WKO-Delegierter in Kiew: "Die nächsten Tage sind entscheidend"

format.at sprach mit Hermann Ortner, dem Wirtschaftsdelegierten der WKO in Kiew, über die aktuelle Lage in der Ukraine. Die Wahlen am 25. Mai sieht er nicht gefährdet, ganz im Gegensatz zur Wirtschaft und österreichischen Investments in der Ukraine.

WKO-Delegierter in Kiew: "Die nächsten Tage sind entscheidend"

"Die nächsten Tage sind entscheidend", ist sich Hermann Ortner, der Delegierte der Wirtschaftskammer in Kiew, sicher. "Die Lage in Kiew ist derzeit sehr ruhig. "Friedlich aber angespannt", bezeichnet er die Situation Er selbst habe sich nie gefährdet gefühlt, denn "die Bevölkerung ist gegenüber Ausländern sehr friedlich gesinnt, man muss nur die Brennpunkte wie den Maidan meiden. Die wirtschaftlichen Sorgen sind allerdings groß."

Generell sei die Situation in der Ukraine nicht so schlimm, wie sie über die Medien wirke. Die teils blutigen Proteste hätten sich immer auf einem kleinen Raum abgespielt: "Es gab keinen Flächenbrand, über die Medien wirkten die Ausschreitungen großflächiger."

Krim: Keine Einschätzung möglich

Ganz im Gegensatz zur entspannten Lage in der Hauptstadt ist die Situation auf der Krim. Eine konkrete Einschätzung traut sich Ortner nicht zu. Die Situation sei zu instabil und verändere sich zu oft. "Jedenfalls fühlen sich die Ukrainer nun in ihrer Identität gefährdet", sagt Ortner. Die Folgen sind für ihn nicht absehbar.

So unsicher derzeit die Lage auf der Insel Krim auch ist - politisch, meint Ortner, ist zurzeit alles geregelt. "Man kann aber nicht einschätzen, wie die Situation in ein paar Tagen ist. Die Übergangsregierung muss an den Taten gemessen werden. Die Neuwahlen werden jedenfalls wie geplant über die Bühne gehen.

Liquiditätsproblem macht Sorgen

Wirtschaftlich sieht Ortner große Probleme auf die Ukraine zukommen. "Das BIP geht schon länger zurück. Das liegt aber nicht primär an der Politik, vielmehr gibt es seit Jahren steuerliche und wirtschaftliche Probleme. Es gab dementsprechend kaum noch Investitionen, sehr viele Firmen stecken in massiven Schwierigkeiten."

Langfristig sieht Ortner die Ukraine aber weiterhin als gutes wirtschaftliches Pflaster - wenn die politischen Unruhen einmal beigelegt sind. Gefährlich sei aber das "unheimliche Liquiditätsproblem" des Landes. Die Inflation der Währung, des ukrainische Hrywnja, ist bedrohlich und Reserven sind knapp. Es werde in der nächsten Zeit auch nicht viel neues Geld investiert werden. "Entscheidend sind die politischen Entscheidungen nach den Neuwahlen." Österreichische Unternehmen sehr vorsichtig

Die Ukraine ist ein wichtiger Markt für Österreich, allerdings will aktuell kaum jemand das Risiko auf sich nehmen und Unternehmen zittern um ihre Investments. Die Erste Bank hat sich bereits im Jahr 2013 aus der Ukraine verabschiedet, Raiffeisen den Verkauf der ukrainischen Aval-Bank auf Eis gelegt.

Prognosen traut sich Ortner beim besten Willen nicht zu. "Als Unternehmer in der Ukraine kann man derzeit eigentlich nur abwarten." Vorerst tun das offenbar auch noch alle Unternehmen. Ortner: "Mit ist aktuell nicht bekannt, dass sich ein Unternehmen aus der Ukraine zurückziehen wird." Prinzipiell hält er die Ukraine für wirtschaftlich interessant. "Das zeigt auch das im Vorjahr gestiegene Exportvolumen."

Die Ukraine hängt nicht nur wirtschaftlich, sondern auch finanziell stark am Tropf Russlands. So hat es Moskau in der Hand, die europafreundliche Regierung des klammen Nachbarlands in arge Bedrängnis zu bringen. Möglich macht das eine Klausel in den Verträgen für eine drei Milliarden Dollar schwere ukrainische Staatsanleihe, die von Russland gehalten wird und noch bis Ende 2015 läuft.
 

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