SPÖ-LH-Stellvertreter Schickhofer tritt nach Wahlniederlage zurück

Michael Schickhofer zieht die Konsequenz aus schlechtestem Ergebnis bei Landtagswahlen in Steiermark. Der steirische SPÖ-Chef zieht sich zurück und legt alle Funktionen nieder.

SPÖ-LH-Stellvertreter Schickhofer tritt nach Wahlniederlage zurück

Graz. Der steirische SPÖ-Vorsitzende Michael Schickhofer zieht die Konsequenzen aus der schweren Wahlniederlage am Sonntag bei der Landtagswahl - im vorläufigen Ergebnis war die SPÖ um rund 6 Prozentpunkte gefallen - und tritt zurück. Dies sagte Schickhofer am Montag in einer kurzfristigen Erklärung am Montag in der Grazer Burg. Er legt alle Funktionen in Bund und Land zurück.

Der SPÖ-Vorsitzende hat mit seinem Rücktritt das umgesetzt, was er vor der Wahl angekündigt hatte. "Ich bin ein Mensch, der Verantwortung nicht abschiebt, sondern Verantwortung übernimmt. Daher ist es klar, dass ich als Spitzenkandidat der Sozialdemokratie Verantwortung für dieses Ergebnis übernehme", sagte Schickhofer in seiner Erklärung am Montag nach der Wahl.

Schickhofer hatte nach der Nationalratswahl am 29. September angekündigt, dass er natürlich die "Konsequenzen" nach der Landtagswahl ziehen werde, sollte er dort ein Ergebnis wie auf Bundesebene (21,2 Prozent) einfahren. Die SPÖ hatte bei der gestrigen Landtagswahl laut Hochrechnungen nur rund 23 Prozent erreicht.

"Nach dem gestrigen Wahlergebnis musste ich eine Nacht darüber schlafen, es war mir wichtig mit meiner Familie, mit meiner Frau und den Kindern darüber zu reden, wie ich mein künftiges Leben gestalte", so Schickhofer. Die Entscheidung sei schon gestern Abend gereift, aber er wollte unbedingt mit seiner Familie noch darüber reden.

Er habe seine Arbeit geliebt und seine Kraft gerne eingesetzt. "Es ist eine Geschenk für die Steiermark arbeiten zu dürfen. Aber ich nehme zur Kenntnis, dass ich mehr Unternehmer und Manager bin als klassischer Politiker." Nun beginne für ihn mit bald 40 Jahren ein "neuer Lebensweg". Er werde jetzt mehr Zeitz für die Familie haben. Aber er bleibe ein aktives Parteimitglied und will sich auch bei Bedarf einbringen.

Schickhofer bedankte sich bei seinen Mitstreitern. "Ich bedanke mich für neun Jahre, der letzte Abschnitt war ein schwieriger." Er blickt aber auch auf Erfreuliches zurück: "Ich habe das eine oder andre Achterl mit Schützenhöfer in gemütlicher Atmosphäre genossen."

Ein Rücktritt war von Schickhofer selbst und steirischen SPÖ-Spitzenpolitikern am Wahlabend noch weitgehend ausgeschlossen worden, man hatte auf die am Montagnachmittag tagenden Gremien verwiesen. Die SPÖ ist am Sonntag auf das schlechteste Ergebnis ihrer Geschichte in der Steiermark abgestürzt, die erste Position im Lande - vom früheren Parteichef Franz Voves 2005 erobert und 2010 sowie 2015 verteidigt - war damit deutlich an die wiedererstarkte ÖVP unter LH Hermann Schützenhöfer verloren.

Schickhofer sagte am Montagnachmittag beim Verlassen der Sitzung zur APA, seine Entscheidung zum Rückzug sei am Sonntagabend beim Abschluss der roten Wahlfeier im Cafe Eggenberg gereift. In der Nacht habe er noch einmal nachgedacht und sich dann beim Frühstück mit seiner Familie besprochen. Eine Rückkehr in die Politik schloss Schickhofer - der erleichtert wirkte - aus.

Seine Frau Ulrike sagte in der "Kleinen Zeitung" online, dass Schickhofer der Familie beim Frühstück gesagt habe, dass er aufhören möchte und was er machen will. "Ich war überrascht, bin aber auch froh." Die Kinder hätten es unterschiedlich aufgenommen. "Der Vincent wollte, dass Michael weitermacht. Die Minna ist froh, dass er damit aufhört." Zu beruflichen Zukunft ihres Mannes sagte sie: "Ich kann mir vorstellen, dass er in die Privatwirtschaft gehen wird, für ein Unternehmen, das etwas Sinnvolles macht."

Schickhofer hat nach eigenen Angaben SP-Parlamentarier Jörg Leichtfried gebeten, die Landespartei interimsmäßig zu übernehmen. Finanzlandesrat Anton Lang soll für die SPÖ die Regierungsverhandlungen in der Steiermark führen.

Für 17.00 Uhr war eine Pressekonferenz zur interimistischen Nachfolge angesetzt.

Zur Sitzung des Parteivorstandes waren etliche steirische Parteigranden gekommen, darunter die Landesräte Anton Lang, Ursula Lackner und Doris Kampus, weiter Bau-Holz-Gewerkschafter Josef Muchitsch und der obersteirische Abg. Max Lercher. Nach dem Vorschlag Schickhofers soll Finanzlandesrat Anton Lang die Verhandlungen mit dem Wahlsieger ÖVP führen. Einer der stellvertretenden steirischen Parteichefs, Nationalratsabgeordneter Jörg Leichtfried, soll interimistisch die Partei führen. Wie lange diese Lösung andauern könnte, darüber war vorerst nichts zu erfahren.

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