"Spielzeuge von Landeshauptleuten"

"Spielzeuge von Landeshauptleuten"

FORMAT : Herr Androsch, wie gefährlich sind die Landeshypos?

Hannes Androsch : Im Tagesgeschäft spielen sie keine Rolle. Die Gefahr liegt in den gigantischen Landeshaftungen. Viele Hypos gehören zwar nicht mehr der öffentlichen Hand, was gut ist. Doch die Länder haften weiterhin mit Milliarden. Die Landeshypos in Vorarlberg, Tirol und Niederösterreich sind jedenfalls entbehrlich. Egal wo die ihr Geld reinstecken, sie verlieren es. Das sind teure Spielzeuge von abgehobenen Landeshauptleuten. Die Länder haben nicht einmal die eigenen Finanzen im Griff, geschweige denn eine Bank.

Sind Landeshypos nicht wichtig, um Regionalprojekte zu fördern?

Androsch : Ja, das haben sie uns in den letzten Jahren bewiesen. Tirol hat in Sizilien und Bayern viel Geld versenkt. Die Niederösterreicher zocken mit Wohnbaugeldern an der Börse. Und die Kärntner haben am Balkan alles zusammengekauft, was - aus gutem Grund - keiner haben wollte.

Wofür brauchen wir die Hypos noch?

Androsch : In Wahrheit haben die Landeshypos keine Funktion mehr. Es wird zu einer Kommassierung kommen, wie es im Agrardeutsch heißt. Bei einer längst überfälligen Flurbereinigung im Bankensektor werden sie aufgesogen.

Wie beurteilen Sie die "private“ Hypo Salzburg, die beim "Salzburger Finanzskandal mitmischte?

Androsch : Die ist auch kein Ruhmesblatt. Raiffeisen Oberösterreich wird das Engagement bei der Hypo Salzburg schwitzende Nächte bereiten. Was ich so höre, prüft das Land Salzburg Schadenersatzansprüche in alle Richtungen.

Die Republik musste die Hypo Alpe Adria auffangen. Rechnen Sie als Fimbag-Präsident mit weiteren Rettungsaktionen im Hypo-Sektor?

Androsch : Ich hoffe nicht. Die Hypo Alpe Adria macht uns bereits genug Sorgen. Es ist schwer, diese Bank an den Mann zu bringen. Die EU-Kommission muss einsehen, dass ein Verkauf unter Druck und in der aktuellen Marktlage mit erheblichen Verlusten für die Republik verbunden ist. Bei der Hypo Alpe Adria braucht man noch fünf Jahre, um sie verlustminimierend loszuwerden.

Wie hoch schätzen Sie die Verluste?

Androsch : Im besten Fall wird die Republik mit ein bis zwei Milliarden Euro Verlust davonkommen. Höchstens fünf bis sechs Milliarden Euro sind es, wenn uns die EU mehr Zeit gibt.

Und wenn die EU sich weigert?

Androsch : Dann wird der Steuerzahler ein Vielfaches zahlen. Die Landeshaftungen allein liegen bei 15 Milliarden Euro.

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Die Landes- und Hypothekenbank Vorarlberg (Hypo Vorarlberg) droht Hannes Androsch aufgrund seiner Aussagen im FORMAT-Interview mit einer Klage wegen Rufschädigung und fordert eine Richtigstellung. "Der Vorstand der Vorarlberger Landes- und Hypothekenbank AG verwehrt sich ausdrücklich gegen die unqualifizierten und rufschädigenden Äußerungen des Herrn Dr. Androsch", hieß es am Freitag in einer Aussendung der Bank.

"Die Äußerungen sind nicht nachvollziehbar", hieß es dazu seitens des Vorarlberger Hypo-Vorstandes. Man zähle mit einem A1-Rating zu den am besten bewerteten und profitabelsten Banken Österreichs und verfüge über ein solides Geschäftsmodell. Man spiele gerade für Unternehmen und private Wohnbaufinanzierungen eine wichtige Rolle im Einzugsgebiet. Das Land Vorarlberg stehe als Mehrheitseigentümer für eine ausgezeichnete Bonität und eine stabile Eigentümerstruktur. Der Vorstand treffe seine Entscheidungen weisungsfrei und nach streng wirtschaftlichen Grundsätzen. Die Hypo habe 2011 ein Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) von 81 Mio. Euro erwirtschaftet, 2012 werde man dieses Ergebnis deutlich übertreffen.

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