrer auch, um seine wirtschaftsliberalen Prinzipien zu vertreten. Er vermittelt einerseits den Eindruck, dass er keineswegs von der Politik abhängig ist. Andererseits sieht man Mahrer auch den Ehrgeiz an, in der Politik auch gerne mehr zu werden als "nur" Staatssekretär. Das ist nun auch der Fall, zumindest bis zur Wahl.

Privat geht Mahrer, geboren am 27. März 1973 in Wien, auf die Jagd und schwimmt gerne - unter anderem im Millstätter See bei Spittal. Dort soll er manchmal auch privat auf Bundeskanzler Christian Kern treffen. Die beiden können angeblich ganz gut miteinander. Auch Kern zieht es öfters an diesen See, wo er ein Haus besitzt.

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